Logo

Stiftungsurkunde in Gestalt einer Stele mit Spitzgiebel

Ident. Nr.: ÄM 11634

ObjID: obj:762183

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894),
Grabungsleiter*in
Rudolf Mosse (8.5.1843 - 8.9.1920),
Mäzen*atin
Datierung
1. Jh. v. Chr.
Genauer: 97/96 v. Chr.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Stiftungsurkunde in Gestalt einer Stele mit Spitzgiebel
Übersetzung: Foundation deed in the form of a stela with a pointed gable
Geografische Bezüge
Material / Technik
Granit (Material / Stein)
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 50,5 x 28 x 8,5 cm

Objektbeschreibung

Dieser Granitstein kam 1892 als Geschenk von Rudolf Mosse in das Berliner Ägyptische Museum. Er wurde von Heinrich Brugsch von den Beduinen Ali und Farag gekauft und stammt aus Soknopaiu Nesos im Arsinoites. Der Stein hat die Form einer Stele mit Spitzgiebel. Auf seiner Frontseite befindet sich eine vollständig erhaltene Inschrift von 20 Zeilen. Die zierlichen und nur ca. 1,1 cm hohen Buchstaben sind dabei nur leicht eingeritzt. Die Inschrift lässt sich aufgrund des in ihr angegebenen 18. Regierungsjahres des Ptolemaios Alexander in das Jahr 97/96 v. Chr. datieren. Es handelt sich um die Stiftungsurkunde eines Apollonios. Von diesem wird nicht nur berichtet, dass er der Sohn eines Ischyrion war. Darüber hinaus erfahren wir, dass er Schreiber eines Pantaleon war, von dem wiederum gesagt wird, dass er den Rang eines ὁμότιμος τοῖς συγγενέσι innehatte, eines der höheren Ränge im ptolemäischen Reich und für die Naturalsteuer des Herakleides-Bezirks des Arsinoites zuständig war. Apollonios stiftet nun in seinem Namen und im Namen seiner Untergebenen eine jährliche und auch in der Zukunft zu erfüllende Weihgabe von 182 ½ Artaben Weizen an die Götter Soknopaios und Nepherses. Die Stiftung soll am ersten Tag des nächsten Jahres mit einer Lieferung in die Tempelbäckerei beginnen. Für die Versorgung der Priester wird mit dieser Stiftungsinschrift somit täglich ½ Artabe (= ca. 19,6 l) Weizen versprochen.
(Marius Gerhardt)

Letzte Aktualisierung: 04.09.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Statuette des Priesters Hori

Statuette des Priesters Hori

"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).