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Standschreitfigur eines löwenköpfigen Gottes (Nefertem) mit menschlichem Körper und Schendjt-Schurz

Ident. Nr.: ÄM 8988

ObjID: obj:601504

Details (Expert)

Datierung
Spätzeit–frühe Ptolemäerzeit
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze (Material / Metall)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 18,3 x 7 x 6 cm

Objektbeschreibung

Die Statuette stellt einen stehenden löwenköpfigen Gott dar, dessen Füße abgebrochen sind. Der rechte Arm hängt am Körper herab, wobei seine Hand zur Faust geballt ist. Roeder ist der Meinung, dass die Statuette vermutlich ein waagerechtes Zepter getragen hat. Der Gott trägt einen Schendjit-Schurz mit Gürtel. Zudem sind die eingeritzten Linien des Halskragens noch zu erkennen. Hinter der Löwenmähne ist eine dreiteilige, gesträhnte Perücke zu erkennen. Vom Kopfschmuck sind zwei Vogelfüße erhalten sowie ferner noch Überreste einer aufgerichteten Schlange.
Die Bronzestatuette kam im Jahr 1886 in das Museum. Sie wurde gemeinsam mit anderen Statuetten vom bekannten Kairoer Antikenhändler Souliman Abd el-Saman im Sûq es-Sâir erworben. Dieser Antikenhändler kann vor allem mit einem bedeutenden Fund in Verbindung gebracht werden: dem sogenannten „Lion cache“ aus Leontopolis, dem heutigen Tell el-Moqdam. Bei dem sog. „Lion cache“ handelt es sich um eine Gruppe von Objekten, die angeblich 1884 in einer Favissa (Grube zur Bestattung von Kultgeräten) von Bauern in den Ruinen von Tell el-Moqdam gefunden wurde und die später Souliman Abd el-Saman erwarb. Zum Datum des Fundes gibt es jedoch widersprüchliche Aussagen.
Die Objekte aus dem „Lion cache“ bestanden aus verschiedenen Bronzewerken wie Statuetten, Dekorationsfragmenten in Löwenform und Gefäßen aus Serpentin oder aus Fayence. Sie wurden in den Zeitraum zwischen der Spätzeit und der Ptolemäerzeit datiert und als Tempelinventar des Löwengottes Mahes gedeutet.
Die Statuette ÄM 8988 jedoch stellt einen löwenköpfigen Nefertem dar, dessen Kopfschmuck aus einem Falken und einer heute nicht mehr erhaltenen Lotusblüte besteht. Parallelen lassen sich in Abydos, auf dem Naos von Saft el-Henne und im Tempel von el-Hibis finden. Seinen löwenköpfigen Aspekt verdankt Nefertem seiner Mutter Sachmet-Bastet. Die Ikonographie, mit dem Falken und der Lotusblüte auf dem Kopf, weist auf das synkretistische Wesen des Gottes Nefertem hin, der mit Horus gleichgesetzt werden kann. Als Horus übernimmt Nefertem eine schützende Rolle innerhalb des Sokarfestes und begleitet somit den König. Das Tragen des Udjat-Auges vor der Brust kann als Symbol der Regeneration und der Wiedergeburt der Sonne gedeutet werden. Die Statuette ist fein gearbeitet und ist am Gürtel mit einem Oval versehen, deren Inschrift heutzutage nicht mehr lesbar ist.
Nach: Benavente Vicente, Cecilia, Eine löwenköpfige Bronzestatuette des Gottes Nefertem aus dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung in Berlin (ÄM 8988), in: ENIM 9 (2016), S. 141-153.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Kopf eines Königs mit blauer Krone

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Der Statuettenkopf wurde im gepflasterten Hofraum an der Ostmauer von P 47.3 gefunden. Dort entdeckte man außerdem einen kleinen Falkenkopf aus Alabaster, den Kopf und den dazugehörigen Torso einer Prinzessinnenstatue aus Sandstein sowie das Bruchstück eines Uräenfrieses. Aufgrund der Blauen Krone ist der Statuettenkopf einer männlichen, königlichen Person zuzuschreiben. Am hinteren Teil des Kopfschmuckes ist der Ansatz des Rückenpfeilers erhalten. An der Stirn ist die längliche Vertiefung des aus anderem Material eingesetzten Vorderkörpers der Uräusschlange deutlich erkennbar. In den Augenwinkeln und am Stirnansatz der Krone befinden sich noch Spuren roter Farbe. Reste schwarzer Bemalung sind an den Augenkonturen sichtbar. Am oberen Halsansatz weist das Bildnis zwei Falten auf, welche typisch für die Darstellungen während der Amarnazeit sind. Trotz fehlender, zur Datierung wichtiger Elemente wie Mund und Nase sprechen die mandelförmigen Augen und die Modellierung der Gesichtszüge für ein Bildnis aus der späten Amarnazeit. In dieser Phase wurden die hervortretenden Wangenknochen, das langgezogene Gesicht und die schlitzförmigen Augen durch weichere Züge ersetzt. Statuetten wie diese fanden vielleicht auch im privaten Bereich Verwendung. Dort könnten sie in kleinen Kapellen als Mittler zu Aton gedient haben und waren selbst Gegenstand kultischer Verehrung.Aus: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 384 (Kat.-Nr. 173).

Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)

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„Ein Schutzamulett für den Eigentümer sollte diese kleine Figur der Göttin Isis sein, die ihrem Sohn Horus die Brust reicht. Mit der linken Hand stützt sie den Kopf des Kindes, die rechte hält die Brust.Das Material ist ägyptische Fayence, die seit dem Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. hergestellt wurde. Sie besteht aus feinem Quarzsand mit einem meist grün-blauen Glasurüberzug.Ursprünglich ist Isis nach der Bedeutung ihres Namens der „Thron“. Schon frühzeitig nahm sie jedoch menschliche Gestalt an, sitzt als junge Frau selbst auf dem Thron und trägt meist ihr Symbol als Krone auf dem Kopf; bei dieser Statuette blieb nur die Basis des Thrones erhalten. Ihre Rolle im Mythos um Leben, Tod und Wiederauferstehung des Gottes Osiris hatte sie zur volkstümlichsten und wichtigsten Göttin des ägyptischen Pantheons gemacht. Sie war die liebende Gemahlin und die trauernde Witwe des Osiris, der einst als legendärer König über Ägypten geherrscht hatte und aus Neid von seinem Bruder Seth ermordet worden war: Isis hatte den zerstückelten Leichnam mit Binden umwickelt und so bewirkt, daß Osiris wiederauferstand und fortan in mumienförmiger Gestalt im Totenreich herrschte.Isis war auch die göttliche Mutter des Horus, den sie vor den Nachstellungen des Seth in den Sümpfen des Deltas verbirgt und heimlich aufzieht, damit er später seinen Vater rächen und den Thron Ägyptens besteigen kann. Achtzig Jahre dauerte der Streit um das Erbe des Osiris, die Herrschaft über Ägypten, zwischen Seth und Horus vor dem Göttergericht. Die Zauberkunst der Isis verhilft Horus schließlich zum Sieg.So verehrten die Ägypter in Isis die Schutzgöttin für jeden Toten, vor allem aber auch die große Zauberin, deren magische Beschwörungen Kinder vor Krankheiten und allem Bösen beschützten. Die Erzählung von Isis und Horus gehörte von der Spätzeit zu den beliebtesten Themen. Beide Gottheiten genossen bis in das 3. Jahrhundert im ganzen römischen Weltreicht große Verehrung. Ihr Bild lebte fort in der christlichen Darstellung von der Gottesmutter Maria mit dem Jesus-Knaben. Der letzte Isis-Tempel auf der Insel Philae im Süden Ägyptens wurde erst zwischen 535 und 537 geschlossen.“Aus: Müller, Ingeborg, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 179 (Kat. 107).

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Dieser unvollendete Statuenkopf wird aufgrund zahlreicher Gestaltungskriterien, insbesondere aber wegen des typischen Kronenansatzes als Bildnis der Nofretete bezeichnet. Seit Borchardts Interpretation der farbigen Büste als Bildhauermodell wurden beide Köpfe miteinander in Beziehung gesetzt und das vollendete Werk als das Vorbild für dieses angesehen.Auch wenn der erste Anblick der unvollendeten Königin bei vielen Betrachtern zunächst Verwunderung auslöst und auf manch einen Besucher geradezu abstoßend und verwirrend wirkt, so entfaltet sich dafür auf den zweiten Blick die Vorgehens- und Arbeitsweise der altägyptischen Handwerker in beispielhafter Weise.Der schon sehr weit gediehene Rohling hatte im Gesicht und am Hals bereits eine sehr gute Glättung der Oberfläche erfahren, während die gröberen Meißelspuren an den Ohren und am Kronenansatz noch roh belassen wurden. Die Augen und der Augenbrauenwulst waren bereits so exakt gesetzt, dass sie als sicherer Anhaltspunkt für die weiteren Arbeiten mit akkuraten Linien eingefasst und bemalt wurden. Auch Nase und Mund sowie die Sehnen am Hals scheinen dem Ziel schon recht nahe zu sein, doch mussten neben der Ausarbeitung einiger Details offensichtlich noch Korrekturen vorgenommen werden. Um die zu bearbeitenden Stellen zu markieren, zeichnete der Bildhauer mit gekonnt gesetzten, schwungvollen Pinselstrichen die fraglichen Partien im Gesicht an. Hierzu gehörten die fehlende, leichte Furche in der Mitte der Stirn; die Lidfalten am inneren Augenwinkel; die Ausarbeitung des linken Tränensäckchens, eine Begradigung des Nasenrückens, die fehlenden Nasolabialfalten, eine Korrektur der zu voll geratenen Lippen sowie eine zartere Modellierung der leicht eingefallenen Wangen – insbesondere auf der linken Gesichtshälfte – und die fehlenden Halsfalten.Am Kinn und um den Mund sowie an der Oberlippe kann man bereits den nächsten Abarbeitungsschritt mittels feiner, kleiner Meißelspuren erkennen. Wie viele solcher Korrekturvorgänge dieser Statuenkopf noch hätte durchlaufen sollen, kann nicht abgeschätzt werden, aber der unvollendete Kopf zeigt im Vergleich zur vollendeten Büste und zum Gipsmodellkopf der Königin (ÄM 21349), dass verlässliche Modellvorlagen in der Werkstatt unabdingbar waren, um das gesetzte Ziel eines perfekten, porträthaften, wenngleich idealisierten Abbildes der Königin zu erhalten.Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 338 (Kat.-Nr. 123).

Hieratischer Papyrus mit Hymnen auf den Totengott Osiris (Papyrus Schmitt)

Hieratischer Papyrus mit Hymnen auf den Totengott Osiris (Papyrus Schmitt)

Im ausgehenden 4. Jahrhundert v. Chr. trat eine neue Gruppe von Totenpapyri neben die traditionellen Totenbücher. Sie sind mit Texten beschriftet, die zu diversen Festterminen für den Totengott Osiris rezitiert wurden. Offenbar sollte der dem Gott angeglichene Verstorbene wie dieser von den belebenden und schützenden Ritualen profitieren. Neben langen Hymnen, Totenklagen und anderen Rezitationen enthalten die Texte zum Teil auch Anweisungen für die Durchführung ritueller Handlungen. Deswegen sind diese sogenannten „Ritualpapyri“ oder auch „liturgischen Papyri“ trotz ihrer Verwendung als Grabbeigabe eine wichtige Quelle für unsere Kenntnis altägyptischer Rituale.Papyrus Berlin P. 3057, nach seinem Stifter auch „Papyrus Schmitt“ genannt, ist ein wichtiger Vertreter dieser vorwiegend für Priester angefertigten Schriftrollen. Er überliefert fünf Texte, wobei am Anfang der Rolle (rechts) mindestens zwei Kolumnen verloren sind. Wie bei allen Ritualpapyri wurde die hieratische „Schreibschrift“ verwendet, die zur Zeit der Herstellung des Papyrus um 300 v.u.Zt. nur noch in religiösem Kontext Verwendung fand. Gut zu erkennen ist der Unterschied zwischen stichisch (d.h. in Versen) und durchlaufend geschriebenen Texten, ebenso die dünnen Begrenzungslinien der Textkolumnen. Die dunklen Verfärbungen an den Rändern stammen von Balsamierungssubstanzen und belegen, dass der Papyrus zusammengerollt mit der Mumie im Sarg lag.Der Verstorbene wird in den Texten nicht namentlich genannt, sie richten sich ausschließlich an den Totengott. Möglicherweise kann die Rolle aber einem Mann namens Psammetich-Merneith zugewiesen werden, dessen Mumienbinden gemeinsam mit Papyrus Schmitt ins Berliner Museum gelangten und anscheinend vom selben Schreiber mit Texten versehen wurden. B. Backes

Statuette des Königs Echnaton

Statuette des Königs Echnaton

"Ein mit einem Schurz und vergoldeten Sandalen bekleideter, in rot-brauner Farbe ausgeführter Mann steht in leichter Schrittstellung auf einer längsrechteckigen Basis. Der ebenfalls vergoldete Schurz ist gefältelt und reicht an der Rückseite bis zur Mitte der Waden und an der Vorderseite bis oberhalb der Knie. In diesem Bereich ist er aufwendig dekoriert. So zeigt er einen Uräenfries an der unteren Borte. Ein mehrreihiger Schulterkragen schmückt den ansonsten nackten Oberkörper. Dieser ist in verschiedenen Farben ausgeführt und besitzt pflanzliche Motive, wie Blütenblätter des Lotus. An jedem Arm trägt der Dargestellte darüber hinaus jeweils einen vergoldeten, breiten Unter- und Oberarmreif. Ausladende Hüften sowie ein starker Bauchansatz bestimmen ansonsten den Körper. Der linke Arm ist gerade nach unten ausgestreckt und leicht vor den Körper gehalten, die Hand ist ebenfalls flach ausgestreckt. Dagegen ist der rechte Arm vor dem Körper angewinkelt und die Hand vor der Brust geballt. Vermutlich befanden sich in der Hand die beiden Zepter Krummstab und Geisel.Der Kopf ist nach vorne gerichtet und zeigt mandelförmige Augen, die durch schwarze und weiße Farbe hervorgehoben sind, breite Brauenbögen, eine zierliche Nase sowie einen fülligen, rot bemalten Mund. Schnur- und Backenbart wurden schwarz aufgemalt. Die Ohren liegen weit zurück und sind sehr hoch angesetzt. Bekrönt wird der Dargestellte von der Blauen Krone, die separat gearbeitet wurde, und dem dazugehörigen Stirnband. Diese sowie die wohl zu ergänzenden Zepter kennzeichnen den Mann als König, womöglich Echnaton. Auf der Basis sind neun gefesselte Feinde wiedergegeben, über die der Pharao hinwegschreitet und sie somit, im übertragenen Sinne, vernichtet. Bei den Feinden handelt es sich um die drei großen benachbarten Bevölkerungsgruppen Ägyptens: Nubier, Asiaten und Libyer.Das beschriebene Objekt wurde 1918 in Luxor von Ludwig Borchardt für James Simon angekauft, der es dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin schenkte. Zwar ist die genaue Herkunft nicht bekannt, jedoch ist es wahrscheinlich, dass Statuetten des Königs und seiner Familie in hauseigenen Schreinen privater Anhänger des Königspaares in Amarna aufgestellt waren."Jessica Jancziak, In: J. Helmbold-Doyé – J. Jancziak (Hrsg.), Wechselnde Identitäten. Eine Ausstellung mit Werken von Gleb Bas, Sonderschrift der Ägyptischen Sammlung (SÄS) 4, Berlin 2015, S. 48

Kleine Glocke

Kleine Glocke

Glocken sind keine moderne Erfindung. Aus Ton oder Bronze gefertigt, dienten sie schon in der Antike vielfältigen Zwecken. In Ägypten sind sie erst nach dem späten Neuen Reich (etwa um 1000 v. Chr.) archäologisch nachweisbar und wurden zunächst aus dem Nahen Osten importiert. Erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. treten Glocken häufiger auf. Obwohl sie ursprünglich kein regulärer Bestandteil von Grabbeigaben waren, nimmt ihre Verbreitung im Laufe der Zeit zu, bis sie in der ptolemäischen Zeit in einer breiteren Vielfalt von Kontexten erscheinen.Glocken gehören zu der Instrumentengruppe der Idiophone („Selbstklinger“), die als Ganzes oder in Teilen selbst schwingend ihren Ton erzeugen. Aufgrund ihres hellen und klaren Tons fanden sie Verwendung bei Kulthandlungen und Tempelfesten, erfüllten jedoch zugleich schützende und magische Funktionen. Ihrem Klang schrieb man die Fähigkeit zu, böse Kräfte abzuwehren, wodurch sie sich auch als Amulette und Grabbeigaben etablierten, insbesondere im Zusammenhang mit Kindern.Diese Vorstellung entspricht grundsätzlich der im Nahen Osten verbreiteten Idee von der apotropäischen Wirkung von Lärm. Diese Vorstellung war jedoch in der ägyptischen Kultur bereits angelegt. Die schützende Kraft von Musik war schon zuvor auf andere Instrumente – etwa Tamburine und Zimbeln – übertragen worden, was die schnelle Integration der Glocken in bestehende religiöse Praktiken erklärt.Die schützende Bedeutung von Lärm war in Ägypten eng mit der Gottheit Bes verknüpft. Spätestens seit der Regierungszeit Amenophis’ III. (1388–1351 v. Chr.) zählt das Tamburin zu den charakteristischen Attributen des Bes, mit dem er in seiner Funktion als Beschützer von Kindern böse Geister vertreibt. Damit waren sowohl Bes als auch der rituelle Einsatz von Lärm bereits fest in einem Schutzkontext verankert, insbesondere im Hinblick auf Kinder. Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass Glocken bewusst an diese bestehenden Traditionen anknüpften. Begünstigt durch die Schutzfunktion des Bes und seine Verbindung zu lärmenden Ritualpraktiken entwickelten sich Glocken zunehmend zu abstrakten Schutzamu¬letten und verloren dabei teilweise ihre ursprüngliche Funktion als Klanginstrumente.Aufgrund ihres wiederholten Auftretens in Bestattungskontexten sind Glocken in Ägypten daher primär als Objekte ritueller Bedeutung zu verstehen. Zugleich erweiterte sich ihr Gebrauch über den rein funerären Kontext hinaus. Es ist anzunehmen, dass Glocken auch im Alltag getragen wurden. Darauf weist ihr häufiges Auftreten zusammen mit anderen Amuletten hin, die nachweislich zu Lebzeiten verwendet wurden und dem Schutz ihrer Träger dienten.Der Glockenkörper des Objekts ÄM 15842 besteht aus gegossener Bronze; am oberen Ende befindet sich eine vorgeformte Aufhänge-öse.I. Regulski