Jüdisches Wochenbettamulett
Ident. Nr.: II B 631
ObjID: obj:503123
Details (Expert)
- Beteiligte
- Geografische Bezüge
- Abmessungen
- Länge x Breite: 15,5 x 12 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/503123
Objektbeschreibung
Auf Karton aufgezogenes, gedrucktes Wochenbettamulett. Mittig enthält es Psalm 121, umgeben von der Elija-Geschichte in Raschi-Schrift. Es ist keine Druckerei oder Ort erkennbar, Die Art von Ikonografie findet sich auch auf nicht-jüdischen Stücken. Für Übergangsriten und in Zeiten der Not wurden Heiler*innen sämtlicher Konfessionen und Spiritualität konsultiert, was das Objekt charakteristisch für die multikulturelle Karpatenregion macht.
Besonders selten ist die Kenntnis des Ortes, an dem es gesammelt wurde, da diese Information normalerweise fehlt. Ähnliche gedruckte Amulette für Wöchnerinnen oder speziell für ein neugeborenes Mädchen oder einen neugeborenen Jungen waren in Mitteleuropa vielfach im Umlauf. Die ersten gedruckten Amulette dieser Art stammen vermutlich aus der Zeit um 1700. Dieses Amulett ist jedoch vermutlich deutlich jünger und stammt aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert.
Regional stammt es aus dem Ort Sekernice im Rajon Chust/Khust im äußersten Westen der heutigen Ukraine. Der Ort gehörte in der Zwischenkriegszeit zur Tschechoslowakei, während des 2. Weltkrieges zu Ungarn. Die jüdische Bevölkerung, die es in allen Ortschaften und Städten der Region gab, lebte – wie der Rest der abgelegenen Region – in verhältnismäßiger Armut. 1944 wurde in dem Ort ein Ghetto eingerichtet, in das die verbliebene jüdische Bevölkerung gezwungen wurde, bevor der größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Sekernice und Umgebung nach Auschwitz deportiert und hier ermordet wurde. Auf der Website des US-Holocaust Memorials sind diverse Zeitzeugenberichte archiviert und u.a. auch als Video abrufbar (Suchbegriffe: „Sekernice“, „Sokyrnytsya“, „Szeklence“, „Khust“, „Chust“). Bis heute gibt es im nahegelegenen Khust jedoch eine Synagoge und eine aktive jüdsche Gemeinde. Zudem existiert auch noch der alte jüdische Friedhof von Sekernice.
Letzte Aktualisierung: 12.12.2025
Kontakt
Einrichtung:
Museum Europäischer Kulturen
E-Mail:
mek@smb.spk-berlin.de