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Gemme mit Darstellung einer Schlange mit Kopf des Gottes Anubis (?)

Ident. Nr.: ÄM 9870

ObjID: obj:595010

Details (Expert)

Beteiligte
Antiquarium, Königliche Museen zu Berlin (1830 - 1918),
Vorbesitzer*in
Datierung
Historische Datierung: 2.–3. Jh. n. Chr.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 1,75 x 2,2 x 0,4 cm

Objektbeschreibung

Dieser Gegenstand ist eine beidseitig bearbeitete Gemme in ovaler Form. Die Vorderseite bildet eine zoomorphe Gestalt ab, während die Rückseite mit einer griechischen Inschrift versehen ist. Bei der mittig angeordneten Figur auf der bebilderten Seite handelt es sich um ein Wesen mit einem Schlangenkörper und dem Kopf eines Wolfs oder Schakals. Das Mischwesen ist in linker Profilansicht dargestellt. Der Schlangenkörper ist senkrecht aufgebäumt, während auf dem damit verbundenen Kopf deutlich ein Auge, zwei spitze Ohren und eine Schnauze zu erkennen sind. Das Mischwesen dominiert die Bildfläche, füllt diese jedoch nicht gänzlich aus. Zur linken des Tieres, etwa ein Viertel niedriger als Letzteres, befindet sich eine gewundene, dreifach verknotete Schnur, während zur rechten desselbigen ein oben umringter Stab mit einem kurzen Querbalken dargestellt ist, an dessen Fuß sich ein weiterer ungeschlossener Ring befindet, dessen beiden Enden sich in die jeweils gegenüberliegende Richtung überkreuzen. Anhand der Inschrift auf der Rückseite wird ersichtlich, dass es sich bei dem Mischwesen um eine Kompositgottheit handelt, die sowohl Chnoubis als auch Anubis ist. Die dreifach geknotete Schnur ist möglicherweise als Zauberschnur interpretierbar, deren Knoten die Perioden des Morgens des Mittags und des Abends repräsentieren. Der unterste Teil des rechtseitigen Stabes ist eventuell als Anch-Hieroglyphe deutbar. Die Rückseite wird sämtlich von der folgenden Inschrift ausgefüllt

ΓΙΓΑΝΤΟΛΕ
ΤΙΡΑΒΑΡΥΟ
ΦΙΤΑΒΑΡΑΚΙ
ΝΕΑΝΟΥΗΙ

In der Literatur wird der Text wie folgt übersetzt:
Gigantentöter,
Zerschmetterer der Schlange,
Segen des Anubis

Bei der Inschrift handelt es sich um kein Standardgriechisch, sondern um eine grammatikalisch problematische Formulierung unter der Zuhilfenahme eines semitischen Lehnwortes. Die Datierung des Objekts erstreckt sich zwischen dem zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhundert. Weiterhin handelt es sich bei der dargestellten Vermischung verschiedene religiöser, wie auch sprachlicher Elemente um eine typische Erscheinungsform des spätantiken Synkretismus, der seine Wurzeln bereits im Hellenismus besitzt.
(Alberto Alfredo Winterberg)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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