Logo

Stele des Vorstehers der Wüsten, Kai

Ident. Nr.: ÄM 22820

ObjID: obj:770547

Details (Expert)

Beteiligte
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938)
Datierung
Anfang 12. Dynastie
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 67 x 34 x 9 cm

Objektbeschreibung

Die Stele des Kai ist zweigeteilt. Im oberen Bildfeld sind Inschriften im versenkten Relief angebracht, während im unteren Bereich die Darstellungen im erhabenen Relief ausgearbeitet sind. Kai, der den Titel eines Polizeivorstehers der westlichen Wüsten trägt, ist im unteren Bildfeld in Begleitung einer weiblichen Familienangehörigen in schreitender Haltung dargestellt. Er trägt eine kugelige Lockenperücke, einen kurzen Schurz mit Vorbau sowie um den Hals einen Halskragen und zwei Armreifen an den Handgelenken. In seinen Händen hält Kai Bogen und Pfeile, die auf seine Karriere im militärischen Bereich hinweisen. Hinter seinen Beinen sind zwei namentlich genannte Jagdhunde dargestellt, die ihren Herrn begleiten. Vor ihm in Augenhöhe sind zudem vier Steingefäße für Parfüm oder Öl zu sehen. Die Frau im langen, eng anliegenden Kleid, die entweder seine Gemahlin oder seine Mutter Beschet darstellt, steht hinter Kai und legt ihren linken Arm unterstützend um seine Schulter. Sie trägt zudem eine Perücke mit geflochtenen Strähnen. In ihrer rechten Hand hält sie eine Lotusblüte. Des Weiteren kauern unterhalb der Standlinie noch drei weitere Jagdhunde, die ebenfalls mit Namen gekennzeichnet sind. Interessanterweise sind die dargestellten Personen nicht mit ihren Namen versehen, während die Namen der Jagdhunde angegeben sind.
In der achtzeiligen Inschrift präsentiert Kai, der als Polizeivorsteher der westlichen Wüste amtierte, sich selbst als einen starken Kämpfer und vortrefflichen Anführer des Heeres. Ikonographisch ließ er sich ebenfalls mit entsprechenden Attributen, mit Bogen und Pfeilen sowie fünf Jagdhunden darstellen, um seinen Beruf im militärischen Umfeld sowohl schriftlich als auch darstellerisch zum Ausdruck zu bringen. Auch wenn diese Stelle im funerären Kontext zu verorten ist, geht es bei der ikonographischen Gestaltung der Stele in erster Linie um die Selbstdarstellung des Kai als vom König gelobter, siegreicher Würdenträger Ägyptens. Darüber hinaus berichtet Kai in der Inschrift über einen Auszug in die westliche Oase, vermutlich die Oase Dachla, um die Sicherheit der Wüstenwege zu wahren. Westlich von Kamula, dem angeblichen Fundort der Stele, kann auch eine antike Wüstenroute vom Niltal in die Oasen Dachla und Charga archäologisch belegt werden. Aus stilistischen und paläographischen Gründen ist die Stele des Kai in die frühe 12. Dynastie, möglicherweise in der Regierungszeit Sesostris‘ I., zu datieren.
(I. Liao)

Letzte Aktualisierung: 19.01.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Statuette des Priesters Hori

Statuette des Priesters Hori

"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).