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Büste der Königin Nofretete

Ident. Nr.: ÄM 21300

ObjID: obj:606189

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Büste der Königin Nofretete
Übersetzung: Bust of Queen Nefertiti
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 49 x 24,5 x 35 cm

Objektbeschreibung

Die farbig bemalte Büste der Nofretete ist bereits in so vielen Katalogbeiträgen, kunsthistorischen Abhandlungen und Fachbeiträgen von namhaften Ägyptologen beschrieben worden, dass man es an dieser Stelle bei den berühmt gewordenen Worten Borchardts belassen und nur das Zitat „beschreiben nützt nichts, ansehen“ bemühen könnte. Aus diesem Grunde sollen hier – wie bei der Büste des Pharao – nur Borchardts eigene Beschreibungen zitiert werden, die zwar in ihren Schlussfolgerungen durchaus diskussionswürdig sind, aber ein authentisches Bild seiner genauen Beobachtungsgabe abgeben und für sich sprechen sollen.
Den ersten Fotoausschnitt in Profilansicht publizierte Borchardt in den Mitteilungen der DOG von 1913, wo er die Königin nur sehr knapp im Vergleich zu dem unvollendeten Kalksteinbildnis ÄM 21352 wie folgt erwähnt: „Dass unserem Meister solche Porträts nicht immer auf Anhieb gelungen sind, sondern dass er sich damit redlich gequält und sich wieder und wieder korrigiert hat, zeigt die Porträtbüste der Königin, die einmal im Stadium der Vollendung (Abb. 19) vorhanden ist und einmal in einem früheren Stadium (Abb. 20)“.
In der 10 Jahre später erschienen ausführlichen Publikation in den Wissenschaftlichen Veröffentlichungen der DOG beginnt Borchardt nach den Schilderungen der Fundsituation selbst mit dem Zitat des Tagebuchs „beschreiben nützt nichts, ansehen!“, um dann fortzufahren: „Heute möchte ich dasselbe wieder schreiben, da ich überzeugt bin, dass meine Worte den Eindruck dieses Kunstwerks nicht wiedergeben können, und dass selbst die farbige Wiedergabe (Bl. 2), so gut sie an sich sein mag, nicht die Lebendigkeit und Zartheit des Originals verdeutlicht, sondern sie nur ahnen lässt. […] Die Erhaltung ist eine wunderbar gute. An der Perücke ist der sich aufrichtende Teil der Königsschlange abgeschlagen, rechts und links hinten sind am oberen scharfen Rande zwei Stückchen herausgeschlagen, an der linken Seite eine größere Scheibe des Gipsüberzuges abgesplittert; beide Ohren sind bestoßen, am rechten einige Bruchstücke jetzt wieder angefügt. Die Einlage des linken Auges fehlt, da aber keine Spur eines Bindemittels in der Augenhöhle nachweisbar, auch der Hintergrund glatt und nicht etwa zur Aufnahme der Einlage noch irgendwie ausgetieft ist, so ist es sicher, dass das linke Auge nie mit einer Einlage gefüllt war. Auf der rechten Schulter auch noch eine kleine Absplitterung; außerdem hin und wieder kaum merkliche Kratzer im Gesicht, an der Nase usw. An verschiedenen Stellen Spuren heruntergelaufener unreiner Feuchtigkeit, vermutlich von Regenwasser, das verunreinigt durch das bereits undichte Dach ablief und die noch auf ihrem Bord stehende Büste traf. […] Die Muskeln des Nackens und die der Halsseiten sind so fein wiedergegeben, dass man sie unter der zarten, im gesunden Fleischton gehaltenen Haut spielen zu sehen glaubt. Die ägyptischen Bildhauer haben so gut wie nie den Versuch gemacht, in den Gesichtern ihrer Kunstwerke irgendeine Gemütsbewegung oder überhaupt eine Bewegung zum Ausdruck zu bringen, dieses Gesicht ist aber der Inbegriff von Ruhe und Ebenmaß. Von vorn gesehen zeigt es völlige Spiegelgleichheit, und trotzdem wird der Beschauer nie im Zweifel sein, dass er hier nicht irgendeine konstruierte Idealbüste, sondern das stilisierte, aber trotzdem durchaus ähnliche Abbild einer ganz bestimmten Person von scharf ausgeprägtem Äußeren vor sich hat. […]“
Auch die weiteren Beschreibungen der Details von Mund, Nase und Augen der Königin offenbaren Borchardts Begeisterung für die Schönheit der Büste in lebendigen Worten. Selbst wenn aus heutiger Sicht, seine Rekonstruktion der Modellkammer und auch die Funktion der Büsten neu diskutiert werden können, kann man seinem abschließenden Kommentar zur Büste sicherlich verstehen, wenn er schreibt: „[…] jedenfalls ist das fertige und bunte Porträt das feinste und durchgearbeiteste, das ich kenne.“
Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 336 (Kat.-Nr. 122).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Der Statuettenkopf wurde im gepflasterten Hofraum an der Ostmauer von P 47.3 gefunden. Dort entdeckte man außerdem einen kleinen Falkenkopf aus Alabaster, den Kopf und den dazugehörigen Torso einer Prinzessinnenstatue aus Sandstein sowie das Bruchstück eines Uräenfrieses. Aufgrund der Blauen Krone ist der Statuettenkopf einer männlichen, königlichen Person zuzuschreiben. Am hinteren Teil des Kopfschmuckes ist der Ansatz des Rückenpfeilers erhalten. An der Stirn ist die längliche Vertiefung des aus anderem Material eingesetzten Vorderkörpers der Uräusschlange deutlich erkennbar. In den Augenwinkeln und am Stirnansatz der Krone befinden sich noch Spuren roter Farbe. Reste schwarzer Bemalung sind an den Augenkonturen sichtbar. Am oberen Halsansatz weist das Bildnis zwei Falten auf, welche typisch für die Darstellungen während der Amarnazeit sind. Trotz fehlender, zur Datierung wichtiger Elemente wie Mund und Nase sprechen die mandelförmigen Augen und die Modellierung der Gesichtszüge für ein Bildnis aus der späten Amarnazeit. In dieser Phase wurden die hervortretenden Wangenknochen, das langgezogene Gesicht und die schlitzförmigen Augen durch weichere Züge ersetzt. Statuetten wie diese fanden vielleicht auch im privaten Bereich Verwendung. Dort könnten sie in kleinen Kapellen als Mittler zu Aton gedient haben und waren selbst Gegenstand kultischer Verehrung.Aus: Taschner, L., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 384 (Kat.-Nr. 173).

Thronende Göttin Isis mit dem Horusknaben (Isis lactans)

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„Ein Schutzamulett für den Eigentümer sollte diese kleine Figur der Göttin Isis sein, die ihrem Sohn Horus die Brust reicht. Mit der linken Hand stützt sie den Kopf des Kindes, die rechte hält die Brust.Das Material ist ägyptische Fayence, die seit dem Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. hergestellt wurde. Sie besteht aus feinem Quarzsand mit einem meist grün-blauen Glasurüberzug.Ursprünglich ist Isis nach der Bedeutung ihres Namens der „Thron“. Schon frühzeitig nahm sie jedoch menschliche Gestalt an, sitzt als junge Frau selbst auf dem Thron und trägt meist ihr Symbol als Krone auf dem Kopf; bei dieser Statuette blieb nur die Basis des Thrones erhalten. Ihre Rolle im Mythos um Leben, Tod und Wiederauferstehung des Gottes Osiris hatte sie zur volkstümlichsten und wichtigsten Göttin des ägyptischen Pantheons gemacht. Sie war die liebende Gemahlin und die trauernde Witwe des Osiris, der einst als legendärer König über Ägypten geherrscht hatte und aus Neid von seinem Bruder Seth ermordet worden war: Isis hatte den zerstückelten Leichnam mit Binden umwickelt und so bewirkt, daß Osiris wiederauferstand und fortan in mumienförmiger Gestalt im Totenreich herrschte.Isis war auch die göttliche Mutter des Horus, den sie vor den Nachstellungen des Seth in den Sümpfen des Deltas verbirgt und heimlich aufzieht, damit er später seinen Vater rächen und den Thron Ägyptens besteigen kann. Achtzig Jahre dauerte der Streit um das Erbe des Osiris, die Herrschaft über Ägypten, zwischen Seth und Horus vor dem Göttergericht. Die Zauberkunst der Isis verhilft Horus schließlich zum Sieg.So verehrten die Ägypter in Isis die Schutzgöttin für jeden Toten, vor allem aber auch die große Zauberin, deren magische Beschwörungen Kinder vor Krankheiten und allem Bösen beschützten. Die Erzählung von Isis und Horus gehörte von der Spätzeit zu den beliebtesten Themen. Beide Gottheiten genossen bis in das 3. Jahrhundert im ganzen römischen Weltreicht große Verehrung. Ihr Bild lebte fort in der christlichen Darstellung von der Gottesmutter Maria mit dem Jesus-Knaben. Der letzte Isis-Tempel auf der Insel Philae im Süden Ägyptens wurde erst zwischen 535 und 537 geschlossen.“Aus: Müller, Ingeborg, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 179 (Kat. 107).

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Unvollendeter Statuenkopf der Königin Nofretete mit Korrekturangaben des Bildhauers

Dieser unvollendete Statuenkopf wird aufgrund zahlreicher Gestaltungskriterien, insbesondere aber wegen des typischen Kronenansatzes als Bildnis der Nofretete bezeichnet. Seit Borchardts Interpretation der farbigen Büste als Bildhauermodell wurden beide Köpfe miteinander in Beziehung gesetzt und das vollendete Werk als das Vorbild für dieses angesehen.Auch wenn der erste Anblick der unvollendeten Königin bei vielen Betrachtern zunächst Verwunderung auslöst und auf manch einen Besucher geradezu abstoßend und verwirrend wirkt, so entfaltet sich dafür auf den zweiten Blick die Vorgehens- und Arbeitsweise der altägyptischen Handwerker in beispielhafter Weise.Der schon sehr weit gediehene Rohling hatte im Gesicht und am Hals bereits eine sehr gute Glättung der Oberfläche erfahren, während die gröberen Meißelspuren an den Ohren und am Kronenansatz noch roh belassen wurden. Die Augen und der Augenbrauenwulst waren bereits so exakt gesetzt, dass sie als sicherer Anhaltspunkt für die weiteren Arbeiten mit akkuraten Linien eingefasst und bemalt wurden. Auch Nase und Mund sowie die Sehnen am Hals scheinen dem Ziel schon recht nahe zu sein, doch mussten neben der Ausarbeitung einiger Details offensichtlich noch Korrekturen vorgenommen werden. Um die zu bearbeitenden Stellen zu markieren, zeichnete der Bildhauer mit gekonnt gesetzten, schwungvollen Pinselstrichen die fraglichen Partien im Gesicht an. Hierzu gehörten die fehlende, leichte Furche in der Mitte der Stirn; die Lidfalten am inneren Augenwinkel; die Ausarbeitung des linken Tränensäckchens, eine Begradigung des Nasenrückens, die fehlenden Nasolabialfalten, eine Korrektur der zu voll geratenen Lippen sowie eine zartere Modellierung der leicht eingefallenen Wangen – insbesondere auf der linken Gesichtshälfte – und die fehlenden Halsfalten.Am Kinn und um den Mund sowie an der Oberlippe kann man bereits den nächsten Abarbeitungsschritt mittels feiner, kleiner Meißelspuren erkennen. Wie viele solcher Korrekturvorgänge dieser Statuenkopf noch hätte durchlaufen sollen, kann nicht abgeschätzt werden, aber der unvollendete Kopf zeigt im Vergleich zur vollendeten Büste und zum Gipsmodellkopf der Königin (ÄM 21349), dass verlässliche Modellvorlagen in der Werkstatt unabdingbar waren, um das gesetzte Ziel eines perfekten, porträthaften, wenngleich idealisierten Abbildes der Königin zu erhalten.Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 338 (Kat.-Nr. 123).

Hieratischer Papyrus mit Hymnen auf den Totengott Osiris (Papyrus Schmitt)

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Im ausgehenden 4. Jahrhundert v. Chr. trat eine neue Gruppe von Totenpapyri neben die traditionellen Totenbücher. Sie sind mit Texten beschriftet, die zu diversen Festterminen für den Totengott Osiris rezitiert wurden. Offenbar sollte der dem Gott angeglichene Verstorbene wie dieser von den belebenden und schützenden Ritualen profitieren. Neben langen Hymnen, Totenklagen und anderen Rezitationen enthalten die Texte zum Teil auch Anweisungen für die Durchführung ritueller Handlungen. Deswegen sind diese sogenannten „Ritualpapyri“ oder auch „liturgischen Papyri“ trotz ihrer Verwendung als Grabbeigabe eine wichtige Quelle für unsere Kenntnis altägyptischer Rituale.Papyrus Berlin P. 3057, nach seinem Stifter auch „Papyrus Schmitt“ genannt, ist ein wichtiger Vertreter dieser vorwiegend für Priester angefertigten Schriftrollen. Er überliefert fünf Texte, wobei am Anfang der Rolle (rechts) mindestens zwei Kolumnen verloren sind. Wie bei allen Ritualpapyri wurde die hieratische „Schreibschrift“ verwendet, die zur Zeit der Herstellung des Papyrus um 300 v.u.Zt. nur noch in religiösem Kontext Verwendung fand. Gut zu erkennen ist der Unterschied zwischen stichisch (d.h. in Versen) und durchlaufend geschriebenen Texten, ebenso die dünnen Begrenzungslinien der Textkolumnen. Die dunklen Verfärbungen an den Rändern stammen von Balsamierungssubstanzen und belegen, dass der Papyrus zusammengerollt mit der Mumie im Sarg lag.Der Verstorbene wird in den Texten nicht namentlich genannt, sie richten sich ausschließlich an den Totengott. Möglicherweise kann die Rolle aber einem Mann namens Psammetich-Merneith zugewiesen werden, dessen Mumienbinden gemeinsam mit Papyrus Schmitt ins Berliner Museum gelangten und anscheinend vom selben Schreiber mit Texten versehen wurden. B. Backes