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Hieroglyphischer Papyrus, Jenseitsführer des Wirtschaftsvorstehers Amun-em-wija

Ident. Nr.: P 3127

ObjID: obj:606602

Details (Expert)

Datierung
3. Zwischenzeit (Ägypten)
Abweichende Datierung: 19.–20. Dynastie (Neues Reich -> Ägypten)
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite: 22,5 x 178 cm

Objektbeschreibung

Jenseitsführer für den Vermögensverwalter am Amuntempel Amunemwija mit symbolhaltigen Illustrationen über die Gefahren im Totenreich mit hieroglyphischen Beischriften.
Bildstreifen dieser Art ersetzen ein Totenbuch. Was es durch Texte und beigefügte Vignetten an notwendigem Wissen über die Gefahren im Totenreich und ihre Vermeidung vermittelt, lehren Jenseitsführer durch symbolhaltige Illustrationen. Die Bilderfolge ist von rechts nach links zu lesen:
a) Der Verstorbene opfert der Göttin des Westens.
b) Phoenix und Skarabäus sind Zeichen der Wiedergeburt.
c) Das Herz wird beschworen, nicht gegen den Verstorbenen im Totengericht auszusagen.
d) Die vier "Horussöhne" behüten die Innereien des Verstorbenen.
e) Der Pavian steht hier für das Totengericht, bei dem das Herz gegen die Gerechtigkeit aufgewogen wird.
f) Es folgen die bösen Dämonen und Plätze im "schönen Westen".
g) Der Seelengeleiter Anubis (Schakal) führt den Verstorbenen in die Gefilde der vier Himmelsrichtungen.
h) Die Hathorkuh empfängt am Westberg den Toten, wie sie als Himmelsgöttin auch den Sonnengott empfängt.
i) Der Verstorbene als Priester (kahlköpfig) opfert der Hathor.

Von diesem Papyrus existiert mindestens eine bekannte Fälschung, die am 29. Mai 1974 von Pierre Ramond in Theben angekauft wurde.

I. Müller/ J. Moje

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper