Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: o. und Mi.: Ākāsa-Gaṅgā (als Bild und Text), Tiyaggala-See; o. Mi.: Baka-Jātaka (J. 38); u.: Bhallāṭiya-Jātaka (J. 504) (als Bild und Text); r. o.: Maṇimekhalā und Rāmāsura (ohne Text), Teil 1
Ident. Nr.: II 650 045v-046v
ObjID: obj:3831847
Details (Expert)
- Beteiligte
- Somdet Phra Sangkharat (1776); InschriftKempermann (1882); Archive
- Datierung
- Datierung: Dienstag, 24. September 1776
- Systematik/Art
- Weitere Titel
- Kosmologische Prachthandschrift Traiphum („Drei Welten“); Jambudīpa: o. und Mi.: Ākāsa-Gaṅgā (als Bild und Text), Tiyaggala-See; o. Mi.: Baka-Jātaka (J. 38); u.: Bhallāṭiya-Jātaka (J. 504) (als Bild und Text); r. o.: Maṇimekhalā und Rāmāsura (ohne Text), Teil 1Übersetzung: Illuminated cosmological manuscript Traiphum (“Three Worlds”); Jambudīpa: top and centre: Ākāsa-Gaṅgā (image and text), Lake Tiyaggala; top centre: Baka-Jātaka (J. 38); bottom: Bhallāṭiya-Jātaka (J. 504) (image and text); top right: Maṇimekhalā and Rāmāsura (without text), part 1
- Geografische Bezüge
- Material / Technik
- Khoi-Manuskript (samut khòi) im Leporello-Format; schwarze Tinte, Deckfarben und Goldtusche auf graubraunem (weißgrundigem) Khoi-Papier, dunkelbraun lackierter hölzerner Einbanddeckel
- Abmessungen
- Blattmaß: 24,5 x 50,0 cm (Maße einer Faltseite; Höhe x Breite; Breite parallel zur Faltkante)Länge: 33,3 m (Gesamtlänge des vollständig entfalteten Manuskripts; recto und verso jeweils 33,3 m; 136 Faltsegmente)Höhe: 8 cm (Gesamthöhe des zusammengefalteten Manuskripts einschließlich der Einbanddeckel)Gewicht: 5,6 kg
- Erwerbung
- Erwerbung von Gerolamo Emilio Gerini 1895
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/3831847
Objektbeschreibung
Jataka Nr. 38 (oben): Die Krabbe und der Kranich
Einst gerieten Fische in einem Teich in große Not, denn extreme Hitze drohte alles Wasser zu verdunsten. Ein listiger Kranich beobachtete dies und bot den Fischen scheinbar Hilfe an: Er wolle sie einzeln zu einem wasserreichen See tragen. Doch stattdessen fraß er unterwegs einen Fisch nach dem anderen auf und ließ die Gräten achtlos zu Boden fallen. Die Strafe folgte: Eine zuletzt aus dem Teich „gerettete“ Krabbe schnitt dem Kranich auf dem Flug mit ihren Zangen die Kehle durch.
Jataka Nr. 504 (unten): Die treue Liebe des Vogelmensch-Paares
Einst ging ein König namens Bhallatiya im Himavanta-Wald auf die Jagd. Auf einer Lichtung sah er ein Vogelmensch-Paar. Die beiden Liebenden umarmten sich und weinten. Der Jäger fragte nach ihrem Kummer und sie erzählten, dass sie in 697 Jahren des Zusammenseins eine Nacht durch einen zwischen ihnen anschwellenden Fluss getrennt zubringen mussten. Die Erinnerung daran löse immer noch Trauer aus. Tief berührt kehrte Bhallatiya heim und nutzte das Beispiel, um Streit von Eheleuten zu schlichten.
Einst gerieten Fische in einem Teich in große Not, denn extreme Hitze drohte alles Wasser zu verdunsten. Ein listiger Kranich beobachtete dies und bot den Fischen scheinbar Hilfe an: Er wolle sie einzeln zu einem wasserreichen See tragen. Doch stattdessen fraß er unterwegs einen Fisch nach dem anderen auf und ließ die Gräten achtlos zu Boden fallen. Die Strafe folgte: Eine zuletzt aus dem Teich „gerettete“ Krabbe schnitt dem Kranich auf dem Flug mit ihren Zangen die Kehle durch.
Jataka Nr. 504 (unten): Die treue Liebe des Vogelmensch-Paares
Einst ging ein König namens Bhallatiya im Himavanta-Wald auf die Jagd. Auf einer Lichtung sah er ein Vogelmensch-Paar. Die beiden Liebenden umarmten sich und weinten. Der Jäger fragte nach ihrem Kummer und sie erzählten, dass sie in 697 Jahren des Zusammenseins eine Nacht durch einen zwischen ihnen anschwellenden Fluss getrennt zubringen mussten. Die Erinnerung daran löse immer noch Trauer aus. Tief berührt kehrte Bhallatiya heim und nutzte das Beispiel, um Streit von Eheleuten zu schlichten.
Dämon Ramasura, Göttin Manimekhala und die Kristallkugel (fols. 046v-047v oben)
Die schöne und tugendhafte Göttin Manimekhala und der grobschlächtige Dämon Ramasura erlernen beim selben spirituellen Lehrer besondere Fähigkeiten. Doch am Ende wird nur Manimekhala mit einer Kristallkugel ausgezeichnet, die Blitze schleudern kann. Dämon Ramasura ist eifersüchtig. Er verfolgt Manimekhala und möchte ihr die Kristallkugel rauben. Doch Manimekhala blendet ihn mit einem Blitz aus der Kugel. Ramasuras Waffen verfehlen sie. Blitz und Donner gelten als Ausdruck dieses Kampfes.
Die schöne und tugendhafte Göttin Manimekhala und der grobschlächtige Dämon Ramasura erlernen beim selben spirituellen Lehrer besondere Fähigkeiten. Doch am Ende wird nur Manimekhala mit einer Kristallkugel ausgezeichnet, die Blitze schleudern kann. Dämon Ramasura ist eifersüchtig. Er verfolgt Manimekhala und möchte ihr die Kristallkugel rauben. Doch Manimekhala blendet ihn mit einem Blitz aus der Kugel. Ramasuras Waffen verfehlen sie. Blitz und Donner gelten als Ausdruck dieses Kampfes.
Der südliche Strom, Teil 3: Akasha-Ganga (fol. 045v)
Nach langem gleichmäßigem Verlauf kracht das Wasser des südlichen Stroms gegen einen Berg. Dadurch schießt es hoch auf in den Äther. In diesem Abschnitt heißt der Strom Akasha-Ganga. Wieder herabfallend kann sein Wasser zu Regen, Hagel oder Tau werden. Schließlich stürzt der Strom herunter auf den Tiyaggala-Felsen und formt am Fuß des Felsens den Tiyaggala-Teich, der voller Lotosblumen ist.Der südliche Strom, Teil 4 & 5: Bahala- und Ummagga-Ganga (fol. 046v)
Nun fließt der südliche Strom zweimal hintereinander am Fuße eines Berges in dessen Fels hinein und strömt unterirdisch weiter. Er kommt dann auf der anderen Seite wieder aus dem Berg heraus.: Erst taucht er unter den Bahala-Berg (Felsen links) und heißt dann Bahala-Ganga. Dann fließt er als Umagga-Ganga weiter, bis er unter dem Berg Vijjhanatirachana (Felsformation rechts) hindurchtaucht.
Nun fließt der südliche Strom zweimal hintereinander am Fuße eines Berges in dessen Fels hinein und strömt unterirdisch weiter. Er kommt dann auf der anderen Seite wieder aus dem Berg heraus.: Erst taucht er unter den Bahala-Berg (Felsen links) und heißt dann Bahala-Ganga. Dann fließt er als Umagga-Ganga weiter, bis er unter dem Berg Vijjhanatirachana (Felsformation rechts) hindurchtaucht.
Jambudipa, der Rosenapfelkontinent, und der mythische Himavanta-Wald
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert.
Im 31-stufigen Kosmos des Buddhismus gibt es vier Kontinente. Jambudipa ist der Ort, wo Menschen wie wir leben und wo buddhistische Geschichten spielen. Hoch oben in den Bergen des Rosenapfelkontinents, weit von jeder menschlichen Zivilisation entfernt, liegt die mythische Welt des Himavanta. In seinen idyllischen und besonders reinen Naturwelten überschneiden sich göttliche und irdische Sphären. Der mythische Himavanta-Wald ist vom echten Himalaya inspiriert.
547 Vorleben des Buddha – Inspiration für gutes Verhalten
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.
In diesem Teil der Handschrift sind Bilder vom Rosenapfelkontinent zu sehen, vor allem vom mythischen Himavanta-Wald. Doch blühen dort nicht nur viele schöne Pflanzen, weiden glückliche Tiere, tanzen göttliche Wesen. Hier spielen auch Szenen aus den zahlreichen Vorleben des Buddha. Denn bevor der Meister zur Erleuchtung gelangte, musste er erst viele Wiedergeburten durchleben. Diese Vorgeburtsgeschichten (Jatakas) führen den Gläubigen gutes und schlechtes Verhalten anschaulich vor.
Lesung und Übersetzung Thai: Peera Panarut, veröffentlicht als: Panarut, Peera, trans. 2026. Reading of the Berlin Traiphum (II 650, Museum für Asiatische Kunst, Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Berlin. https://doi.org/10.58159/20260927-000
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 51–53, 55; Abb. 10, 11
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Ausstellungstexte: Martina Stoye
Projekt „Sechs Meter Traiphum“: https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/museum-fuer-asiatische-kunst/sammeln-forschen/forschung/sechs-meter-traiphum/
Literatur zu diesen Folios:
Stoye & Panarut 2025: S. 42–44, 51–53, 55; Abb. 10, 11
Publikationen:
– Martina Stoye & Peera Panarut (2026), In the Serenity of the Himavanta Forest: What the Berlin Traiphum Discloses, Petersberg: Michael Imhof Verlag. https://www.imhof-verlag.de/in-the-serenity-of-the-himavanta-forest/
– Martina Stoye & Peera Panarut (2025), „In den seligen Gefilden des Himavanta-Waldes – ein kollaboratives Forschungsprojekt zur thailändischen Prachthandschrift Traiphum“, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 65 (2024), Berlin: Gebr. Mann Verlag, S. 37–69. https://doi.org/10.57894/jbm.2024.1.114348
– Peera Panarut (2024), „An Overview of the Thai Manuscript Collection at the Museum für Asiatische Kunst in Berlin“, in: Indo-Asiatische Zeitschrift 28, S. 4–19.
– Martina Stoye (2023), „Unfolding the Buddhist Cosmos: Towards a New Visibility of the Berlin Traiphum (Thailand, 1776) – from Indra’s Heaven to the Asura World“, in: Arts of Asia (Hong Kong), Winter 2023, S. 74–83.
– James E. Bogle (2016), Buddhist Cosmology: The Study of a Burmese Manuscript, Chiang Mai: Silkworm Books.
– Frank E. Reynolds & Mani B. Reynolds (Übers.) (1982), Three Worlds According to King Ruang: A Thai Buddhist Cosmology [Traiphum Phra Ruang von König Lithai von Sukhothai], Berkeley: Asian Humanities Press (Berkeley Buddhist Studies Series 4).
– Klaus Wenk (1965), Thailändische Miniaturmalereien nach einer Handschrift der Indischen Kunstabteilung der Staatlichen Museen Berlin, Stuttgart: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Supplementband 3).
– Klaus Wenk (1963), Thai-Handschriften, Teil 1, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. IX, Teil 1).
Letzte Aktualisierung: 05.11.2026
Kontakt
Einrichtung:
Museum für Asiatische Kunst
E-Mail:
aku@smb.spk-berlin.de