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Bildnis Christoph Willibald Gluck

Ident. Nr.: 1960

ObjID: obj:862450

Details (Expert)

Beteiligte
Jean-Antoine Houdon (20.3.1741),
Bildhauer*in
Datierung
nach 1777
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis Christoph Willibald Gluck
Replik einer Marmorbüste
Geografische Bezüge
Entstehungsort stilistisch: Frankreich
Material / Technik
Gips, gefaßt
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 88 x 66 x 42 cm
Durchmesser: 27 cm (Plinthe)
Gewicht: 34,5 kg

Objektbeschreibung

Jean-Antoine Houdon, der zu Recht als der Bildhauer der Aufklärung genannt wird, hat wie kein zweiter Künstler das Porträt des ausgehenden 18. Jahrhunderts geprägt. In zahlreichen Büsten hat er die Erscheinung und das Wesen seiner Zeitgenossen auf eindrücklichste Weise überliefert. Unter ihnen finden sich bedeutende französische Philosophen wie Voltaire (1694-1778), Denis Diderot (1713-1784) und Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), aber auch Adlige, Künstler und Politiker gehörten zu seiner Klientel, darunter die Zarin Katharina die Große (1729-1796), der um die Unabhängigkeit kämpfende Minister Benjamin Franklin (1706-1790) sowie der erste Präsident der Vereinigten Staaten George Washington (1732-1799). Die von Houdon geschaffenen Porträts fesseln durch ihre unmittelbare Lebendigkeit, die in ihrer schonungslosen Realitätstreue den Charakter der dargestellten Persönlichkeit erfassen.
Auch in dem Porträt des deutschen Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714-1787), der bedeutendste musikalische Neuerungen einführte und mit seiner Oper Iphigenie auf Tauris (1774) in Paris triumphierte, lässt sich diese Lebensnähe beobachten. In der Büste Glucks brach Houdon radikal mit den geschmacklichen Konventionen des Ancien Régime, in dem er die Physiognomie des Komponisten in einen ungeschönten Realismus darstellte. Houdon scheute sich nicht, selbst die pockennarbige Entstellung des Gesichtes zu zeigen. Nicht die Idealisierung, sondern die rigorose Erfassung der Wirklichkeit war das Ziel seiner Kunst. Mit zersaustem Haar und offenem Hemd stellte Houdon den Komponisten als Genie vor, dessen wacher, herausfordernder Blick den unabhängigen charakter des Dargestellten offenbart.
Von der Büste existierte eine Marmorversion, die im Juni 1776 von begeisterten Anhängern des Komponisten für das Foyer der Pariser Oper in Auftrag gegeben wurde, jedoch 1873 einem feuer zum Ofer fiel. Von dem Werk wurden mehrere Versionen in Gips und terrakotta hergestellt.

Letzte Aktualisierung: 04.09.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.