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Taufstein aus Naundorf bei Merseburg

Ident. Nr.: AE 387

ObjID: obj:862972

Details (Expert)

Datierung
Datierung: 2. Hälfte 12. Jahrhundert
Material / Technik
Sandstein
Abmessungen
Höhe x Durchmesser: 53,5 x 99 cm
Durchmesser: 73 cm (innen)
Gewicht: 380 kg
Erwerbung
1915 vom Sächsischen Provinzialmuseum Halle erworben, 1884 war es dort aus Naundorf angekauft worden.

Objektbeschreibung

Der Taufstein besitzt eine schalenförmige Gestalt, deren Umfang sich nach oben hin nur leicht erweitert. Der Stein besitzt ein umlaufendes Ornament, das aus aufrecht stehenden Pflanzen mit nach oben gerichteten Blättern besteht. Jede Pflanze wird von zwei Ranken in Form eines auf dem Kopf stehenden Herzens gerahmt. Die Zwischenräume sind von aus einem Stamm herauswachsenden Fächern mit fünf oder sieben Blätter gefüllt.
Einzelne Motive der schlichten Ornamentik gehören zum Kanon der sächsischen Bauskulptur der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Herzförmige Ranken zeigen Kapitelle von der Huysburg in der Berliner Skulpturensammlung. Das Stück fügt sich somit gut in das Bild sächsischer Taufsteine des 12. und 13. Jahrhunderts.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Letzte Aktualisierung: 14.04.2026

Kontakt

Einrichtung:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)