Logo

Quappi im Clubsessel, rauchend

Ident. Nr.: SZ M.Beckmann 3

ObjID: obj:812763

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Max Beckmann (1884 - 1950),
Zeichner*in
Mathilde Beckmann (1904 - 1986),
Dargestellt
Datierung
Herstellung: 1927
Provenienz
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 42,3 x 53,3 cm

Objektbeschreibung

Mathilde Beckmann, geb. Kaulbach, war die jüngste Tochter des Malers Friedrich August von Kaulbach und die zweite Frau Beckmanns. Wie ihre Mutter, die Konzertgeigerin Frida Scotta, ließ sie sich in Wien als Geigerin und Sängerin ausbilden. Dort lernte sie 1923 Max Beckmann kennen, den sie 1925 heiratete. Nach Beckmanns Tod lebte sie in New York, wo sie 1986 gestorben ist. Zahlreiche Porträts bezeugen die Bedeutung, die Mathilde im Leben von Beckmann hatte. Obwohl sie nach ihrer eigenen Aussage nie Modell gesessen hat, ist die Zeichnung ganz offensichtlich vor der Natur entstanden. Mit sichtlichem Stolz und Vergnügen an der erotischen Ausstrahlung hat Beckmann seine 23 Jahre junge Frau aufgenommen. Mit wenigen, kaum korrigierten Kreidestrichen ist ihre reizvoll legere Haltung in das Format gesetzt. Nur der Kopf und die linke Hand sind durch Weißhöhungen hervorgehoben. Beckmann hat die Zeichnung abgedeckt, das Gesicht und die linke Hand freigelassen und mit weißer Farbe leicht übersprüht, so daß sich nochmals ein eigenartiges Lichtfeld davorlegt. Dieser Effekt verstärkt die durch den seltsam abwesenden Gesichtsausdruck und die weitgeöffneten Augen erzeugte Stimmung unbestimmter Gefährdung. Durch den scheinbar episodischen Vortrag zunächst kaum wahrnehmbar, thematisiert Beckmann in dem Porträt seiner Frau eines seiner Hauptthemen, die Ambivalenz der Geschlechterbeziehung, wie er sie in dem Gemälde »Fastnacht« von 1925 (Göpel 236), einem Doppelporträt mit Quappi, dargestellt hat. Der Versuchung durch die weibliche Sinnlichkeit stellt Beckmann in dem Kassandra-Blick seiner dargestellten Frauen das Unheil an die Seite.

Text: Eugen Blume: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 464 f., Kat. VIII.30 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)