Logo

Fußreif mit eingraviertem Muster

Ident. Nr.: ÄM 20981

ObjID: obj:606461

Details (Expert)

Beteiligte
Francis Llewellyn Griffith (27.5.1862 - 14.3.1934),
Grabungsleiter*in
Datierung
Historische Datierung: Meroitisch bis Post-Meroitisch
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze (Material / Metall)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 19 x 86 x 85 mm

Objektbeschreibung

Der massive Fußreif aus Bronze weist eine Öffnung von wenigen Millimetern auf. An den beiden Enden der Öffnung ist er mit einem netzartigen Rautenmuster und Dreiecken sowie Doppellinien dekoriert, die das Muster trennen. Sehr wahrscheinlich wurde das Dekor bereits im Gussmodell angelegt und anschließend gepunzt. Der Reif wurde im Grab 176 des spätmeroitischen Friedhofs in Faras im Norden des heutigen Sudan gefunden.
Fußreife dieser Art mit fast identischem Dekormuster sind lediglich in fünf der nahezu 3000 Gräber in Faras belegt. Ihre Durchmesser liegen zwischen 8 und 14 cm. Der größte Reif wiegt 3 kg. Das Berliner Stück mit einem Durchmesser von ca. 8,5 cm ist daher als ein verhältnismäßig kleines Exemplar zu betrachten. Solche massiven, bronzenen Fußreife dienten möglicherweise nicht dazu getragen zu werden, sondern waren vielmehr prämonetäre Artefakte aus einer spezialisierten Bronzewerkstatt, deren Wert sich wohl im Gewicht widergespiegelt hat. Sie wurden als luxuriöse Grabbeigaben zwischen den Knien und Fußfesseln der Verstorbenen deponiert.
(I. Liao nach: Helmbold-Doyé, J. / Jancziak, J., Luxus, in: Finneiser, K. / Helmbold-Doyé, J. / Jancziak, J. / Zorn, O., Alltag – Luxus – Schutz. Schmuck im Alten Ägypten. Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Staatliche Museen zu Berlin, 27. September 2014 – 31. Mai 2015, Berlin 2015, S. 53ff.)

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper