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Die Verkündigung

Ident. Nr.: KdZ 4053

ObjID: obj:826701

Details (Expert)

Beteiligte
Werkstatt: Dierick Bouts (1410 - 6.5.1475),
Zeichner*in
Datierung
Herstellung: 15. Jh.
Provenienz
Jeffrey Whitehead,
316073
Amsler & Ruthardt (Auktion Helbing),
bis 1897
Abmessungen
Blattmaß: 20,5 x 18,0 cm

Objektbeschreibung

Nachzeichnungen von Originalentwürfen zu scheiden ist ein Hauptproblem bei der Beurteilung von altniederländischen Zeichnungen. So fiel auch die Bewertung der Berliner Verkündigung unterschiedlich aus. Sie wurde dem großen Löwener Maler Dirk Bouts (um 1400-1475) zugeschrieben, seinem Sohn Albert Bouts und einem Nachfolger von Dirk, dem Meister des Rotterdamer Johannes auf Patmos, der am Ende des 15. Jahrhunderts tätig war. Die sorgfältige Ausführung spricht trotz der etwas trockenen Gewandbehandlung für einen Originalentwurf. Bei der Figur Marias, teilweise auch der des Engels, legte der Zeichner zunächst mit dem feinen Pinsel in lichtem Grün eine Skizze an, bevor er die Konturen mit dem Silberstift überging. Die Binnenmodellierung des knienden Engels führte er ganz mit dem Silberstift aus, Spuren einer Pinselvorzeichnung sind an der zum Segen erhobenen Hand sichtbar. Hinter dem Engel sind offenbar die Umrißlinien des Bettes eingetragen. Der von Rogier van der Weyden eingeführte Kompositionstyp mit der demutsvoll vor ihrem Betpult knienden Maria blieb bei Dirk Bouts und in seiner Nachfolge verbindlich.

Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 171, Kat. IV.4 (mit weiterer Literatur)

Letzte Aktualisierung: 15.12.2025

Kontakt

Einrichtung:

Kupferstichkabinett

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Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)