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Großer Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg

Ident. Nr.: 534

ObjID: obj:862809

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Johann Jacobi (1661.09.13),
Bronzegießer*in
Entwurf: Andreas Schlüter (1660 - 1714),
Bildhauer*in
Datierung
Datierung: 1712
Abweichende Datierung: 1712
Datierung engl.: 1712
Weitere Titel
Sammlungstitel: Großer Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg
Verkleinerte Kopie vom Reiterstandbild des Großen Kurfürsten
Übersetzung: Reduced Copy of the Equestrian Portrait of the Great Elector
Geografische Bezüge
Material / Technik
Bronze mit Alabastersockel
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 97 x 60 x 67 cm
Erwerbung
Seit 1875 Museumseigentum Kunstkammer (Überweisung)

Objektbeschreibung

Das Werk ist eine spätere Verkleinererung nach dem monumentalen Reiterdenkmal des Großen Kurfürsten von Andreas Schlüter aus dem Jahre 1696-1701 und den erst zwischen 1703 und 1708 entstandenen vier Sklaven. Die hiesige Nachbildung entstand 1712 wie aus einer Überweisung an den Bronzegießer Johann Jacobi vom 24. Januar 1713 hervorgeht: ".... vor eine kleine Statue, so nach der auf der hiesigen Brücke stehenden großen gegossen (...) 502 thlr.". Bei der erwähnten Brücke handelt es sich um die 1692 begonnene und in Sandstein ausgeführte Lange Brücke, der heutigen Rathausbrücke, die über die Spree einst die beiden unabhändigen Städte "Cölln" und "Berlin" miteinander verband und direkt auf den Schloßplatz mündete. Dort, 1703 auf einer extra angelegten Ausbuchtung plaziert, blickte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg zum Hohenzollernschloss hinüber. Trotz zeitgenössischer Allongeperücke ist der Kurfürst à l´antique gekleidet, eine unmißverständliche Anspielung auf das berühmteste Reiterstandbild der Antike, dasjenige Marc Aurels auf dem Kapitol in Rom, aber auch auf das wenige Jahre zuvor entstandene Reiterstandbild des antikisch gewandeten Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris, das Francois Girardon (1628-1715) zwischen 1685 und 1695 für die Place Louis-le-Grand, die heutige Place Vendome, ausführte (1792 zerstört). Sie alle ritten - den Göttern gleich - ohne Steigbügel ihre Pferde. Die vier an den Sockel geketteten Gefangenen demonstrieren den Triumph über die Feinde Preußens. Damit wird der Große Kurfürst zum Tugendhelden, der den Frieden sichert.
Vermutlich bestellte König Friedrich I. diese Reduktion für seine im Schloß eingerichtete Kunstkammer, wo sie Gesandten oder einem kleinen Kreis gesellschaftlich hochgestellter Persönlichkeiten gezeigt werden konnte. Wie das vor dem Schloß aufgestellte Original sollte die verkleinerte Ausführung die Legitimation des Königshauses unterstreichen, vor allem aber auch Friedrichs Rolle als Förderer der Künste.
Hans-Ulrich Kessler

Letzte Aktualisierung: 25.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Backsteinfragment mit ornamentalem Dekor

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Bei dem Fragment handelt es sich, wie die äußere Form und die Tiefe des Reliefs zeigt, um eine ehemalige Wandfliese, die Teil eines Fensterpfostens oder einer Türrahmung gewesen ist. Der Stein besitzt eine gleichschenklig trapezförmige und könnte zur Mittelstütze einer Fenstergruppe gehört haben, die aus einem schmalen lotrechten Wandstreifen und den im stumpfen Winkel anschließenden Schrägen bestand. Er zeigt einen Fries senkrecht laufender und miteinander verbundener Herzpalmetten und stammt aus dem Zisterzienserkloster St. Urban bei Luzern, wo es in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine florierende Produktion von Formsteinen gab, die weit über die umliegenden Ortschaften hinaus exportiert wurden. Von den bekannten Backsteinherstellungen hebt sich das St. Urbaner Stück in mehrerer Hinsicht ab: Es ist übermäßig groß, Maße von 54 x 30 x 22 cm sind die Regel, wofür man einen riskanten Brennprozess in Kauf nahm; es imitiert Hausteinformen, die in keine backsteingerechte Formen übersetzt wurden. Die Backsteinproduktion in St. Urban lässt sich vor allem aufgrund der zum Teil sicher datierten Burgen und Kirchen, an denen sie zum Einsatz kamen, zeitlich gut eingrenzen. Klar ist außerdem, dass sie gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum Erliegen gekommen ist. Es wurde immer wieder vermutet, dass der reiche Motivschatz der St. Urbaner Muster (mehr als 100 verschiedene Motive nachgewiesen) illustrierten Handschriften der Klosterbibliothek entnommen wurde. Immerhin fallen in diese Zeit auch andere Verfeinerungen bestimmter Kunsttechniken in St. Urban (Inkrustationen, Glasuren), die auch dort betrieben wurden.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt jeweils fünf Seiten eines Achtecks und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie an einer der beiden Wandzungen, an den rechtwinklig abknickenden Seiten des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)