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Leibchen (Saja/Klasnik)

Ident. Nr.: II B 4641

ObjID: obj:507301

Details (Expert)

Beteiligte
Gustav Adolf Küppers-Sonnenberg (1894-1978),
Sammler*in
Geografische Bezüge
Material / Technik
Baumwolle, Leinen, Silber, Gold
Abmessungen
Länge x Breite: 63 x 50 cm

Objektbeschreibung

Handgenähte, weiße Leinenweste mit schwarzen Samtapplikationen und Flittern besetzt sowie Gold- und Silberborten. 

Es handelt sich hier wahrscheinlich um einen sog. "klasnik", der eine altertümliche Art der Saja-Tracht ist, aber bis weit ins 20. Jahrhundert nur zuhause getragen wurde. Die Saja wurde im südlichen und westlichen Bulgarien bis ins heutige Nordmazedonien getragen. Die Saja ist eine Komponente in der Systematisierung bulgarischer Trachtentypen und zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass das Vorderteil der ganzen Länge nach geöffnet ist. Der Ethnograf Christo Vakarelski nimmt an, dass Vorläufer der Saja bereits in der byzantinisch-aristokratischen Tracht anzutreffen sind.  

Dieser Hemdrock aus grobem Leinen ist Teil einer Tracht, die vom Sammler G.A. Küppers bei seiner 5. Sammelreise durch Südosteuropa auf einem Markt in Kriva Palanka im heutigen Nordmazedonien erworben wurde. Küppers Tochter, die ihn auf der Reise begleitete, notierte in ihrem Reisetagebuch: „Keine Königin kann jemals schöner bekleidet gewesen sein als die Frauen in ihren bunten Trachten.“; der Ort war „wirklich mit echtem Volkstum und –Bräuchen ausgefüllt“, und dennoch mache sich auch hier „die Seuche der Gummiopanken“ breit, die auch auf dem Markt „zu hunderten verkauft“ wurden, dass „einem das Herz wehtat“; „in Eile sammelten wir eine komplette Tracht fürs Museum zusammen.“

Einer frühen Arbeit des Volkskundlers Arthur Haberlandt zufolge, gehen Aufnäharbeiten dieser Art v.a. auf die Arbeit von (durchweg männlichen) Schneidern auf den Basaren im osmanischen Balkan und anderen Teilen des Osmanischen Reichs zurück. 

 Der Sammler G.A. Küppers war u.a. im Auftrag der Abt. "Eurasien" (später Abt. "Europa") des damaligen Museums für Völkerkunde unterwegs. An mehreren Orten nahm er auch Wachswalzen für die Phonogrammabteilung des Museums auf. Zudem betätigte er sich im Zeichen der nationalsozialistischen Rassenpolitik: Für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik fertigte er in vielen Dörfern Fingerabdrücke der Bewohner*innen an. Zudem machte er Portraitaufnahmen, die die vermeintlich typischen Physiognomien der Menschen zeigten und taxierten.

Ein Hintergrund der Sammlungstätigkeit von Küppers war die Industrialisierung und Urbanisierung der Staaten Südosteuropas und die mit ihr einhergehende soziale und kulturelle Differenzierung. Eine wesentliche Motivation von Küppers bestand in der Dokumentation eines vor dem Aussterben stehenden bäuerlichen und dörflichen Zusammenlebens mitsamt seiner materiellen Kultur.

Letzte Aktualisierung: 12.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

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