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Ugolino Martelli

Ident. Nr.: 338A

ObjID: obj:862782

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Agnolo Bronzino (1503 - 1572),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1536 - 1537
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ugolino Martelli
Übersetzung: Portrait of Ugolino Martelli
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 101,8 x 85,1 cm

Objektbeschreibung

Bronzino, von 1522 bis 1526 Schüler von Pontormo und noch in den 30er Jahren sein Mitarbeiter, seit 1539/40 Hofmaler des Herzogs Cosimo I. de’ Medici, war wohl der bedeutendste Porträtmaler des Florentiner Manierismus. Nach der Belagerung von Florenz durch die kaiserlichen Truppen ging er für eineinhalb Jahre (1530-32) an den Hof des Herzogs von Urbino. Die Florentiner Jahre, die zwischen seiner Rückkehr 1532 und der Machtübernahme Cosimos 1537 bzw. dessen Heirat mit Eleonora von Toledo 1539 liegen, bilden eine Phase des Übergangs und der Konsolidierung seiner Stellung und Karriere.

Im Gegensatz zu den Angaben Vasaris, der eine ganze Reihe von Porträts erwähnt, die in diesen Jahren entstanden, sind nur relativ wenige davon erhalten. Die meisten verdanken sich seiner schon in den späten 20er Jahren begründeten Freundschaft mit dem Literaten und Philosophen Benedetto Varchi, zu dessen Kreis sich Bronzino als Dichter von Sonetten hingezogen fühlte. Zu den bedeutendsten dieser Porträts gehört das Bildnis des jungen Ugolino Martelli (1519-1592), Sohn des Luigi di Luigi Martelli und der Margherita Soderini, den Bronzino im Alter von etwa achtzehn Jahren um 1536/37 in Florenz porträtierte, kurz bevor er Varchi 1537 ins Exil nach Padua folgte, wo er bis 1542 blieb, studierte und bei Varchi wohnte. Dieser machte ihn mit dem berühmten, in Padua lebenden Dichter Monsignor Pietro Bembo bekannt, mit dem er schon von Florenz aus korrespondiert hatte und der im Sprachenstreit jener Jahre für den Gebrauch des Volgare in der Dichtkunst eintrat.

Ugolino beschäftigte sich mit Philosophie, Poetik, Rhetorik und vor allem mit Sprachen – Griechisch, Lateinisch und der Volkssprache der Toskana, dem Volgare. Er schrieb Sonette, und schon 1537 zählte Pietro Aretino ihn zu den berühmtesten Gelehrten und Dichtern Italiens. Im gleichen Jahr erwarb er sich die Wertschätzung und Freundschaft Annibale Caros. In Padua spielte er eine wichtige Rolle in der 1540 gegründeten Accademia degli Infiammati. Von seinen Eltern war er für die geistliche Laufbahn bestimmt und wurde später Bischof von Glandèves in Südfrankreich.

In ein hoch geschlossenes grauschwarzes Gewand mit engen, geschlitzten Beinkleidern gekleidet, ein flaches schwarzes Barett tragend, sitzt Ugolino im Hofe des väterlichen, von Domenico d’Agnolo erbauten Palastes neben einem Steintisch, dessen zur Seite gerafftes grünes Tischtuch die rosafarbene Tischplatte freigibt, unter der die Formen eines Greifen sichtbar sind, des Wappentiers der Familie. Auf dem Tisch liegt aufgeschlagen ein Buch mit Auszügen aus dem neunten Gesang der Ilias des Homer, ganz links am Rand und von diesem überschnitten ein geschlossenes Buch, eine Virgilausgabe, wie die Buchstaben (Publius Vergilius) »MARO« verdeutlichen. Mit der linken Hand hält er lässig auf den Knien ein blau gebundenes Buch, das durch die Inschrift »m. P. BEMBO« als Werk des schon erwähnten zeitgenössischen Dichters ausgewiesen ist. Die von Antonio oder Bernardo Rossellino geschaffene Marmorstatue des David Martelli, die ehemals als Werk Donatellos galt, befindet sich heute in Washington (National Gallery of Art). Wie das Röntgenbild zeigt, war sie in Bronzinos Bild ursprünglich sehr viel größer angelegt und auch ausgeführt.

Die Haltung des neben dem Tisch sitzenden, aber mit den Beinen vom Tisch abgewandten, durch eine Drehung des Oberkörpers ins Frontale gewendeten Jünglings ist eine höchst artifizielle, stilisierte Pose, die vor allem von Porträts Pontormos und Andrea del Sartos angeregt wurde. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Kante der Tischplatte: BRONZO FIORENTINO; auf dem Tisch links am Buchschnitt: (PVBLIVS VERGILIVS) MARO; im aufgeschlagenen Buch in griechischer Schrift der Beginn des 9. Gesangs von Homers Ilias. Auf dem Einband des Buchs in der Linken Martellis: M.P./BEMBO
_____________________________

Bronzino, who studied with Pontormo from 1522 until 1526 and remained his assistant well into the 1530s, since 1539/40 court painter of Cosimo I de’ Medici, was probably the most important portrait painter of Florentine Mannerism. After the siege of Florence by imperial troops, he spent a year and a half (1530–32) at the court of the Duke of Urbino. The Florentine years – which ran from his return in 1532 and Cosimo’s assumption of power in 1537 and his marriage to Eleonora of Toledo in 1539 – represented a phase of transition, and saw the consolidation of his position and career.

Although Vasari tells us that Bronzino produced an extensive series of portraits during this period, relatively few have survived. Most of these are owed to his friendship, inaugurated in the late 1520s, with the literary figure and philosopher Benedetto Varchi, toward whose circle Bronzino – as a composer of sonnets – felt drawn. Among the most important portraits is a likeness of the young Ugolino Martelli (1519–92), the son of Luigi di Luigi Martelli and Margherita Soderini, who Bronzino portrayed in Florence around 1536–37 at an age of approximately 18 years, shortly before Ugolino followed Varchi into exile in Padua in 1537, where he remained until 1542, studying and living with Varchi. Through Varchi, Ugolino became acquainted with the celebrated poet Monsignor Pietro Bembo, then living in Padua, with whom he had already corresponded from Florence, and who – in the context of the language dispute of those years – advocated the use of the volgare (vernacular) in the art of poetry.

Ugolino was preoccupied with philosophy, poetics, rhetoric, and in particular languages – Greek, Latin, and the vernacular tongue of Tuscany, the volgare. He composed sonnets, and was regarded by Pietro Aretino as early as 1537 to be one of the most celebrated savants and poets in all of Italy. That same year, he also earned the esteem and friendship of Annibale Caro. In Padua, he played an important role in the Accademia degli Infiammati, founded in 1540. His parents planned an ecclesiastical career for him, and he later became the Bishop of Glandèves in southern France.

Wearing a high-necked, grey-black garment with tightfitting, slit trousers, along with a flat black beret, Ugolino is seated next to a stone table in the courtyard of his father’s palace, built by Domenico d’Agnolo; the green tablecloth has been shifted to one side, exposing the pink tabletop, below which the figure of a griffon – the family’s heraldic animal – is visible. Lying open on the table is a volume containing excerpts from the ninth book of Homer’s Iliad; at the far left, cut off by the edge of the picture, is a closed book, an edition of Virgil (Publius Vergilius Maro), as indicated by the letters “MARO”. Held casually on his knee with his left hand is a blue-bound book, whose inscription – “m. P. BEMBO” – identifies it as a work of the above-mentioned contemporary poet. The marble statue of David, the work of either Antonio or Bernardo Rossellino, and formerly attributed to Donatello, is found today in the National Gallery of Art in Washington D. C. X-ray images have revealed that originally, it was planned and executed out in larger dimensions in this portrait by Bronzino.

The attitude and pose of this young man, who sits alongside a table with his legs turned away from it, rotating his upper body to face the viewer frontally, are highly artificial and stylized in a way that would have been inspired in particular by the portraits of Pontormo and Andrea del Sarto. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 23.06.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)