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Hieratischer Papyrus mit einem Brief des Generals Pianchi an den Beamten Pai-schu-uben

Ident. Nr.: P 10488

ObjID: obj:607283

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Schäfer (29.10.1868 - 6.4.1957),
Käufer*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Käufer*in
Datierung
Ramses XI. (20. Dynastie -> Neues Reich -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Hieratischer Papyrus mit einem Brief des Generals Pianchi an den Beamten Pai-schu-uben
Übersetzung: Hieratic papyrus with a letter of general Pianchi to the official Pai-schu-uben
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 17 x 21,2 x 0,02 cm

Objektbeschreibung

Aus einem Konvolut mit Briefen des Generals Pianchi, heute auch als „Fall abgekürzter Justiz“ bekannt. Der hier vorliegende Brief ist die Nr. 2.
1. Brief an den Schreiber der Nekropole Tjaroi. Ein offenbar schwerwiegender Vorfall hatte sich in Theben ereignet: Zwei Polizisten hatten über eine geheime Angelegenheit gesprochen. Genaueres wussten selbstverständlich alle Beteiligten. Aus dem erhaltenen Text erfahren wir freilich nichts. Die Sache war heikel und erforderte schnelles Handeln ohne Aufsehen. General Paianch, Sohn des Herihor, der als Hohenpriester und General den oberägyptischen „Gottesstaat des Amun“ regierte, nahm sich der Angelegenheit an: „Der General des Pharaos an den Schreiber der Nekropole Tjaroi: Alle Dinge, von denen du geschrieben hast, sind zur Kenntnis genommen worden. Bezüglich dessen, was du über die beiden Polizisten gesagt hast, dass sie diese Reden führten, triff dich mit Nodjmet und mit Paischuben, sie sollen (Leute) schicken und die beiden Polizisten zu diesem (Paianchs) Haus bringen und jemanden holen, der bei ihren Redereien wirklich dabei war. Wenn sie dann wissen, dass sie es gesagt haben, so sollt ihr sie zwei Männern übergeben, diese sollen sie nachts ins Wasser werfen. Und keiner im Lande soll etwas erfahren.“
Dieser Brief enthält noch eine weitere dienstliche Anweisung zur Bereitstellung von Gold und Silber.

2. In fast gleichlautenden Schreiben befahl er den auch aus anderen Urkunden bekannten Beamten Tjaroi und Paischuben von der Nekropolenverwaltung, die beiden Polizisten zu verhaften, ihnen in Gegenwart eines Zeugen der Indiskretion ihr Vergehen aufzuzeigen, zwei zuverlässige Männer zu holen - einer sollte Paischuben sein - und die Überführten töten und nachts im Nil verschwinden zu lassen. Zu Stillschweigen wurden die Adressaten ausdrücklich verpflichtet.

3. Ein dritter Brief informierte Nodjmet, die Mutter des Paianch und Leiterin des Harems im Tempel des Gottes Amun-Re, über den Vorfall. Diskretion musste ihr nicht auferlegt werden, hier war sie selbstverständlich.

Möglich vielleicht, dass die Beteiligten eine Anklage wegen Mordes fürchteten, sie bewahrten jedenfalls diese drei Briefe zusammengerollt, mit Leinen umwickelt und versiegelt an einem sicheren Ort auf.
I. Müller / J. Moje

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.Dies ist der Totenpapyrus des Pamonth mit einer mythologischen Darstellung. Der mumifizierte Tote wird vor einem gefüllten Opfertisch mit dem Unterweltsgott Osiris dargestellt, hinter ihm steht der Totengott Anubis. Dieser Papyrus ist in demotischer Sprache und Schrift geschrieben und datiert in die Römische Kaiserzeit, vermutlich ins 2.-3. Jahrhundert nach Christus. Dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass die altägyptische Mythologie noch bis weit in christliche Zeit hinein verbreitet war. Ursprünglich war der Papyrus mit einem, heute abgewischten, greichischen Text beschriftet (Palimpsest).V. Lepper