Logo

Kopf des Chaemwese, Sohn Ramses` II.

Ident. Nr.: ÄM 13460

ObjID: obj:606550

Details (Expert)

Beteiligte
Carl August Reinhardt (4.2.1856 - 25.11.1903),
Käufer*in
Datierung
Historische Datierung: Ramses II.
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 25 x 23 x 22 cm

Objektbeschreibung

Der nahezu lebensgroße Kopf einer Statue stellt wahrscheinlich den Prinzen Chaemwese, Sohn Ramses II. und der königlichen Gemahlin Isisnofret, dar. Chaemwese trägt einen kurzen, gerade abschließenden Kinnbart. Das Gesicht ist sehr füllig und rund, wie es auch andere, sicher ihm zugewiesene Statuenköpfe zeigen. Seine Augen erscheinen sehr klein und weit zur Nase hin gezogen, gleichwohl ist der Mund nicht sehr breit und wird von Nasolabial- sowie Mundfalten umschlossen. Die gesträhnte Frisur des Prinzen ist etwa kinnlang und bildet an der Stirn einen geraden Abschluss. Vom Scheitel verläuft ein geflochtener Zopf an der rechten Seite des Kopfes entlang, der noch über die Länge der Bruchstelle des erhaltenen Statuenfragments hinausgeht. Dieser Zopf sowie der beschriebene Bart kennzeichnen ihn als Hohepriester. Chaemwese bekleidete mehr als dreißig Jahre lang das Amt des Hohepriesters des Gottes Ptah in Memphis.
Der Statuenkopf gehört zu einer sogenannten Stabträgerfigur. An der linken Körperhälfte hielt Chaemwese eine Götterstandarte, von der noch Reste erhalten geblieben sind und die bis zum Boden reichte. Im British Museum in London (EA 947) befindet sich eine vergleichbare Statue des Prinzen mit je einem Stab an jeder Körperseite, weshalb auch der Berliner Kopf zu einer Stand-Schreitfigur mit Stabträgerfunktion rekonstruiert werden kann. Der Berliner Chaemwese ist jedoch nur mit einer Standarte zu ergänzen, was den gängigeren Typus dieser Statuen darstellt. Stabträgerfiguren sind erst seit dem Neuen Reich sowohl in der Privat- als auch Königsplastik belegt und treten dabei vermehrt in der Regierungszeit Ramses’ II. auf. Vom Ende des Neuen Reiches bis in die Spätzeit hinein wird ihr Vorkommen immer seltener. Auf den Standarten befanden sich Götterstatuetten oder Protome von Göttern. Die Funktion der Stabträgerfiguren liegt wohl darin, dass die Stifter ein bestimmtes Götterbild immer betrachten wollten und es somit auf der Standarte abbilden ließen. Dies belegen auch die Texte auf den Objekten.
Von einer Aufstellung der Statue des Chaemwese in einem Tempel ist auszugehen. Dabei ist, aufgrund des von Chaemwese bekleideten Amtes im Ptah-Tempel, eine Herkunft aus der Region um Memphis sehr wahrscheinlich.
(Jessica Jancziak)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper