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Der Maler mit seiner Familie

Ident. Nr.: 857

ObjID: obj:862746

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: David Teniers (der Jüngere) (1610 - 1690),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1650
Weitere Titel
Sammlungstitel: Der Maler mit seiner Familie
Übersetzung: The Painter and his Family
Geografische Bezüge
Flandern,
Region
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 41,3 x 60,3 cm

Objektbeschreibung

Das Berliner Bild "Der Maler mit seiner Familie" nimmt innerhalb der Selbstbildnisse des David Teniers d.J. eine besondere Stellung ein. Zum einen handelt es sich hierbei um eine ungewöhnliche Form des Familienbildnisses, zum anderen aber existiert eine zweite, kleinere Fassung der Darstellung, die der Maler selbst ausführte. Bis auf diese eine Ausnahme ist kein weiterer Fall einer derartigen eigenhändigen Wiederholung bekannt. Zudem handelt es sich bei dem Berliner Werk um das wohl bekannteste Selbstporträt dieses flämischen Malers.
Teniers präsentiert sich und seine Familie hier musizierend vor einer reich gegliederten Portalarchitektur mit Balustrade, auf der ein Äffchen vor einem Rosenstrauch posiert. Teniers selbst sitzt Bassgambe spielend an einem Tisch zusammen mit seiner Frau Anna Brueghel und seinem Sohn David, die beide Liederbücher in den Händen halten. Ihnen gegenüber steht ein kleiner Page mit Krug und Weinglas. Im Türrahmen lehnt ein weiterer Mann mit Hut und Mantel. Rechts öffnet sich der Blick über ein stilles Wasser hin zu einem Ufer mit einer von Bäumen umstandenen Dorfkirche während als Bezugspunkt dazu im Vordergrund auf der Terrasse ein kostbarer Weinkühler mit Flaschen steht. Ausstattung und Ambiente des Terrassenbereichs sowie die vornehme Kleidung der Familie des Künstlers weisen deutlich auf einen gehobenen Lebensstil hin. Aufgrund von nachgewiesenen Bildnissen sind sowohl David Teniers als auch seine Frau Anna Brueghel, Tochter des Antwerpener Malers Jan Brueghel d. Ä., sicher zu identifizieren. Bei dem zwischen ihnen sichtbaren Kind handelt es sich um Teniers ältesten Sohn David, der 1638 geboren und später ebenfalls Maler wurde. Eine mögliche Identifizierung der restlichen Dargestellten ist indes nicht möglich.
Außergewöhnlich für Teniers Oeuvre ist die Existenz einer weiteren eigenhändigen, nahezu identischen Fassung des Familienbildnisses im Hochformat, welche sich heute in Privatbesitz befindet. Im Unterschied zu dem Berliner Bild weist diese das Motiv einer Lautenspielerin, die in Rückenansicht vor dem Tisch steht, auf. Wie technische Aufnahmen belegen, war eine entsprechende Gestalt zunächst auch auf dem Berliner Gemälde ausgeführt, wurde dann jedoch übermalt und durch die über die Balustrade gebreitete Draperie und das Musikstilleben auf dem Tisch ersetzt. Damit eliminierte man das die beiden Figurengruppen verbindende Bildelement, welches auch eine wichtige räumliche Gliederung erzeugte, indem es den Kreis der Musizierenden schloss. Die Gründe für derart eingreifende Überarbeitungen sind heute nicht mehr bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Übermalungen nicht von Teniers selbst stammen und noch vor 1747 durchgeführt worden sein müssen.
Lange Zeit wurde das Berliner Bild, aufgrund des geschätzten Alters von Teniers dargestelltem Sohn, auf die Zeit um 1645/46 datiert. Mittlerweile geht man jedoch davon aus, dass das Berliner Bild erst einige Jahre nach der ersten, im Hochformat angefertigten Fassung entstanden sein dürfte. Diese Annahme gründet sich auf eine stilistische Beurteilung des Berliner Gemäldes, welche eine Entstehung erst um 1650 wahrscheinlich macht. Der Grund für die Anfertigung dieser späten, gleichwohl identischen Fassung könnte in der Verwendung der ersten Version als festem Bestandteil zu einem Möbelstück liegen. Laut einem Inventar aus dem Jahr 1671 diente die erste Version ursprünglich als Verzierungselement in einem Kabinett- oder Schreibschrank und befand sich im Besitz von Teniers ältestem Sohn David. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: am Fuß des Tisches Monogramm DT. F.
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The Berlin picture The Painter and His Family occupies a special position amongst the self-portraits painted by David Teniers the Younger. Firstly, it is an unusual type of family portrait, and secondly, the artist also painted a second, smaller version of the picture. This is believed to be the only copy painted by the artist. Also, the Berlin painting is probably the most widely known self-portrait of this Flemish painter.

Teniers portrays himself and his family playing musical instruments on a terrace with elaborately carved stone and a balustrade on which a small monkey perches in front of a rosebush. Teniers is seated, playing a bass viola, at a table with his wife, Anna Brueghel, and his son David, both of whom are holding songbooks in their hands. A young page is standing opposite to them holding a jug and a wine glass. Another man with a hat and coat is leaning in the door frame. On the right the view opens over a still expanse of water to a bank with a village church surrounded by trees; in the foreground on the terrace a costly wine cooler with bottles acts as a point of reference. The furnishings and ambience of the terrace, and the elegant clothing of the artist’s family clearly indicate a genteel lifestyle. Based on documented portraits, both David Teniers and his wife Anna Brueghel, daughter of the Antwerp painter Jan Brueghel the Elder, can be identified with certainty. The child visible between them is Tenier’s eldest son David, who was born in 1638 and later also became a painter. The remaining sitters have not been identified.

What is unusual for Teniers’ oeuvre is the existence of a second signed and practically identical version of the family picture, but in portrait format. The picture, which is privately owned (fig. left), was probably produced 1644/45. Unlike the Berlin painting, this one shows a female lute player standing in front of the table with her back to the viewer. Technical photographs reveal that a corresponding figure was initially included in the Berlin painting, but was then painted over and replaced by the drapes on the balustrade and the musical still-life on the table. This eliminated a pictorial element that connected the two groups of figures, an element which also created an important spatial division by closing the two groups of musicians. It is not known why such a key element was removed. However, it is clear that the figure was not covered up by Teniers himself and that it was done before 1747.

For a long time the Berlin painting was dated to around 1645/46 on account of the assumed age of Teniers’ son. Now, however, it is assumed that the Berlin picture was painted a few years after the first, portrait-format version. This hypothesis is based on a stylistic evaluation of the Berlin painting, which puts the probable date of origin at around 1650. The reason for the production of a later, nearly identical version could be that the first picture was an integral part of a piece of furniture. According to inventory records from 1671, the first version was originally used as a decorative panel in a cabinet or desk and was owned by Teniers’ eldest son, David. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 01.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. 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According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019