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Anthropomorpher Sarg einer Frau namens Senosiris

Ident. Nr.: ÄM 836

ObjID: obj:758044

Details (Expert)

Datierung
Römische Kaiserzeit (Griechisch–Römische Zeit -> Ägypten)
Weitere Titel
Sammlungstitel: Anthropomorpher Sarg einer Frau namens Senosiris
Übersetzung: Anthropomorphic coffin of a woman named Senosiris
Geografische Bezüge
Material / Technik
Holz (Material); grundiert, bemalt
Abmessungen
Länge x Breite x Tiefe: 167 x 51,5 x 44 cm

Objektbeschreibung

Der anthropomorphe Holzsarg der Senosiris stammt aus der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.) und wurde in der Nekropole von Theben-West (Oberägypten) gefunden. Er besteht aus grundiertem und bemaltem Holz und setzt eine jahrtausendealte ägyptische Bestattungstradition fort, obwohl Ägypten zu dieser Zeit bereits Teil des Römischen Reiches war. 
Der Sarg ist in zwei Teile gegliedert, Wanne und Deckel. Das Gesicht der Verstorbenen ist idealisiert dargestellt: ruhig, zeitlos und ohne individuelle Züge. Sie wird mit einer schweren Perücke mit Schmuck dargestellt und trägt eine Art Diadem. Die gesamte Oberfläche des Sarges ist dicht mit religiösen Darstellungen und Texten bedeckt, die eine magische Funktion haben. Auf der Brust befindet sich ein breiter Schmuckkragen (Usech-Halskragen), der oben von zwei Horusfalken abgeschlossen wird. Unter dem Kragen ist ein geflügelter Skarabäus dargestellt – ein starkes Symbol für Wiedergeburt und tägliche Erneuerung. Der Skarabäus hebt die neue Sonne empor, an deren beide Seiten Schlangen zu sehen sind. Darunter folgen mehrere Register mit Götterdarstellungen und Jenseitsszenen.
In diesen Szenen lassen sich unter anderem Osiris, Isis, Nephthys und Horus sowie Anubis erkennen. Vor allem die Szene mit Anubis zeigt sehr gut eine seiner Aufgaben, denn er hält die Hand des Verstorbenen und geleitet diese in das Totenreich. Auch sehr markant ist die Darstellung der vier Horussöhne, die als Schutzgötter der inneren Organe fungieren, die hier mit Sonnenscheibe und Federzepter dargestellt sind. Auf den Füßen sind zwei Schakale abgebildet, umgedreht, sodass die Verstorbene von oben auf sie blicken kann. Sie übernehmen ebenfalls eine Schutzfunktion.
Am Kopfende befindet sich eine große Sonnenscheibe mit Strahlen, die sich über einem Berg befinden. Am Fußende sind aufgemalte Schuhsohlen zu sehen, auf denen der Verstorbene steht, wenn der Sarg aufgestellt wird. Auf der Innenseite der Wanne erscheint die Göttin Nut mit herabhängenden Armen; sie empfängt die Tote symbolisch in ihrem Körper und garantiert ihre Wiedergeburt.
Die hieroglyphischen Inschriften auf dem Deckel nennen den Namen der Verstorben: Senosiris. Die Texte bestehen aus traditionellen Totenformeln und Schutzsprüchen, die gewährleisten sollen, dass sie im Jenseits atmen, sprechen, essen und sich frei bewegen kann. Der Sarg fungiert damit als eine Art magischer Ersatzkörper, der nicht nur bewahrt, sondern aktiv „arbeitet“.
L. Witt

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper