Logo

Oberteil einer Amphore mit plastisch geformter Hathorkuh und Scheiben-Dekor

Ident. Nr.: ÄM 22145

ObjID: obj:598870

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Oberteil einer Amphore mit plastisch geformter Hathorkuh und Scheiben-Dekor
Übersetzung: Neck of an amphora with appliqués
Geografische Bezüge
Material / Technik
Ton, gebrannt (Material); bemalt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 31 x 16 x 12,3 cm

Objektbeschreibung

Der von Borchardt zunächst als „Leuchter“ angesprochene Hals einer ursprünglich geradezu riesigen Amphore ist am oberen Ende mit 13 separat angesetzten Scheiben aus Keramik verziert. Diese waren mit jeweils einer blauen Blüte bemalt. Direkt darunter schließt sich die plastische Darstellung der Hathorkuh an, welche eindeutig durch die Sonnenscheibe zwischen ihren Hörnern zu identifizieren ist. Nach jüngsten Erkenntnissen von Sandro Schwarz ist die tiergestaltige Göttin auf einer Barke stehend wiedergegeben, die ebenfalls plastisch ausgearbeitet wurde. Jene Bildkomposition geht auf einen alten Mythos der Hathor-Kuh von Deir el-Bahari zurück. Danach fand die Göttin das Horuskind nach langer Suche im Gewässer des Papyrusdickichts und säugte es. Sie galt somit als göttliche Amme des zukünftigen Pharao. Interessant ist, dass Borchardt bereits kurz nach der Identifizierung der Applikationen als Sonnenscheiben seine Meinung änderte und ihnen die Bedeutung von „Blumen (Margeriten?)“ zuwies. Während diese Identifikation als florales Muster zutrifft, ist ihm sowohl die plastische Ausarbeitung des Hinterteils der Kuh als auch die Funktion des Objektes Zeit seines Lebens verborgen geblieben.
Aus: Weber, A., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 242 (Kat.-Nr. 27).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper