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Holzstäbchen: "Nivellierwerkzeug"

Ident. Nr.: ÄM 21257

ObjID: obj:598330

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Holzstäbchen: "Nivellierwerkzeug"
Übersetzung: Wooden stick: leveling tool
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holz (Material)
Abmessungen
Länge x Durchmesser: 23 x 1,2 cm

Objektbeschreibung

In dem aus vielen kleineren Häusern bestehenden Anwesen von P 47.1–3 wurden schon zu Beginn der Grabung, im November 1912, einige interessante Befunde dokumentiert, zu denen auch ein größeres Gefäß mit sehr unterschiedlichem Inhalt gehörte. Im Tagebuch wird dieser Fund wie folgt beschrieben: „In einem Topfe werden 6 runde je drei 20 cm und je drei x 23 cm lange Holzstäbchen von etwa 12–15 mm Stärke, Hausschlüssel, gefunden, ferner eine, vollkommen erhaltene sog. Pilgerflasche, 1 kleinerer Topf aus Ton, Muscheln, Haarlocken und Holzreste.“ (Grabungstagebuch der DOG, S. 19 [Archiv ÄMP]. Borchardts Identifizierung der 6 Holzstäbchen als „Hausschlüssel“ wurde nie in Frage gestellt, und so erscheinen die Stäbe in der Literatur immer wieder als Hausschlüssel. Der Mechanismus der so genannten „Stoßschlüssel“, der sich im Alten Ägypten hinreichend belegen lässt, besteht dabei aus je zwei Holzstäbchen und einer Kordelverbindung. Die einerseits simple, aber recht kompliziert zu schildernde Konstruktion setzt dabei zwingend zwei Durchbohrungen an einem Stab und eine weitere Durchbohrung am Gegenpart voraus, die aber bei den hier vorliegenden – und zum Teil stark von Termiten angefressenen – Stäbchen so nicht zu beobachten ist. Daher liegt eine andere Deutung für die Stäbe – zumal in einer Bildhauerwerkstatt – viel näher, die allerdings eine Zusammenfassung der Hölzchen in zwei Dreiergruppen erfordert. Altägyptische Steinmetze und Bildhauer nutzten nämlich ein aus drei gleichlangen Rundhölzern und einem Seil bestehendes Hilfsmittel, um Oberflächen auf Steinblöcken einnivellieren zu können. Diese archäologisch mehrfach bezeugten Gebinde aus je drei Fluchtstäben erfordern nur bei zwei Hölzern eine Kerbe oder eine Durchbohrung, über die das Seil gespannt wurde, das der Nivellierung diente. Mit dem dritten Stäbchen überprüfte man die Höhe, indem es unterhalb des gespannten Seiles über die Oberfläche des zu bearbeitenden Steines geführt wurde und dabei Unregelmäßigkeiten angezeichnet oder ausgeglichen werden konnten.
Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 306 (Kat.-Nr. 90).

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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