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Sterbender Wanderer

Ident. Nr.: 469-92

ObjID: obj:821325

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Max Klinger (1857 - 1920),
Stecher*in
Datierung
Herstellung: 1879
Abmessungen
Blattmaß: 41,3 x 30,2 cm

Objektbeschreibung

Es ist seine letzte Reise. Der Wanderstock ist seinen schwachen Händen entglitten, der Geier wartet schon. Oder mit den Worten Stefan Georges: „ein geier schielt ihn an ob er zum frasse reif ist“. Trotz der unheilschwangeren Stimmung und unmittelbaren Bedrohung strahlt Wanderers Ende auch eine große Ruhe aus. Der ausgezehrte Mann, weder jung noch alt, steht sinnbildlich für den Lebensweg des Menschen. Nur mit einem Lendentuch bedeckt, sucht der Sterbende Wanderer Halt in der öden Felslandschaft. Assoziationen an den Prometheus-Mythos klingen an, in dem ein Adler Tag für Tag die Leber des an den Felsen geketteten Helden zerfleischt, als Strafe dafür, den Menschen das Feuer gebracht zu haben.
Max Klinger, schon früh ein Virtuose der Zeichenkunst, radierte 1879 seine erste graphische Folge, die auf Zeichnungen der 1870er Jahre basiert. Die Inhaltsschwere und vielen Bezüge innerhalb der späteren druckgraphischen Folgen veranlasste Interpreten zur Vermutung, auch die Blätter der Radirten Skizzen (Opus I) seien konzeptuell verbunden. Zumindest deuten die einzelnen Blätter des Zyklus Themen an, die auch in späteren Jahren dominieren, u.a. Innerlichkeit, Bedrohung und Tod.

Text: Ina Dinter

It is his final journey. The walking stick has slipped from his weak hands, and the vulture is already waiting. Or, in the words of Stefan George, “a vulture leers at him, waiting to see if he is ripe for devouring.” Despite the ominous mood and immediate danger, Wanderer’s End also exudes a great calm. The exhausted man, neither young nor old, symbolizes man’s life path. Only covered with a loincloth, the Dying Wanderer seeks to gain his footing in the desolate rocky landscape. This evokes associations of the myth of Prometheus, where an eagle devoured the liver of the hero chained to a rock day after day, as punishment for giving fire to mankind.
Max Klinger, who quickly attained virtuosity in drawing, in 1879 engraved his first series of prints based on drawings from the 1870s. The dense content and many references within his later series of prints caused many to suspect that the sheets of the Etched Sketches (Opus I) were conceptually linked to one another. The sheets of the cycle repeatedly allude to subjects that would dominate in later years as well: inwardness, danger, and death.

Text: Ina Dinter

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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