Logo

Gipsmodellkopf einer Frau

Ident. Nr.: ÄM 21239

ObjID: obj:605578

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Gipsmodellkopf einer Frau
Übersetzung: Plaster model of a woman
Geografische Bezüge
Material / Technik
Stuck (Material)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 24,4 x 17,5 x 10,5 cm
Länge x Durchmesser: 7,6 x 0,7 cm (Gewindestange des Dübels)

Objektbeschreibung

Die Zahl der erhaltenen Gipsmodelle von Privatpersonen aus der Depotkammer in Haus P 47.2 ist bemerkenswert. Sie sind in den meisten Fällen lebensgroß und repräsentieren Männer und Frauen. Viele von ihnen tragen persönliche und sehr individuelle Züge. Es gibt aber auch Beispiele, die an den typischen Darstellungskanon von Statuen der Amarnazeit anknüpfen. Bei diesem Objekt handelt es sich wahrscheinlich um die Studie einer Frau. Der Gipsabguss zeigt ihr Gesicht und den Hals. Sie trägt eine Löckchenperücke, die sich oberhalb der Stirn und auf der linken Seite erhalten hat, sowie knopfartige Ohrringe. Diese „pilzförmigen Stöpsel“ zählen zu den bekanntesten Formen des Ohrschmucks im Neuen Reich. Das jugendliche Gesicht erinnert an eine Statue, denn es lassen sich kaum spezifische Altersmerkmale feststellen und das Haar ist bereits wie bei einer Skulptur angedeutet. Die leicht schräg gestellten mandelförmigen Augen sowie die Bearbeitung des Gesichtes sprechen für eine stilisierte und idealisierte Darstellung. Damit gehört dieser Gipsabguss zu den wenigen Beispielen privater Modellköpfe, die ähnlich wie die königlichen Bildnisse nach einem vorgegebenen Schema angefertigt wurden. Eventuell diente bei diesem Beispiel bereits eine Statue als Vorlage für den Bildhauer. Ungeklärt bleibt weiterhin die Frage, zu welchem Zweck die privaten Gipsmodelle gefertigt sind. Die Forschungsmeinung, dass sie als Vorlage für lebensgroße Privatplastik dienten, würde nur im Grabkontext greifen. Vielleicht fungierten diese Modelle als Vorlage für Grabstatuen, die unmittelbar aus dem Felsen gehauen wurden. Da nicht alle Privatgräber in Amarna fertiggestellt worden sind und viele der Grabstatuen nur in Ansätzen begonnen wurden, dürfte hier der wahrscheinliche Verwendungskontext liegen.
Aus: Jung, M., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 314 (Kat.-Nr. 97).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper