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Ugolino Martelli

Ident. Nr.: 338A

ObjID: obj:862782

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Agnolo Bronzino (1503 - 1572),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1536 - 1537
Weitere Titel
Sammlungstitel: Ugolino Martelli
Übersetzung: Portrait of Ugolino Martelli
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 101,8 x 85,1 cm
Erwerbung
1877/78 Ankauf aus der Sammlung Principe Ferdinando Strozzi, Palazzo Strozzi, Florenz

Objektbeschreibung

Bronzino, von 1522 bis 1526 Schüler von Pontormo und noch in den 30er Jahren sein Mitarbeiter, seit 1539/40 Hofmaler des Herzogs Cosimo I. de’ Medici, war wohl der bedeutendste Porträtmaler des Florentiner Manierismus. Nach der Belagerung von Florenz durch die kaiserlichen Truppen ging er für eineinhalb Jahre (1530-32) an den Hof des Herzogs von Urbino. Die Florentiner Jahre, die zwischen seiner Rückkehr 1532 und der Machtübernahme Cosimos 1537 bzw. dessen Heirat mit Eleonora von Toledo 1539 liegen, bilden eine Phase des Übergangs und der Konsolidierung seiner Stellung und Karriere.

Im Gegensatz zu den Angaben Vasaris, der eine ganze Reihe von Porträts erwähnt, die in diesen Jahren entstanden, sind nur relativ wenige davon erhalten. Die meisten verdanken sich seiner schon in den späten 20er Jahren begründeten Freundschaft mit dem Literaten und Philosophen Benedetto Varchi, zu dessen Kreis sich Bronzino als Dichter von Sonetten hingezogen fühlte. Zu den bedeutendsten dieser Porträts gehört das Bildnis des jungen Ugolino Martelli (1519-1592), Sohn des Luigi di Luigi Martelli und der Margherita Soderini, den Bronzino im Alter von etwa achtzehn Jahren um 1536/37 in Florenz porträtierte, kurz bevor er Varchi 1537 ins Exil nach Padua folgte, wo er bis 1542 blieb, studierte und bei Varchi wohnte. Dieser machte ihn mit dem berühmten, in Padua lebenden Dichter Monsignor Pietro Bembo bekannt, mit dem er schon von Florenz aus korrespondiert hatte und der im Sprachenstreit jener Jahre für den Gebrauch des Volgare in der Dichtkunst eintrat.

Ugolino beschäftigte sich mit Philosophie, Poetik, Rhetorik und vor allem mit Sprachen – Griechisch, Lateinisch und der Volkssprache der Toskana, dem Volgare. Er schrieb Sonette, und schon 1537 zählte Pietro Aretino ihn zu den berühmtesten Gelehrten und Dichtern Italiens. Im gleichen Jahr erwarb er sich die Wertschätzung und Freundschaft Annibale Caros. In Padua spielte er eine wichtige Rolle in der 1540 gegründeten Accademia degli Infiammati. Von seinen Eltern war er für die geistliche Laufbahn bestimmt und wurde später Bischof von Glandèves in Südfrankreich.

In ein hoch geschlossenes grauschwarzes Gewand mit engen, geschlitzten Beinkleidern gekleidet, ein flaches schwarzes Barett tragend, sitzt Ugolino im Hofe des väterlichen, von Domenico d’Agnolo erbauten Palastes neben einem Steintisch, dessen zur Seite gerafftes grünes Tischtuch die rosafarbene Tischplatte freigibt, unter der die Formen eines Greifen sichtbar sind, des Wappentiers der Familie. Auf dem Tisch liegt aufgeschlagen ein Buch mit Auszügen aus dem neunten Gesang der Ilias des Homer, ganz links am Rand und von diesem überschnitten ein geschlossenes Buch, eine Virgilausgabe, wie die Buchstaben (Publius Vergilius) »MARO« verdeutlichen. Mit der linken Hand hält er lässig auf den Knien ein blau gebundenes Buch, das durch die Inschrift »m. P. BEMBO« als Werk des schon erwähnten zeitgenössischen Dichters ausgewiesen ist. Die von Antonio oder Bernardo Rossellino geschaffene Marmorstatue des David Martelli, die ehemals als Werk Donatellos galt, befindet sich heute in Washington (National Gallery of Art). Wie das Röntgenbild zeigt, war sie in Bronzinos Bild ursprünglich sehr viel größer angelegt und auch ausgeführt.

Die Haltung des neben dem Tisch sitzenden, aber mit den Beinen vom Tisch abgewandten, durch eine Drehung des Oberkörpers ins Frontale gewendeten Jünglings ist eine höchst artifizielle, stilisierte Pose, die vor allem von Porträts Pontormos und Andrea del Sartos angeregt wurde. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Kante der Tischplatte: BRONZO FIORENTINO; auf dem Tisch links am Buchschnitt: (PVBLIVS VERGILIVS) MARO; im aufgeschlagenen Buch in griechischer Schrift der Beginn des 9. Gesangs von Homers Ilias. Auf dem Einband des Buchs in der Linken Martellis: M.P./BEMBO
_____________________________

Bronzino, who studied with Pontormo from 1522 until 1526 and remained his assistant well into the 1530s, since 1539/40 court painter of Cosimo I de’ Medici, was probably the most important portrait painter of Florentine Mannerism. After the siege of Florence by imperial troops, he spent a year and a half (1530–32) at the court of the Duke of Urbino. The Florentine years – which ran from his return in 1532 and Cosimo’s assumption of power in 1537 and his marriage to Eleonora of Toledo in 1539 – represented a phase of transition, and saw the consolidation of his position and career.

Although Vasari tells us that Bronzino produced an extensive series of portraits during this period, relatively few have survived. Most of these are owed to his friendship, inaugurated in the late 1520s, with the literary figure and philosopher Benedetto Varchi, toward whose circle Bronzino – as a composer of sonnets – felt drawn. Among the most important portraits is a likeness of the young Ugolino Martelli (1519–92), the son of Luigi di Luigi Martelli and Margherita Soderini, who Bronzino portrayed in Florence around 1536–37 at an age of approximately 18 years, shortly before Ugolino followed Varchi into exile in Padua in 1537, where he remained until 1542, studying and living with Varchi. Through Varchi, Ugolino became acquainted with the celebrated poet Monsignor Pietro Bembo, then living in Padua, with whom he had already corresponded from Florence, and who – in the context of the language dispute of those years – advocated the use of the volgare (vernacular) in the art of poetry.

Ugolino was preoccupied with philosophy, poetics, rhetoric, and in particular languages – Greek, Latin, and the vernacular tongue of Tuscany, the volgare. He composed sonnets, and was regarded by Pietro Aretino as early as 1537 to be one of the most celebrated savants and poets in all of Italy. That same year, he also earned the esteem and friendship of Annibale Caro. In Padua, he played an important role in the Accademia degli Infiammati, founded in 1540. His parents planned an ecclesiastical career for him, and he later became the Bishop of Glandèves in southern France.

Wearing a high-necked, grey-black garment with tightfitting, slit trousers, along with a flat black beret, Ugolino is seated next to a stone table in the courtyard of his father’s palace, built by Domenico d’Agnolo; the green tablecloth has been shifted to one side, exposing the pink tabletop, below which the figure of a griffon – the family’s heraldic animal – is visible. Lying open on the table is a volume containing excerpts from the ninth book of Homer’s Iliad; at the far left, cut off by the edge of the picture, is a closed book, an edition of Virgil (Publius Vergilius Maro), as indicated by the letters “MARO”. Held casually on his knee with his left hand is a blue-bound book, whose inscription – “m. P. BEMBO” – identifies it as a work of the above-mentioned contemporary poet. The marble statue of David, the work of either Antonio or Bernardo Rossellino, and formerly attributed to Donatello, is found today in the National Gallery of Art in Washington D. C. X-ray images have revealed that originally, it was planned and executed out in larger dimensions in this portrait by Bronzino.

The attitude and pose of this young man, who sits alongside a table with his legs turned away from it, rotating his upper body to face the viewer frontally, are highly artificial and stylized in a way that would have been inspired in particular by the portraits of Pontormo and Andrea del Sarto. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

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Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Zwei angekettete Affen

Zwei angekettete Affen

Das ungewöhnliche Bild entstand im Jahre 1562, kurz bevor Bruegel aus Antwerpen nach Brüssel übersiedelte. Dargestellt sind zwei Affen, die an einen eisernen Ring gekettet sind und in einer gewölbten Fensteröffnung sitzen. Die schweren Ketten, das massive Mauerwerk und die niedrige Fensterwölbung verstärken den Eindruck der Gefangenschaft, aus der ein Entkommen kaum möglich erscheint. Mit großem Einfühlungsvermögen hat Bruegel das Verhalten und die Mimik der Affen charakterisiert, die in der Gefangenschaft ihr lebhaftes Wesen verloren haben. Den äußersten Kontrast zur Enge der verliesartigen Nische bildet der Blick aus dem Fenster. Man erkennt die Stadt Antwerpen mit dem Hafen und dem hoch aufragenden Turm der »Onze Lieve Vrouwekerk «. Davor leitet der breite Strom der Schelde in die Ferne, wo Wasser und Himmel ineinander übergehen. Der Kontrast zwischen der bedrückenden Enge der schattigen Maueröffnung und der lichten Weite der Landschaft mit den am Himmel dahinfliegenden Vögeln und den Schiffen, die von Reisen in ferne Länder künden, läßt die Gefangenschaft der beiden Tiere eindringlich empfinden. Die formalen Anregungen für Bruegel mögen die Stiche der Vier Affen von Israhel van Meckenem oder Dürers Madonna mit der Meerkatze geliefert haben. Von noch größerer Bedeutung müssen jedoch Studien nach der Natur gewesen sein. Bei den von Bruegel dargestellten Affen handelt es sich um die Halsband- oder Rotkopfmangabe (Cercocebus torquatus), deren Verbreitungsgebiet vom Kap Verde im Westen Afrikas bis an den Unterlauf des Kongo reicht. Bruegels meisterhafte Darstellung der beiden Affen beruht also auf exakter Naturbeobachtung. Daß es ihm dabei lediglich um eine Tierstudie ging, darf mit Recht bezweifelt werden. Fraglich ist auch, inwieweit das kleine Bild mit den Lebensumständen des Künstlers, dem bevorstehenden Umzug nach Brüssel, der Heirat und dem Verlust seiner Unabhängigkeit in Verbindung gebracht werden darf. Es ist hingegen denkbar, daß daß Bild für einen Freund gedacht war, den der Künstler in Antwerpen zurückließ. Von seiner symbolischen oder allegorischen Bedeutung her war der Affe Sinnbild für den an seine Triebe geketteten Menschen, der der Gefangene seiner animalischen Begierden ist. Offensichtlich hat Bruegel mit den angeketteten Affen gleichnishaft auf den verblendeten Menschen anspielen wollen, der, wie die zerbrochene Nuß neben den Tieren zeigt, angesichts eines Gewinnes von zweifelhaftem Wert bereit ist, seine Freiheit zu opfern. Die Gefangenschaft der Tiere ist von Bruegel als Paraphrase auf die in tierischer Versklavung lebenden Menschen gedeutet worden, die sich nicht von den christlichen Tugenden leiten lassen und deshalb einem traurigen Ende entgegensehen. Bruegel wäre nicht der Moralist, als der er sich in vielen seiner Bilder zu erkennen gibt, wenn er sich mit der Darstellung des als unabänderlich empfundenen Zustandes zufriedengegeben hätte. In diesem Bild sind die Ketten Sinnbild einer verzweifelten Situation. Erst die genaue Betrachtung zeigt, daß es einen Ausweg gibt. Sie enden nämlich in einem Knebel, der durch einen Ring gesteckt ist. Zöge man den Knebel etwas zurück und brächte ihn in eine senkrechte Position, ließe er sich durch den Ring zurückschieben und die Verbindung wäre gelöst. Da sich die beiden Affen in ihr dumpfes Schicksal ergeben haben, gelangen sie nicht zu der Erkenntnis, daß sie sich selbst befreien könnten. Sie sind außerstande, die ihnen von der Natur verliehenen Gaben sinnvoll einzusetzen und sich selbst zu retten. Ähnlich ergeht es dem Menschen, der aufgrund mangelnder Einsicht sein eigener Gefangener bleibt. Bruegels Botschaft lautet deshalb, daß erst die Besinnung des Menschen auf sich selbst ihn auf den rechten Weg zu führen vermag. Ein in Klugheit und Bescheidenheit geführtes Leben wird ihn dann in die Lage versetzen, die selbstverschuldete Gefangenschaft abzuschütteln und sich aus der seelischen Knechtschaft zu befreien. Diese ethisch-rationalistische Grundhaltung begegnet uns beispielhaft in den humanistischen Schriften des Erasmus von Rotterdam und des Dirck Volckertsz Coornhert. Sie ist Ausdruck einer Moralphilosophie, die viele der tiefgründigen Allegorien Pieter Bruegels erfüllt, den spätere Generationen allzu oberflächlich als »Bauern-Bruegel« bezeichnet haben. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: • BRVEGEL • MDLXII •___________________________________________________________This unusual picture dates from the year 1562, shortly before Bruegel relocated from Antwerp to Brussels. Depicted is a pair of monkeys, both chained to an iron ring and sitting in the opening of an arched window. The heavy chains, the massive masonry, and the low arch of the window strengthen an impression of confinement,from which there is apparently no possibility of escape. With great sensitivity and empathy, Bruegel has characterised the attitudes and expressions of the monkeys, which seem to have been deprived of their liveliness by their imprisonment. There is a powerful contrast between the constriction of the dungeon-like niche and the view through the window. Recognisable is the town of Antwerp with its harbour, and the tall, looming tower of the “Onze Lieve Vrouwekerk” (Church of our Lady). Before the town, the broad stream of the Scheldt River leads into the distance, where water and sky merge. The contrast between the oppressive closeness of theshadowy wall opening and the bright expense of the landscape, with its birds flying in the sky and its ships, which herald journeys to distant lands, allows the holder to empathise all the more strongly with the captive condition of these creatures.Among the stimuli Bruegel drew upon for this painting may have been an engraving entitled Four Monkeys by Israhel van Meckenem and Dürer’s Madonna with the Monkey. Of even greater significance however must have been studies after nature. The monkeys depicted by Bruegel were Collared or Red-capped Mangabeys(Cercocebus torquatus), whose area of distribution ranges from Cape Verde in West Africa to the Lower Congo. Bruegel’s masterful depiction of these animals was based on the precise observation from life. It can hardly be supposed however that he attempted here to produce a mere animal study. Questionable as well is the degree to which this little picture can be related to the artist’s life circumstances, his imminent relocation to Brussels, or his marriage and concomitant loss of independence. On the other hand, it is conceivable that this picture was intended for a friend the artist left behind in Antwerp.Concerning this image’s symbolic or allegorical significance, the monkey was an emblem of the individual who is chained to his desires, a prisoner to animalistic cravings. With the image of the chained monkeys, evidently, Bruegel sought to allude allegorically to deluded people who were prepared – as implied by the broken nutslying next to the animals – to sacrifice their freedom for a gain of dubious value. The captivity of these animals in Bruegel’s picture can be interpreted as a paraphrase of people who exist in bestial enslavement, who are not guided by Christian virtue, and can therefore look forward to a pitiful end. Bruegel would not however have been the moralist we recognise in so many of his pictures if he had been content to merely depict a situation that is conceived as irrevocable. In this painting, the chains are emblems of a desperate situation. And a precise examination of that situation reveals that there is in fact a way out. As it happens, the chains terminate in a toggle, which has been inserted into a ring. If the toggle is retracted and brought into a vertical position, it can be forced back through the ring, disengaging the connection. Having surrendered to their gloomy fate, the two monkeys never arrive at the awareness that they can liberate themselves. They are incapable of meaningfully employing the gifts with which nature has endowed them in order to rescue themselves. Much the same is true of people who, lacking sufficient insight, remain their own prisoners. Bruegel’s message, then, is that only the individual’s self-reflection is capable of leading him onto the right path. A life that is conducted with wisdom and modesty will enable him to shake off his self-imposed imprisonment, to free himself from spiritual bondage. This is the same fundamentally ethical and rationalistic ethic we encounter in exemplary form in the humanistic writings of Erasmus of Rotterdam and Dirck Volckertsz Coornhert. It is an expression of the moral philosophy that is materialised in many of profound allegories of Pieter Bruegel – who was referred to with striking superficiality by later generations as “Peasant Bruegel”. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

In einer kartuschenartigen Nische aus Stein steht auf einem Sockel ein halb gefüllter und mit Beerennuppen verzierter Römer. Flankiert wird das Trinkgefäß von zwei in Stein gehauenen und mit Flügeln versehenden Kinderfiguren, so genannten Seraphim. Drei üppige Girlanden mit verschiedensten Blumen-, Getreide- und Fruchtsorten zu denen Trauben, Granatäpfel, Pfirsiche, Pflaumen, Nüsse, Feigen, Kastanien und Erdbeeren zählen, sind am oberen und unteren Rand der Kartusche gruppiert. Belebt wird das Ganze durch zahlreiche kleine Tierchen, wie einem Spatzen, einer Eidechse, einer Heuschrecke oder einem Schmetterling. De Heem stellt hier in der mikroskopischen Feinheit der Ausführung und der vollendeten Nachbildung der Natur seine malerische Meisterschaft unter Beweis. In der präzisen Darstellung von Stachelbeeren, deren Kerne sich zart durch die Schale hindurch abzeichnen, von prallgefüllten Trauben mit durchscheinend leuchtender Haut oder der überzeugend gestalteten stumpfen Oberfläche der Walnüsse, zeigt sich seine sorgfältige Beobachtung der verschiedensten Erscheinungsformen von Pflanzen und Früchten. Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine Sonderform der Stilllebenmalerei, die in den südlichen Niederlanden aufkam und hier ihre Blütezeit erlebte. Diese Stillleben mit christlich-religiösem Gehalt zeigen ein zentrales oft auch materiell abgesetztes Motiv, um das ein dicht gemalter Blumenkranz oder üppiges Fruchtgehänge angeordnet ist. Die dargestellten Blumen und Früchte tragen dabei nicht nur zur Steigerung der ästhetischen Bedeutung bei, vielmehr leiten sie zu genauem Schauen an und führten über zu einer meditativ-adorierenden Betrachtung des Mittelmotivs. Gleichzeitig fungieren sie oft auch als inhaltliche Verweise. Auf dem Berliner Bild darf das zentrale Motiv des gefüllten Römers, über dem das Auge der Providentia (Vorhersehung) als Lichterscheinung schwebt, sicherlich als Verweis auf die Eucharistie gewertet werden. Neben einer eher allgemein gehaltenen christlichen Pflanzen- und Tiersymbolik fällt zudem das Motiv der Sonnenblume auf, das in diesem Zusammenhang wahrscheinlich christologisch, im Sinne einer Ausrichtung der menschlichen Seele auf Christus, zu deuten ist.In der Regel entstanden derartige Stillleben in der Zusammenarbeit von zwei spezialisierten Malern. Häufig wurden derartige Kartuschen auch auf Vorrat gemalt und erst später ergänzt. In diesem Sinne handelt es bei dem Berliner Bild um eine Ausnahme, da de Heem hier alle Teile des Bildes eigenhändig ausführte.Jan Davidsz de Heem war gebürtiger Holländer, der zunächst in Utrecht und Leiden arbeitete, bevor er weiter nach Antwerpen zog. Seine frühen Werke, kleinformatige Vanitas-, Früchte- und Blumenstücke, malte er noch im Stile holländischer Stillebenspezialisten, deren kompositorischer Aufbau streng und überschaubar war. Angeregt durch die Haarlemer Stillebenmalerei legte er seine Bilder dieser Zeit oft monochrom an. Mit der Übersiedlung nach Antwerpen im Jahre 1636 wandelte sich de Heems künstlerische Auffassung grundlegend. Unter dem Einfluss der monumentalen und farbenfrohen Stillleben des Frans Snysders oder der Blumenkränze bzw – kartouchen von Daniel Seghers, entwickelte er eigene Formen des Stilllebens und führte hier diverse Neuerungen ein. Als einer der begabtesten und einflussreichsten Stillebenmaler seiner Zeit wurden seine Werke bereits zu Lebzeiten außerordentlich geschätzt und blieben auch nach seinem Tod begehrte Sammelobjekte. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: J•D•DE.HEEM f__________________________________________________________The painting shows a half-filled Roman-style goblet decorated with stylised grapes standing in a stone niche on a pedestal. The drinking vessel is flanked by two stone cherubs: children’s figures with wings called seraphs. Three sumptuous garlands with a rich variety of flowers, grains and fruits, including grapes, pomegranates, peaches, plums, nuts, figs, chestnuts and strawberries, are grouped at the top and bottom edges of the niche. There are also numerous small animals in amongst the flowers, including a sparrow, a lizard, a grasshopper and a butterfly. De Heem’s exceptional artistic skill is demonstrated in the microscopic detail and the perfect reproduction of nature. The precise depiction of gooseberries, with the seeds visible through the translucent skins, the lusciously plump grapes, the very realistic dusky surface of the walnuts show the artist’s great attention to detail and careful observation of the many different shapes and forms of plants and fruits.The Berlin painting is a special form of still-life pictures that emerged in the southern Netherlands and reached their pinnacle here. These still-lifes with Christian- religious symbolism very often used a central, materially contrasting motif surrounded by a dense wreath of flowers or sumptuous arrangement of fruits. The flowers and fruits not only serve the purpose of enhancing the appearance and aesthetic significance, they also encourage viewers to take a closer look and engage in a meditative adoration of the central motif. At the same time, they also often act as key references for the underlying meaning of the picture. On this picture, the central motif of the filled goblet, above which floats the eye of Providentia (providence) in the form of bright light, is almost certainly a reference to the Eucharist. Amongst the more common Christian flower and animal symbolism the sunflower stands out, which in this context can be read as being Christological in the sense that it expresses the orientation of the human soul towards Christ.As a rule, still-lifes such as this were a collaboration between two specialized painters. Often, the cartouche would be produced in advance and details added at a later point. The Berlin painting is an exception to this rule, as de Heem executed all parts of this picture himself.Jan Davidsz de Heem was born in the Netherlands and first worked in Utrecht and Leiden before moving to Antwerp. His early work, small vanitas paintings, fruit and flower pieces, were done in the style of the Dutch still-life specialists, who tended to use a rigid and uncluttered compositional style. Inspired by stilllife painting in Haarlem, in this period his paintings were often monochrome. De Heem’s artistic style changed fundamentally after he moved to Antwerp in 1636. Influenced by the monumental and vividly coloured still-lifes of Frans Snyders and the floral wreaths and cartouches of Daniel Seghers, de Heem developed his own style and introduced several innovations. As one of the most gifted and influential still-life painters of his era, his paintings were highly regarded during his lifetime and after his death were in great demand as collectors’ items. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock (1699-1773) war eine Tochter des Generalfeldmarschalls Wilhelm Dietrich Freiherr von Buddenbrock (1672-1757). In zweiter Ehe ehelichte sie 1749 im Königsberger Schloss den Generalleutnant Johann von Lehwald (1685–1768), Gouverneur von Memel (Ostpreußen). Die links oben erkennbaren Wappen der Familien von Lehwald und von Buddenbrock nehmen auf diese Eheschließung Bezug. Sie sind wohl auch erst zu diesem Termin von fremder Hand aufgetragen worden. Anna Agnes Sophie von Lehwald wird in einem spitzengesäumten Atlaskleid, kontrastiert von einem roten Mantel, präsentiert. Sie steht neben einem Springbrunnen, dessen bildhauerischer Schmuck allerlei Schalentierwerk zeigt. Gemäß damaliger Vorliebe für mythologische Andeutungen, dürfte die Porträtierte hierdurch als Quellnymphe zu interpretieren sein. Im dunklen Hintergrund ist links eine Balustrade mit Skulptur in Parklandschaft erkennbar. Da Barbara Rosina Lisiewska-Matthieu-de Gasc, so sie signierte, stets ihren aktuellen Namen verwendete, wird das Berliner Bildnis noch vor ihrer ersten Vermählung im Jahre 1741 entstanden sein. In dieser Zeit arbeitete die Malerin im Atelier des Vaters Georg Lisiewski (1674-1750). Das Kleid mit den Kaskadenspitzenärmel sowie die unmotiviert in eine Mantelfalte greifenden Finger sind charakteristische Eigenarten ihrer Gemälde der 1740er Jahre. Gemeinsam mit den später eingezeichneten Wappen wurde das allseitig beschnittene Porträt nachträglich zu einem Pedant eines Bildnisses ihres Gatten von der Hand ihres Vaters Georg Lisiewski gemacht, das sich ebenfalls im Besitz der Berliner Gemäldegalerie befindet (Kat.Nr. 2287).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Brunnenbeckenrand: „peint par Rosina Lisiews[ka]“