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Christus am Kreuz zwischen den beiden Schächern

Ident. Nr.: 638D

ObjID: obj:862630

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Albrecht Altdorfer (ca. 1480 - 1538),
Maler*in
Weitere Titel
Sammlungstitel: Christus am Kreuz zwischen den beiden Schächern
Übersetzung: Christ on the Cross between the two Thieves
Geografische Bezüge
Material / Technik
Lindenholz
Abmessungen
Bildmaß: 28,6 x 20,8 cm

Objektbeschreibung

Auf einem flachen Hügel inmitten einer weiten Landschaft ragen die drei Kreuze auf. Hinter der Bodenerhebung zieht sich eine von Büschen und Bäumen bewachsene Ebene hin. Wege schlängeln sich durch Wiesen, in der Ferne erkennt man Dörfer und Burgen. Nach rechts hin liegt ein größeres Gehöft, dann senkt sich das Gelände zu einem See oder Meer, an dessen Ufer sich eine Stadt mit Türmen ausbreitet. Schroff aufragende Berge, eisig und zerklüftet, ziehen sich in mehr und mehr verblauenden Ketten hin zum Horizont. Über dem Gebirge liegt rosenfarbiges Gewölk, gelb-weiß bricht noch einmal Sonnenlicht hindurch, darüber lasten schwärzlich finstere Wolken. An den Kreuzen hängen drei Tote. Der Tag der Hinrichtung ist zu Ende, die Zuschauer haben den Richtplatz verlassen. Einzelne Gestalten erkennt man noch auf den Wegen in der Ferne. Auch die eigentlich Leidtragenden sind aufgebrochen. Johannes führt Maria und eine Trauernde hinweg, begleitet von dem gesprächig gestikulierenden Joseph von Arimathia. Nikodemus und ein Knecht legen die Leiter ans Kreuz, um Christus abzunehmen. Von allen verlassen sitzt auf einem Erdhaufen im Vordergrund Maria Magdalena. Sie kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Ein Salbgefäß mit Leinwandbinden steht vor ihr auf dem Boden. Den Kopf stützt sie in die Hand, ein Gestus der Trauer und Melancholie. Das furchtbare Ereignis des Tages, der Schrecken der Todesstunde spiegelt sich in der Trostlosigkeit dieser verlassenen Gestalt. Die Finsternis, die in der Todesstunde das ganze Land bedeckt, wird nun gleichsam zu Wolken der Nacht, die heraufziehen, ehe das Abendlicht völlig erlischt. In der dramatischen Beleuchtung des Himmels klingt das Geschehen gleichsam noch einmal an. Vom Üblichen weicht diese Erzählung der Kreuzigung in sehr persönlicher Weise ab. Die Melancholie nach der Todesstunde, die Trauer um Christus, wird zum eigentlichen Thema des Andachtsbildes. Mehrere Kopien zeigen, daß die Darstellung Bewunderer gefunden hat. Das Gemälde ist unten in der Mitte mit dem Monogramm AA signiert, aber nicht datiert. Stilistisch hängt es mit einer anderen Kreuzigungsdarstellung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von 1526 zusammen. Es ist also wohl um oder bald nach 1526 einzuordnen. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten auf einem Felsen am Bildrand Mitte rechts: AA (verbunden)
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On a mound amid a broad landscape, three crosses loom. Beyond it, a plain with bushes and trees stretches out. Paths wind through the meadows, and villages and castles can be seen in the distance. To the right is a larger farmstead behind which the land slopes down to a lake or sea. A city with towers stretches along its shores. Icy, craggy mountains extend towards the horizon, each range bluer than the last. The yellow-white sunlight breaks through the pink sky over the mountains. Above it hang sinister, black clouds.

Three dead men hang on the crosses. The day of the execution has passed, the onlookers have left the site of the execution. A few people can still be seen walking along the paths in the distance. Even the mourners are leaving. John leads Mary and another mourner away, accompanied by a gesticulating Joseph of Arimathia. Nicodemus and a servant prop a ladder against the cross in order to bring Christ down. Abandoned by everyone, Mary Magdalene sits on a knoll in the foreground, her back turned to the viewer. A jar of ointment with linen bandages stands on the ground in front of her. She is leaning her head on her hand in a gesture of grief and melancholy. The terrible events of the day, the horror of the hour of death are reflected in the despair of this abandoned figure. The darkness that covered the whole country in the hour of death now becomes the clouds of the night sky, looming before the evening light is completely extinguished. The events of the day are echoed in the dramatic illumination of the heavens.

Here the crucifixion story deviates from the usual narrative in a highly personal way. The actual theme of the votive image is the melancholy following the hour of death and the mourning of Christ. There are several copies of the painting, indicating that it was admired. It is signed in the middle at the bottom with the monogram “AA”, but not dated. In terms of style, it has much in common with another portrayal of the Crucifixion in the Germanisches Nationalmuseum in Nuremberg dated 1526. It was thus most probably painted around or soon after 1526. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019