Logo

Einseitig bemaltes Ostrakon mit Darstellung einer Katze vor einem Opfertisch mit Gans (Tefnut-Legende)

Ident. Nr.: ÄM 3317

ObjID: obj:606956

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Käufer*in
Datierung
18. Dynastie (Neues Reich -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Einseitig bemaltes Ostrakon mit Darstellung einer Katze vor einem Opfertisch mit Gans (Tefnut-Legende)
Übersetzung: Ostracon depicting a cat in front of an offering table with goose (Tefnut legend)
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 9,4 x 15,6 x 3,6 cm

Objektbeschreibung

Die Kalksteinscherbe (Ostrakon) wurde 1905 durch Ludwig Borchardt (1863-1938) von Mohamed Abd er Rasul in Sheikh Abd el-Qurna (Theben-West) angekauft. Die schwarzen Linienzeichnungen sind teilweise mit roter Farbe und gelbem Ocker ausgemalt. Die Darstellung zeigt eine auf einer Matte sitzende Katze vor einem Opfertisch. Auf diesem befinden sich sechs runde Fladenbrote, die ein Libationsgefäß (Hs-Vase) rahmen. Rechts und links befinden sich ein Fleischstück sowie eine sitzende Gans, welche der Katze zugewandt ist und hier nicht als Opfergabe dient. Den Hintergrund bildet sogenanntes "Schnittgrün", wobei es sich vermutlich um Palmenblätter handelt. Vom Ausguss des Libationsgefäßes gehen zwei Wasserlinien in typischer Zickzack-Form ab und reichen über die Gans und die Katze hinweg. Durch die symbolische Darstellung wird der Akt der Reinigung illustriert. Die äußere Begrenzung des Geschehens bilden ein weiteres Libationsgefäß (nms-Krug) neben dem Opfertisch sowie ein Sykomorenbaum hinter der Katze. Letzterer ist anhand der Blatt- und Stammform des Gewächses sowie den roten Feigenfrüchten zu erkennen. Vermutlich handelt es sich bei der Darstellung um einen Auszug aus dem Mythos vom Sonnenauge, welcher erst in späten demotischen Fassungen schriftlich belegt ist. Die Göttin Tefnut ist hier als nubische Katze vor ihrem Vater Re, in Gestalt einer Gans, abgebildet. Während das Fleischstück hinter ihm in Form des Zeichens für "Erbe" (jwa) zusammen mit der kultischen Reinigung auf die göttliche Verwandtschaft hindeuten, wird mit der Sykomore zumeist die Göttin Hathor assoziiert, welche in einigen Varianten des Mythentexten mit Tefnut gleichgesetzt werden kann. Die mangelnde Oberflächenglättung und grobe Form des Objektes deuten darauf hin, dass es sich hierbei um ein Übungsstück handelt.
A. Weber

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Hieratischer Papyrus mit dem Totenbuch der Senchonsis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper