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Unterer Statuenhof der Casa Gallo

Ident. Nr.: 79 D 2, fol. 72 recto

ObjID: obj:811307

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Maarten van Heemskerck (1498 - 1574),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1532 - 1536
Herstellung des Papiers: um 1513
Geografische Bezüge
Italien,
Papiermühle
Material / Technik
Feder in Braun
Abmessungen
Blattmaß: 13,4 x 20,8 cm (oben unregelmäßig beschnitten)
Erwerbung
1886 vom Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten überwiesen, erworben mit der Sammlung Hippolyte Destailleur

Objektbeschreibung

Die beiden sogenannten Römischen Skizzenbücher Maarten van Heemskercks sind nicht nur auf unterschiedlichen Wegen und zu verschiedenen Zeiten nach Berlin gelangt, sie sind auch sehr verschiedener Natur. Allein das nach seinem früheren Erwerbungsjahr als erster Band bezeichnete ist im eigentlichen Sinn ein Skizzenbuch, nämlich ein bei Ausflügen des Künstlers in der Tasche mitgeführtes Heft gewesen, das andere dagegen ein Klebeband, also eine nachträgliche Zusammenstellung. Heemskerck gehört keineswegs zu den ersten niederländischen Künstlern, die Rom besuchten. Zu seinen Vorgängern zählen Rogier van der Weyden, Jan Gossaert und sein eigener Lehrer Jan van Scorel. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wird das Studium der römischen Altertümer und der zeitgenössischen italienischen Kunst zu einem wesentlichen Aspekt der Ausbildung nicht nur niederländischer Künstler und bleibt dies bis in unser Jahrhundert. Die nicht ganz vollständig gebliebenen, mit späteren Zeichnungen vermischten Blätter des Skizzenbuches beweisen Heemskercks spezifische Interessen an den Denkmälern der Ewigen Stadt, die sich neben antiker und moderner Architektur vor allem auf antike Skulptur richteten. So besuchte und zeichnete er eine Reihe von Skulpturengärten und -höfen, in denen die Sammler ihre Bestände aufzustellen pflegten. Umso bemerkenswerter ist bei der aufgeschlagenen Federzeichnung (folio 72r.), die den Skulpturengarten der Casa Galli zeigt, daß hier ein modernes Werk ins Zentrum des Blicks gerückt ist, der Bacchus Michelangelos. Auch in der Aufstellung im Garten scheint es eine zentrale Stellung eingenommen zu haben, was für das Verhältnis der vorbildhaften antiken Fragmente zur zeitgenössischen Kunst, die sich mit ihnen zu messen wagt, höchst aufschlußreich ist.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179, Kat. IV.17 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)