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Blick auf Olevano

Ident. Nr.: SZ Horny 2

ObjID: obj:825307

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Franz Theobald Horny (23.11.1798 - 6.1824),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: um 1822
Geografische Bezüge
England,
Papiermühle
Provenienz
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Abmessungen
Blattmaß: 53,0 x 43,0 cm

Objektbeschreibung

Die eindrucksvolle, bizarre Gebirgslandschaft der Sabiner Berge und das durch sein Erscheinungsbild so inspirative Städtchen Olevano mit sich auftürmenden Häusergruppen und der krönenden Burgruine waren von Joseph Anton Koch 1803 künstlerisch entdeckt worden. In den folgenden Jahren stellten nicht nur er, sondern auch andere der immer zahlreicher nach Rom kommenden Künstler nicht nur die Stadt, sondern auch ihre Umgebung in Zeichnungen und Aquarellen dar. Horny, seit 1817 in Rom, hielt sich sogar von 1818 bis zu seinem Tode fast immer in Olevano auf.
In einem Brief an die Mutter schreibt er am 31.7.1817: »Olevano de Borghese heißt der Ort, wo ich in der Gesellschaft des H. v. Rumohr, Grafen Seinsheim und des Malers Cornelius drei für mich unvergeßliche Wochen zugebracht habe. Das ist ein wahres Zauberland, gewiß einer der schönsten und bedeutendsten Punkte Italiens, und dennoch wird er fast von keinem der Fremden, die Italien in unzähliger Menge bereisen, besucht, denn nicht einmal ein Gasthof ist im Ort. Wir bewohnten daher das dem Hause Borghese zugehörige Casino, wo vielleicht seit 50 Jahren niemand hingekommen ist, und König machte den Koch vortrefflich und wir lebten dort wie die Prinzen in einem verzauberten Schloß, mit welchem unser Casino mit seinen alten Möbeln und Bildern viel ähnliches hat. Überhaupt ist die ganze Gegend dort so phantastisch, daß man es in Deutschland gar nicht glauben würde, wenn man Zeichnungen davon sähe. Man ist nämlich im Sabinergebirge, alle Orte liegen ganz oben auf Felsen wie Schwalbennester mit alten Schlössern und Burgen, oft muß man stundenlang auf schmalem Fußpfad, wo nur das Maultier zu brauchen ist, die nackten Felsen hinauf um dahin zu gelangen; und die Farbe: davon hat man keine Ahnung.«
Von den zahlreichen Zeichnungen Hornys, die bis zu seinem frühen Tode 1824 in Olevano und seiner Umgebung entstanden, ist diese aquarellierte wohl die bekannteste. Eine frühe und bedeutende künstlerische Reife führte ihn zu suggestiver Klarheit von Linien und Farben. Zusammen mit der zarten, transparenten Aquarellierung erbauen die scharfen Grate der Lineaturen eine gesteigerte Räumlichkeit, wie sie so kaum ein anderer Künstler in diesen Jahren erreichte. Horny ist ebenso fasziniert von den atmosphärischen Lichterscheinungen wie von den kubischen, aufsteigenden Hausformen. Anders als der noch zu vedutenhafter Überschau neigende Koch (vgl. im Online-Katalog: Joseph Anton Koch, Olevano mit dem Regenbogen) vermag er Naturanschauung zu plastischer Form zu überhöhen.

Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 378f., Nr. VII.26 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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