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Jüdisches Wochenbettamulett

Ident. Nr.: II B 631

ObjID: obj:503123

Details (Expert)

Beteiligte
Julius Konietzko (1886 - 1952),
Sammler*in
Geografische Bezüge
Ukraine,
Land
Material / Technik
Papier, Karton
Abmessungen
Länge x Breite: 15,5 x 12 cm

Objektbeschreibung

Auf Karton aufgezogenes, gedrucktes Wochenbettamulett. Mittig enthält es Psalm 121, umgeben von der Elija-Geschichte in Raschi-Schrift. Es ist keine Druckerei oder Ort erkennbar, Die Art von Ikonografie findet sich auch auf nicht-jüdischen Stücken. Für Übergangsriten und in Zeiten der Not wurden Heiler*innen sämtlicher Konfessionen und Spiritualität konsultiert, was das Objekt charakteristisch für die multikulturelle Karpatenregion macht. 
Besonders selten ist die Kenntnis des Ortes, an dem es gesammelt wurde, da diese Information normalerweise fehlt. Ähnliche gedruckte Amulette für Wöchnerinnen oder speziell für ein neugeborenes Mädchen oder einen neugeborenen Jungen waren in Mitteleuropa vielfach im Umlauf. Die ersten gedruckten Amulette dieser Art stammen vermutlich aus der Zeit um 1700. Dieses Amulett ist jedoch vermutlich deutlich jünger und stammt aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert.

Regional stammt es aus dem Ort Sekernice im Rajon Chust/Khust im äußersten Westen der heutigen Ukraine. Der Ort gehörte in der Zwischenkriegszeit zur Tschechoslowakei, während des 2. Weltkrieges zu Ungarn. Die jüdische Bevölkerung, die es in allen Ortschaften und Städten der Region gab, lebte – wie der Rest der abgelegenen Region – in verhältnismäßiger Armut. 1944 wurde in dem Ort ein Ghetto eingerichtet, in das die verbliebene jüdische Bevölkerung gezwungen wurde, bevor der größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Sekernice und Umgebung nach Auschwitz deportiert und hier ermordet wurde. Auf der Website des US-Holocaust Memorials sind diverse Zeitzeugenberichte archiviert und u.a. auch als Video abrufbar (Suchbegriffe: „Sekernice“, „Sokyrnytsya“, „Szeklence“, „Khust“, „Chust“). Bis heute gibt es im nahegelegenen Khust jedoch eine Synagoge und eine aktive jüdsche Gemeinde. Zudem existiert auch noch der alte jüdische Friedhof von Sekernice.

Letzte Aktualisierung: 12.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

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Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754.

Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754.

Querformat. Rechts oben rotgesäumtes Lichtloch, auf Wolkenkissen stehend Mutter Gottes, auf der Rechten das Kind, auf der Linken Traube. Von ihr je ein Strahl zu den beiden Verunglückten. Im Hintergrund Baumgruppen, beiderseits eine Kapelle. Im Mittelpunkt ein gezäunter Weg. Auf diesem hält eine Karosse mit zwei Schimmeln und Kutscher, die beiden Fahrgäste als Zuschauer am Zaun. Im Vordergrund Grasfuder mit zwei durchgehenden Pferden. Vom Wagen stürzt ein Mädchen, neben den Pferden liegt eine Frau. Rechts vom Wagen der aufstakende Bauer. Unter der Darstellung breites Schriftband, weiß, beiderseits rot endend: "Anna Valtermayrin von Sollach wurde von zweyen Lauffenten Pferdten hinwech geworffen, Und Maria ihre Tochter von einen hoch-geladnen fueder herunder gestosßen. Weillen sie nun in so augensheinliher Leebens, gefahr imerdar zu Mariam nach Hehenkirchen Umb hilff gerueffen, seint sie bayde durch die mechtige vorbitt Mariä recht wunderbahrlich beym Leeben Und gesundheit erhalten worden. gott und Mariä sey eviger Danckgesagt, anno 1754."