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Grabstele der Melanous, liegend auf einer Kline

Ident. Nr.: ÄM 24143

ObjID: obj:771630

Details (Expert)

Datierung
Römische Kaiserzeit
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 28 x 20,5 x 6,5 cm

Objektbeschreibung

Auf der römisch-ägyptischen Grabstele mit dem bogenförmigen oberen Abschluss ist die Verstorbene in Chiton und Mantel, die auf einer Kline – einem Speisesofa – beim Totenmahl liegt, in versenktem Relief abgebildet. Mit aufgerichtetem Oberkörper stützt sie ihren linken Arm auf zwei Kissen. In ihrer rechten Hand hält sie ein Trinkgefäß empor. Über der rechten Hand der Verstorbenen ist noch ein auf einer Konsole liegender Schakal eingraviert, wobei die Konsole nur durch eine waagerechte Linie angedeutet ist. Vor der Kline mit einer Lehne am Kopfende und gedrechselten Beinen, deren Liegefläche mit einer Matratze belegt ist, sind zwei Trinkschalen auf einem Dreifuß, eine auf einem Gestell platzierten Weinamphore mit einer langstieligen Schöpfkelle und ein Blumenstrauß dargestellt. Unterhalb der Darstellungen befinden sich drei Register. In den oberen beiden Zeilen sind der Name der Verstorbenen und ihr Todesdatum auf Griechisch geschrieben: „Melanous, (verstorben im Alter von) 21 Jahren im 6. Regierungsjahr am 25. Choiach. Sei guten Mutes!“ Mithilfe der Inschrift kann die Stele in das Jahr 300 n. Chr. datiert werden.
Die Stele der Melanous wurde aus einem wiederverwendeten Gesimsblock gearbeitet, dessen Konsolenreihe auf der Rückseite noch gut erhalten ist. Die bogenförmige Umrahmung einer schwarzen Doppellinie wurde in Malerei wiedergegeben, von der heute nur geringe Reste erhalten sind. In dieser Weise sollte vielleicht eine konkave Nische angedeutet werden. Das Emporhalten eines Trinkgefäßes durch einen Toten war ein Motiv, das bereits im 6. vorchristlichen Jahrhundert belegt ist. Es zeigt die Verstorbenen beim Erbitten einer Trankspende von den Grabbesuchern. Die vor der Kline abgebildeten Gerätschaften waren die Requisiten eines Totenmahls und gehörten zum traditionellen Bestand derartiger Darstellungen. Ein weiteres, interessantes Motiv ist der auf der Konsole liegende Schakal, der den ägyptischen Totengott Anubis in Tiergestalt wiedergibt.
Typologisch gesehen stammt die Stele höchstwahrscheinlich aus Terenuthis am westlichen Rand des Nildeltas. Sie wurde vermutlich in einer Nische auf der Rückwand eines Graboberbaus aus Ziegelmauerwerk, das die unbemalten Ränder bedeckte, eingelassen.
(I. Liao nach: Parlasca, K., Zur Stellung der Terenuthis-Stelen – Eine Gruppe römischer Grabreliefs aus Ägypten in Berlin, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts Abteilung Kairo, (1970), Bd. 26, S. 176f., 191; Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 207. )

Letzte Aktualisierung: 25.08.2025

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).