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Thronende Muttergottes

Ident. Nr.: 29

ObjID: obj:862806

Details (Expert)

Beteiligte
Presbyter Martinus (um 1200),
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: 1199
Abweichende Datierung: 1199
Datierung engl.: 1199
Weitere Titel
Sammlungstitel: Thronende Muttergottes
Thronende Muttergottes
Übersetzung: Enthroned Virgin and Child
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 190 x 54 x 68 cm

Objektbeschreibung

Die Madonna stammt aus dem ehemaligen Kamaldulenserkloster Borgo San Sepolcro bei Arezzo. Sie ist ein Hauptwerk der europäischen Romanik.
Die harte Formbildung und Gespanntheit der mehr von ihrem Umriss als von ihrer Körpergestalt entwickelten Figuren, die strenge Frontalität sowie die an byzantinischen Vorbildern orientierte stark geometrisierte Fältelung der Gewänder erzeugen zusammen mit der originalen
Fassung einen herb-feierlichen Ausdruck, dessen Magie sich der Betrachter nur schwer entziehen kann.
Zwei kleine Löwen tragen das Fußbrett (Suppedaneum) der Madonna. Sie sind eine Anspielung auf den von Löwen umstellten Thron Salomonis, den ›Sitz der Weisheit‹, als der hier die Muttergottes nun für den Salomo des Neuen Bundes fungiert. Über diese Funktion, aber auch über den Künstler, den Auftraggeber und das Entstehungsjahr gibt die Inschrift auf der Sockelzone der Skulptur Auskunft.

Letzte Aktualisierung: 29.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Würfelkapitell mit Blattornamenten

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)