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Standfigur einer Priesterin

Ident. Nr.: ÄM 2309

ObjID: obj:606607

Details (Expert)

Datierung
25. Dynastie (Kuschiten) (3. Zwischenzeit -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Standfigur einer Priesterin
Übersetzung: Standing figure of a priestess
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 57,5 x 13,5 x 12 cm

Objektbeschreibung

Statuen aus Bronze wurden ab der 25. Dynastie (746–655 v. Chr.) deutlich beliebter und vielfältiger. Großbronzen in Vollguss dieser Form sind heutzutage aber selten. Auch diese bronzene Frauenfigur ist gekennzeichnet von Spuren der vergangenen Zeit, da ihre beiden Arme fehlen. An einigen Stellen der Statue sind zudem noch Reste einer früheren Vergoldung zu finden. 
Besonders an der Figur ist vor allem ihre abnehmbare Perücke sowie ihr besonderer Frauenkörper. Dieser zeigt ein ganz neues Frauenideal. Der Körper wird üppiger und vor allem die Brüste und die Hüfte werden stärker betont und voller und langgestreckter dargestellt. Ansonsten wird der Körper von einem dünnen, durchscheinenden Gewand bedeckt, das bis zu den Füßen reicht. Bedeckt wird ihr Kopf von einem Diadem, das ebenfalls unter anderem aus Gold bestand.
Die Statue ist zudem mit mehreren Götterdarstellungen eingraviert. Am Bauch befindet sich die Barke des Unterweltsgottes Sokaris, der oft mit seinem Schiff den Übergang zwischen Leben und Wiedergeburt darstellte. Auf der linken Hüfte ist Osiris mit Zepter dargestellt und auf der rechten Hüfte wird Osiris mit Krummstab dargestellt. Auf dem Rücken befindet sich eine Form des Osiris-Fetischs, die die abydische Herkunft des Osiris in abstrakter Weise darstellt. 
Die starke Repräsentation des Gottes Osiris könnte einerseits mit der Herkunft der Statue erklärt werden: Nach ägyptischem Glauben befand sich in Abydos das Grab des Osiris, sodass diese Statue ein Gegenstand späterer Praktiken gewesen sein könnte. Dies würde auch die abnehmbare Perücke erklären, da diese somit austauschbar war, womöglich um zu verschiedenen kultischen Ereignissen zu passen.
Zugleich könnte die Statue als eine Darstellung einer verstorbenen Person interpretiert werden, da nur Götter der Totenwelt dargestellt werden. Die Verbindung von Sokaris und Osiris zur Totenwelt kann durch ihre Repräsentation auf der Statue den Übergang ins Jenseits unterstützen.
Der Osiris-Fetisch ist bewusst auf der Rückseite der Statue angebracht. Diese Platzierung unterstreicht seine Funktion als Symbol des Jenseits, das sich ikonographisch „hinter“ der dargestellten Figur befindet. Er ist unter anderem mit der Sonnenscheibe geschmückt und verweist auf die untergehende Sonne im westlichen Gebirge. Beim Betrachten der Statue liegt das Jenseits somit im Rücken der Figur; dies deutet darauf hin, dass sie sich bereits in der jenseitigen Welt befindet und gleichsam aus ihr heraus in die Welt der Lebenden blickt.
M. Suckau

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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