Logo

Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil

Ident. Nr.: ÄM 7996

ObjID: obj:606877

Details (Expert)

Beteiligte
Melchior de Polignac (11.10.1661–20.11.1741),
Vorbesitzer*in
Datierung
Hadrianus
Weitere Titel
Sammlungstitel: Orakelstatue der Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in griechisch-ägyptischem Stil
Übersetzung: Oracle statue of Aphrodite Arsinoe II. Philadelphos in Greco-Egyptian style
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe: 170 cm (lt. Inv.)

Objektbeschreibung

Die Statue aus der Villa Hadriana vereint charakteristische Merkmale sowohl der ägyptischen als auch der griechischen Kunst. Der lokale dunkle Stein und die schreitende Haltung der Königin spiegeln den ägyptischen Stil wider, während das dünne, faltenreiche Gewand, das sich hinter den Beinen faltenreich staut, und die symmetrisch angeordnete Lockenfrisur an griechische Meisterwerke erinnern. Das Gesicht mit flachen Wangen, weit geöffneten Augen und markanten Ohren ist typisch für die Bildnisse ptolemäischer Herrscherinnen. Auch die als Diadem getragene Stirnbinde gilt als Symbol für Herrscherkult und Deifizierung (Vergöttlichung).
Die Statue trägt einerseits die Porträtzüge der um 270 v. Chr. vergöttlichten Arsinoe II. Philadelphos, die in einem Kult verehrt wurde. Sie war die älteste Tochter von Ptolemaios I. und heiratete ihren Bruder Ptolemaios II., was den Beginn einer Reihe ähnlicher Verbindungen in der ptolemäischen Dynastie markierte. Die Verbindung der vergöttlichten Arsinoe mit Aphrodite ist durch zeitgenössische Quellen belegt. Andererseits ist sie als Nischenstatue konzipiert, mit einer roh belassenen Rückseite. Unterhalb des Halses befindet sich eine Bohrung, die durch den Körper verläuft und am Rücken austritt. Beide Merkmale deuten darauf hin, dass die Statue als Orakelstatue diente, an die Menschen mit praktischen Fragen herantraten. Mit Hilfe eines aus der Bohrung in den Nebenraum geleiteten Rohres konnte orakelt werden. Arsinoe II. Philadelphos war also auch als kultische Ratgeberin gefragt. 
Von der Statue sind der Körper, die Oberschenkel und der linke Arm original antik; die übrigen Teile wurden später ergänzt. Das linke Bein und der Fuß passen zueinander, während das rechte Bein und der Fuß nicht genau zusammenpassen. Diese Ungenauigkeiten wurden geschickt durch die Gewandfalten kaschiert. Die stilistischen Besonderheiten der Skulptur deuten darauf hin, dass sie möglicherweise ein Werk des römischen Eklektizismus ist, bei dem Elemente verschiedener vergangener Stile kombiniert wurden. Einige der Ergänzungen könnten auch im 18. Jahrhundert entstanden sein.
I. Regulski

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper