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Vorratsgefäß mit bemaltem Girlanden-, Fisch- und Pflanzendekor

Ident. Nr.: ÄM 22355

ObjID: obj:606290

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Historische Datierung: Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Vorratsgefäß mit bemaltem Girlanden-, Fisch- und Pflanzendekor
Übersetzung: Storage vessel decorated with garland, fish and plant motifs
Geografische Bezüge
Material / Technik
Ton, gebrannt (Material); bemalt
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 62 x 48 cm

Objektbeschreibung

Keramik mit farbigem Dekor gehört zu den auffälligen Gütern der Wohnkultur von Achet-Aton. So ist dieses gut erhaltene Gefäß ein typischer Repräsentant seiner Zeit. Es wurde bei Grabungen der DOG 1911 in einem Raum des Gehöftes O 50.2 in Achet-Aton gefunden.
Das Vorratsgefäß besitzt einen voluminösen Körper, eine offene Mündung mit nach außen hin abgesetztem Rand und einen abgerundeten Boden. Für die Standfestigkeit war es entweder vertieft in den Boden eingelassen oder wurde auf einem Standfuß gelagert. Charakteristisch für diese Zeit ist eine Bemalung mit kobaltblauen Pigmenten. Den roten, durch die Politur glänzenden Überzug sparte der Töpfer an den Stellen aus, die für die Muster-, Fisch- und Pflanzenmotive vorgesehen waren. Die Bemalung des Gefäßes erfolgte vor dem Brand, was die Farben wasserfest werden ließ. Daher konnten solch große Gefäße zur Bereitstellung von Flüssigkeiten wie Wasser und Wein genutzt werden.
Als Dekor ziehen sich waagerecht angeordnete, aber auch bogenförmige blaue Ornamentbänder um Hals, Schulter und Bauch des Gefäßes. Sie ahmen Girlanden aus den Blütenblättern des blauen Lotos nach. Dabei spielt die Symbolik des Lotos eine besondere Rolle. Die sich am Morgen öffnende Lotosblüte wird mit dem jugendlichen Sonnengott assoziiert, der aus dem Urgewässer emporsteigt. Hierdurch wird der Lotos zu einem Sinnbild für Schöpfung, Lebenskraft und immerwährende Verjüngung. Eine besondere Bedeutung wird zudem zwei Fischen in gelber Farbe zuteil. Bei diesen Exemplaren handelt es sich um Nilbarsche, die sich einer kleinen Gruppe von Lotosblüten nähern. Die faszinierende Beobachtung, dass Nilbarsche als so genannte „Maulbrüter“ ihren Nachwuchs in großer Zahl – wie aus sich selbst gezeugt – aus dem Mund entlassen, hat sie in mehrfacher Hinsicht symbolisch aufgeladen. Einerseits wird der Nilbarsch in Beziehung zu dem sich täglich selbst regenerierenden Sonnengott gesetzt, andererseits wird er als Fruchtbarkeitssymbol mit der Göttin Hathor assoziiert. Hathor erfreute sich als Göttin der Liebe, des Festes und der Trunkenheit auch während der Amarna-Zeit unter der Bevölkerung großer Beliebtheit. Gerade die beiden Fischmotive machen das Bestreben zu einer größeren Naturnähe deutlich, die als eines der typischen Merkmale der Amarnakunst verstanden werden kann. Die „blau bemalten“ Gefäße erreichen während der Amarna-Zeit einen absoluten Höhepunkt in ihrer Beliebtheit und verschwinden dann während der folgenden Ramessidenzeit langsam aus dem Keramikrepertoire.
Nach: Seyfried, F.; Breuer, S., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 248 (Kat.-Nr. 30).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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