Logo

Klage der Malerei

Ident. Nr.: 9-1982

ObjID: obj:825994

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Cornelis Cort (1533),
Stecher*in
Federico Zuccari (ca. 1540 - 1609),
Inventor*in
Material / Technik
Kupferstich in zwei Teilen

Objektbeschreibung

Cornelis Cort ist einer der wichtigsten frühen Reproduktionsstecher. In seiner Person, nach 1565 für den Rest des Lebens nach Italien gegangen, sind die technische
Überlegenheit des niederländischen Kupferstichs und die Vorbildlichkeit der modernen italienischen Kunst kristallisiert. Cort war zunächst einer der bedeutendsten Stecher des Antwerpener Verlages Hieronymus Cock, arbeitete dann sowohl als wichtigster Tizianstecher im Veneto, als auch in Rom, wo er schließlich starb. Er ist der erste Stecher, der die dynamische Wirkung der an und abschwellenden gestochenen Linien konsequent zu nutzen weiß, so daß er beispielsweise auf eine die Form umschließende Konturlinie verzichten kann. Die Bedeutung dieser Technik der sogenannten Taillen für die Graphik kann kaum überschätzt werden. In ihr findet der Kupferstich des späteren 16. und des 17. Jahrhunderts seinen eigentümlichen Ausdruck und wird auch für die anderen graphischen Techniken vorbildlich.
Der großformatige, erst im Jahr nach Corts Tod publizierte Druck von zwei Platten reproduziert eine Komposition Federico Zuccaros, dessen Vorzeichnung zur oberen Platte in Düsseldorf bewahrt wird. Der Künstler-Theoretiker gibt mit seiner »gedankenüberfrachteten Darstellung« (E.Schaar) ein Beispiel des vollmundigen Ernstes künstlerischen Selbstverständnisses in der hohen Zeit des römisch-florentinischen Manierismus. In der Beischrift des zweiten Zustandes, von dem nur das von Bierens de Haan genannte Exemplar in den Uffizien bekannt ist, erläutert Zuccaro selbst den Inhalt, der sich im übertragenen Sinne gegen zeitgenössische Kritik an seiner Ausmalung der Florentiner Domkuppel richtet. Diese Erläuterung ist in den unserem Blatt beigegebenen Versen ausführlich paraphrasiert: In der unteren Hälfte sieht man den Maler bei der Arbeit. Ungeachtet der Hunde, die wild an seinem Gewand zerren, hat er die Augen fest auf die in einer Erscheinung auf ihn zutretenden Personifikation der Wahrheit gerichtet, die auf sein Gemälde weist, als sei sie dabei, ihm die Darstellung zu diktieren. In typisch manieristisch-gelehrter Weise entfaltet die Komposition ein nach oben zunehmend komplizierteres Spiel der Realitätsebenen und Sinnbezüge. Im Kreis der olympischen Götter klagen die als schöne Künste verstandenen Musen dem Göttervater ihr Leid. Zur Bekräftigung deutet Minerva auf ein großformatiges breit gerahmtes Bild das hinter den Musen erscheint und den Inhalt der Klage zeigt, nämlich die von Lastern beherrschte Fortuna, Personifikation des Schicksals. Empört befiehlt Juppiter die Vernichtung der Menschheit, die im unteren Teil des Gemäldes zu sehen ist, durch göttliches Feuer und Wasser und die Furien.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 184f., Kat. IV.24 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Der Sommer: Flusslandschaft mit Badenden

Während die Gemälde Avercamps, die deutlich in der um 1600 neu auflebenden Nachfolge Pieter Bruegels stehen, stets Winterlandschaften zeigen, in denen sich eine große Menge von Figuren auf dem Eis der zugefrorenen Kanäle erfreut, sind unter seinen Zeichnungen auch Kompositionen, die das Leben anderer Jahreszeiten spiegeln. Mit Wasserfarben bildmäßig durchgeführte Zeichnungen kann man sich als einen erschwinglichen Ersatz für die kostspieligeren Ölgemälde denken. Unser Blatt ist ein besonders großes und schönes Exemplar dieser Gattung. Trotz der gleichen Höhe und fast derselben Breite sowie dem komplementären Thema, kann keineswegs als gesichert angesehen werden, daß es sich bei der Zeichnung des Winters (KdZ 2230) um ein Pendant zu diesem Blatt handelt, zumal jene aus anderer Provenienz, nämlich der 1874 erworbenen Sammlung Suermondt stammt, dieses dagegen erst später erworben wurde.Das Wappen Amsterdams am Wirtshaus rechts legt die Uferszenerie in die Nähe der großen Stadt. Dort mischt sich das Landleben, wie es der Heuwagen, der Bauer mit dem Kalb und die Frau mit den Melkeimern repräsentieren, mit bürgerlich gekleideten Spaziergängern in steifem Hut, Halskrause und weiten Röcken; junge Leute haben sich ihrer Kleider entledigt um zu schwimmen; auf dem Wasser eine Bootspartie. Ungewöhnlich für Avercamp ist die vergleichsweise geringe Anzahl von Figuren. Diese Konzentration sowie der relativ niedrige Horizont sprechen für eine eher späte Datierung in die zwanziger Jahre. Mittel- und Hintergrund, die rechts durch die Uferstraße, links durch den Wasserlauf erschlossen werden, sind in erster Linie durch die Segel einer unwahrscheinlichen Anzahl von Schiffen bevölkert. Kirchtürme, Windmühlen und ein Galgen verleihen noch dem Horizont eine von menschlicher Präsenz belebte Atmosphäre. Die von Leben erfüllten Darstellungen sind geeignet, die in Quellen mehrfach belegte Behinderung Avercamps vergessen zu machen, der als Stummer menschlich relativ isoliert gewesen sein muß.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 206f., Kat. IV.53 (mit weiterer Literatur)