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Ident. Nr.: II C 1329

ObjID: obj:515163

Details (Expert)

Beteiligte
Julius Konietzko (1886–1952),
Sammler*in
Datierung
vor 1916
Geografische Bezüge
Material / Technik
Birkenwurzeln, geflochten
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 8 x 24 cm

Objektbeschreibung

Die in Wulstwickeltechnik spiralförmig geflochtene Form hat unten und am Rand einen Einlagering aus Haselnussschiene, der ebenfalls eng mit Birkenwurzeln umflochten ist. Im Boden der Form ist ein aufwändiges, regelmäßiges Muster aus Dreiecken eingearbeitet.

Die große, geflochtene Form wurde für die Herstellung von Rentierkäse aus Birkenwurzeln geflochten.
Die Käseherstellung war für die Sámi eine Methode, die große Menge an Milch, welche die Rentiere während der Sommermonate produzierten, auch für den Winter zu konservieren. Die bei der Käseherstellung nötige Zufuhr von Lab erfolgte, indem man die Milch, meist lauwarm, in die aufgehängten Labmägen der Rentiere goss. Aufgrund des hohen Fettgehaltes koaguliert Rentiermilch in Verbindung mit Lab sehr schnell. Die Käsemasse wurde in die Form gedrückt, so dass der Käse das Muster von der Form annahm. Sollte der Käse später verkauft werden, konnte der Käse mit einem schöneren Muster einen höheren Preis erzielen. Der Käse wurde im Rauchabzug der Kåta getrocknet und geräuchert. Das Melken der Rentiere ist heute unüblich geworden, viele Sámi haben sich stattdessen Ziegen zugelegt. Traditionell isst man in Sápmi Käse gerne zum Kaffee (Kaffeekäse).
Das Wurzelflechten hat bei den Sámi eine lange Tradition und wurde bereits von Schefferus im Jahre 1673 beschrieben. Es gibt bei den Sámi viele verschiedene Arten und Größen von Gegenständen, die aus Wurzeln hergestellt werden. Darunter sind verschiedene Körbe, Schachteln, Schalen und Dosen, sowie Käseformen und Flaschen für Salz. Die gröberen Kiefernwurzeln wurden für gröbere Arbeiten, sowie für unterschiedliche Arten von Tauwerk benutzt. Birkenwurzeln dienten für feinere Arbeiten, insbesondere solche, die mit Nahrungsmitteln in Berührung kommen sollten, da ein Kontakt mit ihnen fast keine Auswirkungen auf den Geschmack hat.
Das Material wird vorwiegend in der Nähe von Mooren gewonnen, wo die Wurzeln auf der Suche nach festem Boden besonders lang wachsen. Nachdem die Wurzeln entrindet wurden und die kleineren Nebenwurzeln entfernt wurden, werden die Wurzeln über runde Kanten weich gezogen. Um die Wurzeln zu spalten werden Messer und Hornpfriem als einzige Werkzeuge genutzt.
Es gibt viele Flechttechniken, die sich je nach Zielgegenstand unterscheiden, ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass spiralförmig geflochten wird.
Die dekorativen Muster wurden in der Regel betont, indem sie mit Naturfarben (insbesondere rot, gelb und braun) bemalt wurden. Mit den Jahren sind diese jedoch meist verblasst und nur noch bei wenigen Körben erkennbar.
Der Verkauf ihrer Wurzelarbeiten war eine wichtige Einnahmequelle für die Sámi.
Alle Gegenstände, die die Sámi aus Wurzeln herstellen, behandeln sie regelmäßig mit Fett (früher z.B. mit Talg, heute mit Speiseöl), um die Wurzeln vor dem Austrocknen zu bewahren, da sie ansonsten springen, reißen oder brechen und nicht mehr biegsam sind.

Letzte Aktualisierung: 06.03.2026

Kontakt

Einrichtung:

Museum Europäischer Kulturen

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