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Kaiser Karl V. (1500-1558)

Ident. Nr.: 556

ObjID: obj:862321

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Christoph Amberger (um 1505 - 1561),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1532
Weitere Titel
Sammlungstitel: Kaiser Karl V. (1500-1558)
Übersetzung: Portrait of Emperor Charles V. (1500-1558)
Geografische Bezüge
Augsburg,
Stadt
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Bildmaß: 67,2 x 50,7 cm

Objektbeschreibung

Das Bild zeigt Kaiser Karl V. (1500–58) als Halbfigur vor einer schmucklosen, violett-grauen Wand. Seine Hände ruhen auf einer roten Brüstung; in der Rechten,m die in einem feinen, durchbrochen gearbeiteten Handschuh steckt, hält Karl ein violett eingebundenes Buch, den Zeigefinger zwischen den Seiten, als hätte er seine Lektüre für einen Augenblick unterbrochen und würde nun den eben gelesenen Worten in Gedanken nachhängen. Den zweiten Handschuh hat er ausgezogen und hält ihn in der linken Hand, an der dadurch ein Goldring mit großem Diamanten sichtbar wird. Die Kleidung des Kaisers ist einfach und kostbar zugleich: Über einem fein plissierten weißen Hemd mit Stehkragen trägt er ein Wams aus einem dunklen, schimmernden Stoff, das an der Brust mit Goldstickereien verziert ist. Eine schwarze Schaube liegt über seinen Schultern; sie hebt seine Silhouette von dem hellen Hintergrund ab, bildet einen spannungsreichen Kontrast mit dem blassen Inkarnat und verleiht dem Dargestellten trotz seines gedankenverlorenen Blicks Präsenz und Gewicht. Zur privaten Wirkung des Bildnisses passt die für ein kaiserliches Porträt bemerkenswerte Schlichtheit. Anstatt einer Krone trägt der Kaiser ein schwarzes Barett, einige wenige goldene Verzierungen schmücken seine Kleidung. Um Karls Brust aber liegt die schwere Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, des exklusivsten Ritterordens der Zeit, dessen Vorsitz der Kaiser hatte. Über seinem Haupt erblickt man das kaiserliche Wappen sowie Karls persönliche Devise »plus oultre« (darüber hinaus) nebst den Säulen des Herkules, die wie kleine, Schatten werfende Reliefs an der Wand befestigt zu sein scheinen.

In seinem Zusammenspiel von Schlichtheit und Lebendigkeit ist das Gemälde ein bemerkenswertes Bildnis. Verschiedene Grau- und Rottöne klingen mit Schwarz und Weiß zusammen; die Rückwand wird vom Spiel des Lichts belebt. Zwar zeigen alle Porträts Karl mit offen stehendem Mund, der ebenso wie das überlange Kinn die Folge einer unter den Habsburgern verbreiteten Erbkrankheit war; allerdings setzt der Maler hier mit den rosafarbenen Lippen einen wohl dosierten Farbakzent, der dem Gesicht Leben einhaucht und den Eindruck erweckt, der Kaiser hebe zum Sprechen an. Auch der angespannte Daumen der auf dem Buch ruhenden Hand verrät Wachsamkeit. Hinter dem gedankenverlorenen Antlitz erahnt man einen lebendigen Geist, der sich dem Betrachter hier in einer recht persönlichen Darstellung zu erkennen gibt.

Karl V. wurde im Alter von sechs Jahren Herzog von Burgund, später König von Spanien, 1519 römisch-deutscher König und schließlich 1520 Kaiser. Die Aufschrift »AETATIS XXXII« über seinem Haupt gibt sein Alter an, woraus die Datierung des Gemäldes auf 1532 folgt. Auf der Rückseite der Tafel wird in zwei Inschriften aus dem 16. Jahrhundert der Augsburger Maler Christoph Amberger als Schöpfer des Werks genannt. 1532 weilte Karl V. auf der Reise nach Italien in Augsburg. Es wäre also denkbar, dass das Bildnis bei dieser Gelegenheit entstand. Christoph Amberger war einer der bedeutendsten Porträtmaler der Generation nach Dürer und war insbesondere für die wohlhabende Augsburger Bürgerschaft tätig. Svea Janzen | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: oben im Grund neben den Säulen des Herkules PLUSS OULTRE
oben im Grund unter dem Wappen AETATIS XXXII
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The painting shows a half-length portrait of Emperor Charles V (1500–58) in front of a plain, purplish grey wall. His hands are resting on a red parapet; in his right hand, enclosed in an elegant glove of open-work design, Charles is holding a book bound in purple, his index finger between the pages, as if he has stopped reading for a moment and is pondering the words he has just perceived. He has taken off the second glove and is holding it in his left hand, revealing a golden ring with a large diamond. The emperor’s clothes are plain yet sumptuous: over a finely pleated white shirt with a ruff collar, he is wearing a doublet made of a dark, shimmering material embellished with gold embroidery on the chest. The black cape over his shoulders highlights his silhouette against the light backround, forms an enthralling contrast to his pale complexion, lending the sitter presence and weight despite his pensive gaze. The simplicity of the likeness suggests a private portrait. Instead of a crown, the emperor is wearing a black beret, and his clothing is decorated with just a few gold embellishments. On Charles’ chest, however, lies the heavy chain of the Order of the Golden Fleece, the most exclusive order of knights at the time, of which the emperor was the sovereign. Above his head hangs the imperial coat of arms as well as Charles’ personal motto “plus oultre” (plus ultra) alongside the pillars of Hercules, which seem to be fixed to the wall like little reliefs casting shadows.

With its interplay of simplicity and vividness, the painting is a remarkable portrait. Various shades of grey and red harmonise with the black and white; the back wall is brought to life by the play of light. Although all portraits show Charles with an open mouth as well as an elongated chin, a consequence of a hereditary disease widespread among the Habsburgs, here the painter sets a subtle colour accent with his portrayal of the emperor’s pink lips. This brings the face to life and awakens the impression that the emperor is about to speak. The tense thumb of the hand resting on the book reveals that he is on his guard. Behind the face lost in thought, one suspects a lively spirit, conveyed to the viewer in this highly personal portrait.

Charles V became Duke of Burgundy at the age of six. Later he was King of Spain and from 1520 Holy Roman Emperor. The inscription “AETATIS XXXII” above his head gives away his age and allows the painting to be dated to 1532. Two 16th-century inscriptions on the back of the panel identify the Augsburg painter Christoph Amberger as the author of the work. Charles V spent some time in Augsburg on a journey to Italy in 1532, so it is conceivable that the portrait was done on that occasion. Christoph Amberger was one of the most important portrait painters of the post-Dürer generation and worked above all for wealthy Augsburg burghers. Svea Janzen |200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 23.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. 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Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. 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