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Mumientuch einer Frau

Ident. Nr.: ÄM 11659

ObjID: obj:762249

Details (Expert)

Beteiligte
Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894),
Grabungsleiter*in
Rudolf Mosse (8.5.1843 - 8.9.1920),
Mäzen*atin
Datierung
3.-4. Jh. n. Chr.
Weitere Titel
Sammlungstitel: Mumientuch einer Frau
Übersetzung: Mummy cloth of a woman
Geografische Bezüge
Abmessungen
Länge x Breite x Höhe: 1,56 x 0,48 x 0,25 m (inkl. Sockel)

Objektbeschreibung

Die Besonderheit dieses Tuches ist seine dichte und nahezu vollständig dekorierte Oberfläche. So sind das Gesicht und der Körper aufgemalt sowie zusätzlich dazu mit zahlreichen plastisch hervorgehobenen Elementen aus vergoldetem Stuck (Pastiglia) versehen. Das Dekorationsschema entspricht weiteren Mumientüchern, die alle in Saqqara gefunden wurden. Auf der Oberseite bilden diese die Verstorbenen bis zu den Füßen in der Tracht der Lebenden ab. Ein in Tempera ausgeführtes Porträt mit umgebender Stuckverzierung rahmt den Kopf. Im Brustbereich sind die Verstorbenen mit ihren Armen und Händen abgebildet, die entweder kleine Gefäße oder Pflanzen halten. Fast immer sitzt darunter ein stark stilisiertes Perlennetz mit zumeist drei senkrecht verlaufenden Bildstreifen, die wiederum in einzelne Szenen oder Motive unterteilt sind. Am unteren Rand des Gewandes sind die in Sandalen steckenden Füße aufgemalt. Häufig zieht sich ein Band, bestehend aus floralen und religiösen Motiven, seitlich um die Mumie. Das Leichentuch gehört zu einem der spätesten Beispiele in der Entwicklungslinie von Mumienmasken und -porträts sowie Särgen und Mumientüchern, von denen in Saqqara bis heute trotz umfangreicher Grabungen keine weiteren Porträtmumien dieser Art gefunden wurden.
Das Bildnis auf diesem Tuch zeigt eine junge Frau, deren schwarzes Haar mit einem Netz zusammengefasst ist.
(Jana Helmbold-Doyé)

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.V. Lepper