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Die Madonna mit der heiligen Barbara und dem Kartäuser Jan Vos / Exeter-Madonna

Ident. Nr.: 523B

ObjID: obj:862730

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Petrus Christus (um 1410/20 - um 1475),
Maler*in
Bestellung: Jan de Vos (15. Jahrhundert),
Dargestellt
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Madonna mit der heiligen Barbara und dem Kartäuser Jan Vos / Exeter-Madonna
Die Madonna mit der heiligen Barbara und dem Kartäuser Jan Vos
Exeter-Madonna
Übersetzung: The Madonna with Saint Barbara and the Carthusian Jan Vos (so-called Exeter Madonna)
Geografische Bezüge
Brügge,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 21,3 x 15,3 x 0,7 cm

Objektbeschreibung

In einer luftigen Halle, die auf einer Anhöhe hoch über der Stadt gelegen ist, zeigt sich die Jungfrau Maria mit ihrem Sohn. Vor ihr kniet ein Kartäusermönch im weißen Ordenskleid und betet zur Mutter und ihrem göttlichen Kind, das sein rechtes Händchen segnend zu dem Geistlichen ausstreckt, während er in der linken eine kristallene Weltkugel hält – das kleine, zerbrechlich wirkende Kind ist der Herr der Welt, die sich, in winzigem Maßstab, weit in die Tiefe des Hintergrunds ausdehnt.
Links der Halle steht die heilige Barbara und empfiehlt den Kartäuser der Aufmerksamkeit der Muttergottes und ihres Sohns; Barbara hält eine Märtyrerpalme in ihrer rechten Hand und fasst mit der linken ihr Attribut, einen Turm mit drei Fenstern als Zeichen der Dreifaltigkeit.

Bei dem betenden Mönch handelt es sich um Jan Vos, der in den 1430er-Jahren in Utrecht in den Kartäuserorden eintrat, dann von 1441 bis 1450 als Prior der Kartause Genadedal bei Brügge vorstand, anschließend jedoch wieder in die Kartause Nieuwlicht bei Utrecht zurückkehrte, wo er 1462 starb. Kurz nach seiner Ankunft in Genadedal hatte Vos bei Jan van Eyck in Brügge eine mittelgroße Altartafel der Madonna mit den Heiligen Barbara und Elisabeth in Auftrag gegeben. Jan van Eyck kann sie kurz vor seinem Tod im Juni 1441 vielleicht noch begonnen haben, doch wurde sie zum größten Teil von Werkstattmitarbeitern ausgeführt; das Werk ist erhalten geblieben und befindet sich heute in der Frick Collection in New York. Dieses Gemälde wurde im Jahr 1443 in Genadedal von Bischof Martin von Mayo geweiht und mit einem Ablass von 40 Tagen versehen, den man durch das Gebet zu den dargestellten Heiligen erlangen konnte. Jan Vos nahm diese heilswirksame Tafel im Jahr 1450 mit nach Utrecht, wo sie in der Kirche des Kartäuserklosters aufgestellt wurde. Etwa um dieselbe Zeit muss sich Jan Vos auch mit einem Auftrag an Petrus Christus gewandt haben. Er bestellte bei ihm das heute in Berlin befindliche kleine Gemälde, das die linke Hälfte der größeren, mit Ablass versehenen Madonnentafel frei kopiert; die Gestalt des knienden Vos stimmt in beiden sogar bis ins Detail überein. Die beiden so unterschiedlich großen Tafeln, die größere misst mit 48 × 62 cm gut das Zehnfache der Fläche des Berliner Stücks, sollten ohne Zweifel unterschiedlichen Zwecken dienen: Während die größere Tafel einen Altar schmückte und für Ablass sorgen konnte, dürfte das kleine Gemälde für den privaten Gebrauch des Jan Vos gedacht gewesen sein, denn die Kartäuser lebten zurückgezogen in ihren Zellen, in denen sie häufig kleine, für die Andacht bestimmte Bilder aufbewahrten.

Petrus Christus war nach dem Tod Jan van Eycks zum führenden Maler in Brügge aufgestiegen. In gewisser Weise pflegte er das van Eyck’sche Erbe, wenngleich er vermutlich nicht der Schüler Jans gewesen war. In Vos’ kleinem Berliner Gemälde folgte er nicht allein einem Vorbild aus dem Eyck-Atelier, sondern er nahm auch für die minutiöse Ausführung und die wunderbare Hintergrundlandschaft Maß an seinem berühmten Brügger Vorgänger. Insbesondere die Landschaft unter kühlem, hohem Himmel, die auf wenigen Quadratzentimetern den Eindruck einer gewaltigen Erstreckung vermittelt, ist eine Meisterleistung von Petrus Christus: Betrachtet man sie aus nächster Nähe, kann man die lebendigsten, kaum millimetergroßen Einzelheiten ausmachen: Eine Windmühle mit einem Esel davor, Waschfrauen, die Laken auf einer Wiese ausbreiten, Läden, Reiter, Menschen in Booten und vieles mehr. Ganz seinen eigenen Weg ging Petrus Christus zudem in der Farbgebung, die hier, wie oftmals in seinen Werken, durch den tiefen Akkord von dunklen Rotvariationen, Blau- und Grüntönen geprägt ist. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Appearing in an airy hall that is set on an elevation high above the town is the Virgin Mary with her son. Kneeling before her in the white dress of the order is a Carthusian monk who prays to the mother of God and the divine child, whose right hand is raised to bless the ecclesiastic, his left holding a crystal globe – this small, seemingly delicate child is the Lord of the World that stretches out – on a tiny scale – into the depths of the background behind him. Standing on the left is Saint Barbara, who recommends the Carthusian to the attention of the Mother of God and her son; Barbara holds a palm of martyrdom in her right hand, using the left to grasp her attribute, a tower with three windows that symbolise the Holy Trinity.

The praying monk is Jan Vos, who entered the Carthusian Order in Utrecht during the 1430s, and then presided as prior over the Charterhouse of Genadedal near Bruges from 1441 until 1450 before returning to the Charterhouse of Nieuwlicht near Utrecht, where he died in 1462. Following his arrival in Genadedal, Vos commissioned a medium-sized altar panel with the Madonna and Saints Barbara
and Elisabeth from Jan van Eyck in Bruges. Jan van Eyck may have begun work on the altar prior to his death in June of 1441, but it was executed for the most part by workshop assistants; the work has survived, and is found today in the Frick Collection in New York (fig. left). This panel was consecrated in Genadedal in the year 1443 by Bishop Martin of Mayo and granted an indulgence of 40 days, which could be acquired by praying to the depicted saints. Astonishingly, however, Jan Vos
took the salvific panel along when he returned to Utrecht in 1450, where it was set up in the church of the Carthusian monastery, just as it had been earlier in Bruges. Jan Vos must have turned to Petrus Christus with a commission around the same time. From Christus, he ordered the small painting now found in Berlin, which freely copies the left half of the larger panel of the Madonna, which granted indulgences; the kneeling figures of Vos correspond very closely, even down to details. These two
panels, so different in size (the larger, which measures 48 × 62 cm, is approximately
10 times larger than the Berlin panel), doubtless served very different purposes: while the larger panel may have decorated an altar and provided indulgences, the small painting must have been intended for the private use of Jan Vos himself, for the Carthusians lived in seclusion in their cells, where they often kept small images intended for private devotion.

After the death of Jan van Eyck, Petrus Christus attained the status of the leading painter in Bruges. Although he is not regarded as a probable student of Jan’s, he did in a sense preserve van Eyck’s legacy. In Vos’s little painting now in Berlin, he did not simply rely upon the model created in Eyck’s studio, but also vied with his celebrated predecessor in Bruges with respect to the minutely detailed execution and marvellous background landscape. In particular, the landscape – set beneath
a cool, open sky, which conveys an impression of enormous expansiveness in just a few square centimetres – represents a tour de force by Petrus Christus: a view at close range reveals the almost lifelike vignettes, none more than millimetres in size: a windmill with a donkey standing in front of it; washerwomen spreading out linen on a meadow; shops; horsemen; people in boats; and much more besides. With regard to the colour too, Petrus Christus travelled his own path; here, as so often in his works, the palette is characterised by a deep chord of dark red variations and blue and green tones. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019