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Ident. Nr.: D (32 L 5) 92/1963,c

ObjID: obj:501487

Details (Expert)

Datierung
um 1860
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 14,3 x 11,4 x 1 cm
Gewicht: 200 g

Objektbeschreibung

In rechteckiger, goldener Umrandung mit ornamentartigen Gravuren das ovale Bildnis einer jungen Frau, die direkt in die Kamera blickt. Sie trägt ein dunkles Kleid mit langen Ärmeln, einen weißen Spitzenkragen, der sich an ihrem rechten Ärmel wiederholt.  Am Kragen mittig eine Brosche, sowie eine lange, dünne Kette, die auf den Bauch reicht und von ihrer rechten Hand gehalten wird. Am rechten Ohr ein Ohrring zu erkennen. In der linken Hand zwischen Daumen und Zeigefinger ein Buch haltend, dabei den Unterarm leicht auf einen Beistelltisch aufgestützt. Auf dem Beistelltisch eine dunkle Vase, verziert mit applizierten weißen Blätter- und Blütenranken. In der Vase Blumen, deren Blüten in Weiß und deren Blätter in unterschiedlichen Grüntönen nachträglich koloriert wurden. Der Hintergrund ist nicht zu erkennen und wurde ebenso nachträglich koloriert in blaugrau. Auch der Schmuck wurde partiell in Gold koloriert.


Auf der Rückseite handschriftliche Notiz: „Fräulein Holtermann 1840 - ?" , darüber ein aufgeklebter Firmenzettel: "Photographisches Institut von Ferdinand und Johanna Ehlers, Alster-Arkaden 10, 2te Etage, Hamburg. / Ambrotypes. Dauer der Sitzung nur 2 bis 4 Sekunden, deshalb besonders zur Aufnahme kleiner Kinder geeignet. / Photographien in jeder Größe. / Daguerrotypien und Gemälde jeder Art werden treu copiert, auch vergrößert oder verkleinert. Aus Gruppen können von den einzelnen Personen selbstständige Bilder formiert werden."
Unter der Rückseite aus hellblauem Papier scheint noch ein Firmenzettel durch, u.a. „Johan“ zu erkennen.



Das fotografische Verfahren der Ambrotypie (von ambros, gr. „unsterblich“) wurde 1851, d.h. 12 Jahre nach der Erfindung der Fotografie in Großbritannien von Frederick Scott Archer erfunden. Hierfür wird auf eine Glasplatte als Untergrund eine brom- oder jodsilberhaltige Kollodiumschicht (Kollodiumwolle, Ether und Alkohol) aufgebracht. Die so behandelte Platte wird anschließend ohne Lichteinfall in eine Lösung mit Silbernitrat gelegt und noch feucht in die Kassette einer Kamera eingelegt. Die Belichtung erfolgt direkt und umgehend auf die feuchte Platte, weshalb man auch von einem Kollodium-Nassverfahren spricht. Dies bedeutete auch, dass die Handhabung insbesondere außerhalb von Fotostudios schwierig war. Nach der Belichtung wurde die Glasplatte erneut im Dunkeln mit einer Eisensulfatlösung behandelt, wodurch die belichteten Partien der Glasplatte weißlich/silbrige wurden. Anschließend wird noch auf der Kollodiumschicht befindliches Silberiodid bzw. Silberbromid mit einer Natriumthiosulfatlösung ausgewaschen. In der Realität helle Partien (z.B. helle Kleidung) zeichnet sich in der Ambrotypie auch hell ab. In der Realität dunkle Partien (z.B. dunkle Kleidung) erscheinen erst dann dunkel, wenn man die entwickelte Glasplatte mit einer Schicht aus schwarzem Samt oder Papier hinterlegt. Das Verfahren erzeugt Unikate. Abzüge sind nicht möglich. Man spricht dabei auch von einem Scheinpositiv-Verfahren, da das Glasnegativ durch die Unterlegung mit einem schwarzen Hintergrund als Positiv erscheint. Ambrotypien können als Vorreiter der Ferrotypien verstanden werden, deren Untergrund Eisenblech statt Glas ist. Um 1852 betrug die Belichtungszeit einer Ambrotypie circa 10 Sekunden.


Die Art der Darstellung ist typisch für die frühe Porträtfotografie, in der durch Kleidung, Schmuck und Haltung vor allem der soziale Stand der dargestellten Person repräsentiert sein sollte. Requisiten wie das Buch sind auch aus der Porträtmalerei bekannt.  Auch die Kolorierung einzelner Partien der Fotografie war durchaus üblich, um die Darstellung noch lebendiger zu gestalten.
Über die Dargestellte gibt es keinerlei Erkenntnisse. Auch über das „Photographische Institut von Ferdinand und Johanna Ehlers“ gibt es wenig Erkenntnisse. Sie eröffneten ihr Atelier laut Anzeige in den „Hamburger Nachrichten“ vom 11. August 1855 am 14. August 1855 an der Adresse Alster-Arkaden 10. Eine weitere Anzeige in den „Hamburger Nachrichten“ vom 10. August 1859 unterrichtet darüber, dass das Atelier wieder geöffnet sei, am 15. Oktober 1860 dann eine Anzeige in den „Hamburger Nachrichten“, die die kurzfristige Schließung wegen Umbau verkündet sowie am 14. Juli 1862 eine Anzeige in den „Hamburger Nachrichten“, dass wegen Dekorierung vom 17.-26. Juli 1862 geschlossen ist. Am 29. Juli 1862 dann schließlich die Bekanntmachung per Anzeige in den „Hamburger Nachrichten“, dass das Atelier an C. H. Kreiner verkauft wurde (Dank an Herrn Kai Deecke, Hamburg für diese Hinweise). Über den Verbleib der Fotograf*innen ist nichts bekannt.
Eine kurze Erwähnung im „Freischütz“ vom 20. Oktober 1855 berichtet, dass sowohl Ferdinand als auch seine Frau Johanna bei den „Photographen des Kaisers der Franzosen, Mayer frères in Paris den gründlichsten Unterricht ihrer Zunft genossen“. Ein Zertifikat aber auch die Bilder im Atelier würden dies bezeugen. Mayer frères in Paris war eines der renommiertesten Fotostudios der Zeit, bekannt für (kolorierte) Daguerreotypien.
Zudem wird im „Freischütz“ betont: „Für das weibliche Publikum ist die Mitwirkung einer Dame bei Anfertigung der Bilder in mancher Hinsicht sehr angenehm und mag hierin, neben der Vorzüglichkeit der hier gelieferten photographischen Arbeiten selbst, ein Grund des raschen Erfolges zu suchen sein.“ Beide Tatsachen sprechen eigentlich dafür, dass das Studio bekannter sein müsste. Zur Unterhaltung der Gäste werden sowohl „circa 150 Pariser Stereoskopen aller Gattungen“ sowie „nach den Rauchbildern des Malers August Schleich in München angefertigte Photographien“ ausgestellt. Ferner wird dort erwähnt, dass „die Unduldsamkeit, welche die Baudeputation, oder richtiger ein einzelnes Mitglied dieser Behörde, gegen das (auf 10 Jahre) gemiehtete Ehlers’sche Atelier, auf der Höhe der Alsterarcaden, an den Tag legte, die Entfernung desselben schwerlich zur Folge haben (..).“ (Dank an Herrn Kai Deecke, Hamburg für diese Hinweise).
Das Atelier wird auch in Bodo von Dewitz` früher Auflistung der Fotografie in Hamburg erwähnt (S. 266).

Das Wien Museum hat einen Druck der deutsch-österreichischen Schauspielerin Friedericke Grossmann (wechselte vom Thalia-Theater an das Burg Theater in Wien), der aus dem Fotoinstitut Ehlers stammen soll: https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/366081-friederike-gossmann-schauspielerin/ .

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

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Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754.

Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754.

Querformat. Rechts oben rotgesäumtes Lichtloch, auf Wolkenkissen stehend Mutter Gottes, auf der Rechten das Kind, auf der Linken Traube. Von ihr je ein Strahl zu den beiden Verunglückten. Im Hintergrund Baumgruppen, beiderseits eine Kapelle. Im Mittelpunkt ein gezäunter Weg. Auf diesem hält eine Karosse mit zwei Schimmeln und Kutscher, die beiden Fahrgäste als Zuschauer am Zaun. Im Vordergrund Grasfuder mit zwei durchgehenden Pferden. Vom Wagen stürzt ein Mädchen, neben den Pferden liegt eine Frau. Rechts vom Wagen der aufstakende Bauer. Unter der Darstellung breites Schriftband, weiß, beiderseits rot endend: "Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754."