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Kopf einer Statue der Königin Nofretete

Ident. Nr.: ÄM 21358

ObjID: obj:606984

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kopf einer Statue der Königin Nofretete
Übersetzung: Statue head of Queen Nefertiti
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 24 x 16 x 16,3 cm

Objektbeschreibung

Auch dieser Kopf wird aufgrund der leicht akzentuierten Stirnbinde und dem als Kronenaufsatz dienenden Zapfen mit einer königlichen Dame identifiziert. Doch fungierte dieser Kopf nicht als Teil einer Kompositstatue, sondern vielmehr lassen die abgebrochene Unterseite des Halses sowie der Rest eines Rückenpfeilers erkennen, dass dieses Stück ursprünglich zu einer unterlebensgroßen Statue gehörte, die aus einem Block gehauen war. In den langen Zapfen auf dem Haupt war vermutlich eine weit nach hinten ausladende Kopfbedeckung eingelassen, und auch die Aussparungen auf Höhe der Schläfen sprechen für eine – für Nofretete typische – Blaue Haube, die dem Kopf aufgesetzt wurde. Dorothea Arnold definiert daher diesen Typus als „Teil-Kompositstatue“. Lippen, Zapfen sowie die Partie oberhalb des Kopfes sind rot bemalt, leichte Spuren schwarzer Vorzeichnungen sind noch an Augen und Brauen erhalten, die als Vorbereitung für eine weitere Ausarbeitung dienten. Die Nasenspitze ist abgebrochen, und auch die Ohren scheinen nicht vollendet. Im Vergleich zu Nofretetes anderen Bildnissen sind die Augen schmaler und der Mund breiter ausgearbeitet, die Wangenmuskeln setzen bereits unterhalb der Schläfen an. Diese weniger individuellen Züge ihres Erscheinungsbildes ordnen sie als ein spätes Werk der Amarna-Zeit ein.
Der Kopf zählt zu der geringen Anzahl granitbeschaffener Objekte, die nach der Fundteilung nach Berlin gelangten. Im Jahre 1992 entdeckte Kristin Thompson im Restschutt der Grabungen der DOG von 1911 bis 1914 jedoch weitere 188 Granit-Fragmente, wobei sie herausfand, dass die gesamten Stücke aus Haus P 47.3 stammten. Der Tagebucheintrag vom 13. Dezember 1912 enthält eine kurze Notiz zu diesen „schwarzen Granitstücken“ und beschreibt, dass diese in Raum 6, 10 und 12 freigelegt wurden. Trotzdem ließ das Grabungsteam diese Fragmente vor Ort zurück. Unter den Bruchstücken befand sich u. a. der Teil eines unbeschrifteten Rückenpfeilers. Thompson zog konsequenterweise eine Verbindung zu dem in Nebenraum 11 von Haus P 47.3 ausgegrabenen Berliner Granitkopf. Infolgedessen wurde für weitere Untersuchungen ein Gipsabguss angefertigt, wobei sich herausstellte, dass Rückenpfeiler und Kopf haargenau aneinanderpassen. Thompson und ihr Kollege Dimitri Laboury konnten aus den vielen restlichen Teilen eine sitzende Doppelstatue Echnatons und Nofretetes rekonstruieren (s. Rekonstruktion), vergleichbar mit einer Statuengruppe des Königspaares aus dem Louvre (AE 004253), auf die auch schon der Tagebucheintrag verwies („Wie die Stücke desselben Materials zeigen, rührt der Kopf einer Gruppe her, die den König neben der Königin sitzend darstellen sollte, vgl. die halbe Gruppe im Louvre“, Tagebuch 1912/1913, S. 83). Arme, Füße sowie der Kopf des Königs wurden bisher nicht aufgefunden. Erstaunlich ist, dass es sich hierbei um das einzige monolithisch gearbeitete Objekt aus Achet-Aton handelt. Aus welchem Grund auf diese Technik und dieses Material zurückgegriffen wurde, kann nur vermutet werden. Es bleibt die Hoffnung, dass weitere Funde und genaue Beobachtungen mehr Aufschluss zum Statuenprogramm der Amarna-Zeit bringen werden. Für das Haus P 47.3 kann anhand des Fundkontextes angenommen werden, dass in dieser Werkstatt wahrscheinlich vor allem Granit bearbeitet wurde.
Aus: Mettlen, J., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 386 (Kat.-Nr. 174).

Letzte Aktualisierung: 25.08.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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