Logo

"Aus vielen Wunden blutest du, o Volk" (Verworfenes Schlussblatt für "Ein Weberaufstand", 1. Zustand)

Ident. Nr.: 658-1912

ObjID: obj:3795481

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Käthe Kollwitz (1867 - 1945),
Radierer*in
Datierung
Herstellung: 1893-1897
Geografische Bezüge
Berlin,
Stadt
Provenienz
Schenkung (?): Katharina Schmidt (1837-1925),
bis 8.10.1912
Abmessungen
Plattenrand: 12,9 x 33,5 cm
Blattmaß: 32,5 x 47,4 cm
Erwerbung
1912 Geschenk von Katharina Schmidt, der Mutter der Künstlerin

Objektbeschreibung

[...] Auf Anraten des Kunstkritikers Julius Elias wurde das zum Realismus der Übrigen Folge kontrastierende allegorische Schlußblatt nicht in die Folge aufgenommen. Trotzdem kam die Künstlerin vier Jahre später nochmals auf ihre Idee zurück und variierte sie in der triptychonartigen Radierung "Zertretene" [von 1910, #vgl. Ident. Nr. 517-1910]. Angelehnt an den Typus einer christlichen Beweinungsszene, zeigt die Fassung von 1896 einen halbnackten jungen Mann, der sich über eine christusähnliche, auf Dornen gebettete Gestalt mit Dornenkrone und Seitenwunde beugt. Während er sich mit der Linken auf ein Schwert stützt, greift er mit den Fingern der Rechten in die Seitenwunde des Toten. Zwei nackte gefesselte Frauen [#vgl. Ident. Nr. 106-1906, "Frauenakt am Pfahl", 1900] rahmen die Mittelgruppe. Während die christusähnliche Gestalt als das leidende Volk und der sich zu ihm herabbeugende junge Mann als das harte Leben oder auch als Rächer und Allegorie der Revolution gedeutet werden, symbolisieren die gefesselten Frauen wohl die ohnmächtigen Zeugen und Mitleidenden des Geschehens.

(Text: Sigrid Achenbach, Käthe Kollwitz (1867-1945). Zeichnungen und seltene Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Ausst.-Kat. Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1995, S. 47-48, Kat.-Nr. 41)

Letzte Aktualisierung: 18.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)