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Gipsmodellkopf des Königs Echnaton

Ident. Nr.: ÄM 21351

ObjID: obj:607472

Schenkung James Simon, 1920

Details (Expert)

Beteiligte
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Datierung
Amenophis (Amenhotep) IV. / Echnaton
Datierung engl.: Amenhotep IV / Akhenaten
Weitere Titel
Sammlungstitel: Gipsmodellkopf des Königs Echnaton
Übersetzung: Head of King Akhenaten
Geografische Bezüge
Material / Technik
Stuck (Material); bemalt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 26 x 15 x 20 cm
Höhe x Breite x Tiefe: 34 x 15 x 21 cm (mit Sockel)

Objektbeschreibung

„Bei der Beschreibung seines Gesichtes […] dürfen die Jahrtausende uns nicht von dem zutreffenden Gleichnis abschrecken, dass es aussah wie das eines jungen, vornehmen Engländers von etwas ausgeblühtem Geschlecht: langgezogen, hochmütig und müde, mit nach unten ausgebildetem, also keineswegs mangelndem und dennoch schwachem Kinn, einer Nase, deren schmaler, etwas eingedrückter Sattel die breiten, witternden Nüstern desto fallender machte, und tief träumerisch verhängten Augen, von denen er die Lider nie ganz aufzuheben vermochte, und deren Mattigkeit in bestürzendem Gegensatz stand zu der nicht aufgeschminkten, sondern von Natur krankhaft blühenden Röte der sehr vollen Lippen.“ (Thomas Mann) Mit diesen Worten schildert Thomas Mann den Kopf des Königs Echnaton. Dieser Porträtkopf bildet eine Ausnahme unter den vielen königlichen Gipsmodellen. Er unterscheidet sich durch seine mit wenigen Pinselstrichen gesetzten Akzente von den Porträtköpfen, die sich an dem traditionellen Darstellungskanon orientieren und daher mehr idealistisch wirken. In dem hier gezeigten Beispiel ist die Zuordnung eindeutig: der Kopfumriss und die individuelle Physiognomie mit den leicht geöffneten Augen, der langen Nase, den vollen Lippen sowie der dreieckigen Gesichtsform verweisen explizit auf den Pharao. Die mimische Gestaltung ist typisch für Echnaton, auch wenn der bekannte expressive Gesichtsausdruck der frühen Jahre hier nicht vorhanden ist. Bei dem vollplastisch gegossenen Kopf mit Schulteransatz wurde das Kronenband nur schwach plastisch ausgeführt. Das untere Ende des Stirnbandes wurde nachträglich durch einen dünnen farbigen Strich gekennzeichnet. Auch die Augenbrauen und die Augenränder sind schwarz bemalt. Feine Linien markieren die Oberlidfurche, die Nasolabialfalte, die Nasenflügel sowie Nasenlöcher und vermitteln so einen lebendigen, optischen Gesamteindruck. An den Schläfen sind die Aussparungen für den Kronenansatz sichtbar, wobei auf der linken Seite die Noppenstruktur der Blauen Krone zu erkennen ist. Im Nacken des Gipsmodells wurde ein senkrecht liegendes Kronenband mit abgeformt. Der Abguss entstand vermutlich aus zwei Formstücken, da man auf der Stirn und dem darüberliegenden Band noch Reste einer retuschierten Mittelnaht erkennen kann. Als Vorlage für diese Gipsplastik diente offensichtlich ein Statuenkopf, von dem der Bildhauer eine maßstabsgetreue Kopie angefertigt hat. Vermutlich handelt es sich bei diesem Porträtkopf um ein fertiges Modell und Anschauungsstück in einer Werkstatt.
Aus: Jung, M., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 332 (Kat.-Nr. 120).

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Hieroglyphischer Papyrus, Totenbuch des königlichen Schreibers Nacht-Amun

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper

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