Logo

Drei gefallene Soldaten in einer Scheune / Leichen-Kammer zu Königinhof

Ident. Nr.: SZ Menzel N 1741

ObjID: obj:753420

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Adolph Menzel (1815 - 1905),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 21.07.1866
Provenienz
Adolph Menzel (1815-1905),
bis 9.2.1905
Nachlass/Vermächtnis: Emilie Krigar-Menzel,
09.02.1905 - 20.06.1906
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Material / Technik
Bleistift, Aquarell, auf Papier
Abmessungen
Blattmaß: 18,6 x 27,3 cm

Objektbeschreibung

Menzel fuhr am 16. Juli 1866 zu den Schauplätzen des sechswöchigen preußisch-österreichischen Krieges, der einen Monat zuvor ausgebrochen war. Er wünschte „am Kriege wenigstens zu riechen“, wenigstens schrieb er das an Heinrich Paul am 31. Juli 1866 bei seiner Rückkehr nach Berlin. Drei Tage lang sah Menzel im nordböhmischen Königinhof die Folgen der Kämpfe, Sterbende im Lazarett, Tote in einer zur Leichenhalle umfunktionierten Scheune. Drei aquarellierte Zeichnungen entstanden, in denen sich bar jeder Verklärung Erschütterung ob des wahren Kriegsgesichts spiegelt. Im Nachhinein erfuhr Wilhelm Puhlmann von Menzel am 2. August 1866, er habe während der vierzehntägigen Reise Erlebnisse in „Graus Jammer und Stank“ gehabt. Daher nahm er beim Zeichnen von jedweder Idealisierung Abstand, erschuf aber gleichzeitig mit Farbigkeit und Komposition doch eine stille trauervolle Schönheit. Das unterscheidet diese Zeichnungen ausdrücklich von den wenige Jahre später in der Berliner Garnisongruft angefertigten Studien nach mumifizierten Leichen: Diese häßlichen Generale sind vom Tode längst entfernt, außerdem zumeist eines natürlichen Todes gestorben und werden mit wissenschaftlichem Eifer, dabei überaus monströs und gespenstisch dargestellt.
Das persönliche Erlebnis führte dazu, daß Menzel das Kriegsthema nach 1866 nie wieder als Historienbild anfassen mochte, wie er 1878 Friedrich Pecht mitteilte. Bis zu seinem Tod blieben die Blätter unveröffentlicht, ins Blickfeld des öffentlichen Interesses rückten sie erst weit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Text: Andreas Heese, in: Adolph Menzel. Radikal Real. hg. von Bernhard Maaz, München, 2008, S. 75, Kat. 34 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)