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Szenen aus dem Leben des hl. Bertin - Verkündigung mit Propheten und Evangelisten

Ident. Nr.: 1645

ObjID: obj:863035

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Simon Marmion (1420 - 25.12.1489),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1459
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Szenen aus dem Leben des hl. Bertin - Verkündigung mit Propheten und Evangelisten
Übersetzung: Scenes from the life of Saint Bertin and the Annunciation to Mary with prophets and evangelists
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Tafelmaß: 58,4 x 146,8 cm
Erwerbung
1905 Ankauf aus der Sammlung der Fürstin zu Wied in Neuwied

Objektbeschreibung

Simon Marmion, der in Amiens, in Valenciennes und vorübergehend auch in Tournai arbeitete, gehört zu den hervorragendsten französischen Meistern der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Schon die ältesten Nachrichten rühmen ihn als »Prince d’enluminure«, dessen Miniaturen aufgrund ihrer reichen Ausstattung mit landschaftlichen Details große Bewunderung hervorriefen. Das Hauptwerk Marmions und der Ausgangspunkt für die Rekonstruktion seines Schaffens, in dem sich Elemente der französischen und niederländischen Kunst miteinander verbinden, bildet der Altar für die Benediktinerabtei St. Bertin in der damals zur Grafschaft Flandern gehörenden Stadt Saint-Omer. Auftraggeber des Retabels, das 1459 auf dem Hochaltar der Abteikirche aufgestellt wurde, war Guillaume Fillastre, Bischof von Verdun (1437-1449), Bischof von Toul (1449-1460), Abt von St. Bertin (1450-1473), Bischof von Tournai (1460-1473), Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies und ein enger Vertrauter des mächtigen Herzogs von Burgund, Philipps des Guten. Das kostbare Altarwerk hat sich bis 1791 an seinem Platz in der Abtei befunden, ist dann jedoch wie so viele Kirchenschätze der Französischen Revolution zum Opfer gefallen. Der mit Skulpturen in kostbarer Goldschmiedearbeit reich geschmückte Mittelschrein wurde zerstört, das Gold eingeschmolzen. Erhalten blieben die von Marmion geschaffenen, beidseitig bemalten Flügel. Sie waren ursprünglich durch zinnenartige Aufsätze überhöht, die jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgetrennt wurden und heute in der National Gallery in London bewahrt werden. Die beiden Altarflügel vermögen heute nur noch einen unvollkommenen Eindruck von der monumentalen Wirkung des ungewöhnlich aufwendigen Retabels zu vermitteln, das in geöffnetem Zustand eine Breite von über sechs Metern aufwies. Die Flügel sind auf den Rückseiten, den einstigen Außenseiten, mit Malereien in Grisaille geschmückt. Im geschlossenen Zustand des Altares bildeten sie dessen »Werktagsseite«. Wir sehen links Markus und Micha, Johannes und Salomo sowie den Erzengel Gabriel, der auf die Maria der Verkündigung auf der rechten Seite bezogen ist, neben der David, Matthäus, Jesaias und Lukas dargestellt sind. Die Könige, die Propheten und die vier Evangelisten, die Spruchbänder tragen und durch Beischriften bezeichnet sind, rahmen paarweise in gemalten Nischen die Verkündigungsszene. Sie weisen zugleich auf das Programm des kostbaren Altarschreines voraus, in dessen Zentrum die Kreuzigung Christi zu sehen war, überragt von dem vergoldeten Stamm des Lebensbaumes als Sinnbild für das Erlösungswerk Christi, durch das der Menschheit der Wein des eucharistischen Blutes zuteilwurde. Besondere Beachtung verdienen die Innenseiten der beiden Altarflügel, die einst den goldenen Mittelschrein flankierten. Sie bestechen durch eine brillante Farbgebung von fast kristalliner Klarheit und einen außergewöhnlichen Detailreichtum. Zusammengenommen bilden sie einen breit angelegten Zyklus von jeweils fünf durch reichgegliederte Architektur getrennten Szenen, die von Ereignissen aus dem Leben des heiligen Bertin, des Gründers und Titelheiligen des Klosters, berichten. Der heilige Bertin, geboren um 615 bei Coutances (Manche), gestorben am 5. September 698, ist in Luxeuil (Haute Saône) ins Kloster eingetreten. Er war Bischof von Thérouanne (Pas-de-Calais) und gründete das Kloster Sithiu – seit 1100 St. Bertin genannt –, dessen Abt er von 670 bis zu seinem Tod gewesen ist. Seit dem Jahre 745 wird er als Heiliger verehrt. Die Szenenfolge beginnt in der linken Ecke des linken Altarflügels. Hier ist der Stifter Guillaume Fillastre dargestellt, der im bischöflichen Ornat vor einem aufgeschlagenen Missale kniet. Hinter ihm steht ein Kaplan. Ein über ihm schwebender Engel trägt sein Wappen. Auf dem einst darüber angebrachten Aufsatz, der sich heute in London befindet, sind singende und musizierende Engel zu sehen. Der Blick des Stifters gilt den sich anschließenden Begebenheiten aus dem Leben des Heiligen. Auch wir sehen nacheinander dessen Geburt und seine Einkleidung im Kloster von Luxeuil. Demutsvoll kniet er unter dem Kirchenportal und ein weiteres Mal betend vor dem Lettner der Kirche. Die folgende Szene berichtet von der Pilgerschaft Bertins, der in Begleitung der Mönche Ébertramne und Momelin in Thérouanne vom heiligen Omer empfangen wird. Im Anschluß daran ist die Gründung und der Bau des neuen Klosters dargestellt. Der heilige Bertin und der Grundherr der Gemarkung, Ritter Adrowald, besiegeln die Schenkung. In der Landschaft erhebt sich die nahe dem Fluß Aa gelegene Burg des Ritters. Auf dem Wasser treibt das Boot mit dem Heiligen und seinen Begleitern, geleitet von einem Engel, der ihnen die von Gott vorbestimmte Stelle für den Bau des Klosters angezeigt hat. Die Ereignisse setzen sich auf dem rechten Flügel mit der Legende des Weinwunders fort. Sie berichtet davon, wie Ritter Waldbert auf der Jagd vom Pferd stürzte, da er es versäumt hatte, den Segen des Klosters einzuholen. Er sandte daraufhin seinen Knappen aus, der ihm einen vom heiligen Bertin gesegneten Trunk bringen sollte. Durch ein Wunder hatte sich ein leeres Faß mit Wein gefüllt. Wir sehen den Mönch Duodon, der vor dem Faß kniet, den Knappen und den heiligen Bertin, unter dessen Augen sich das Wunder vollzieht. Die daran anschließende Szene zeigt den Ritter, der, geheilt und bekehrt, mit seinem Sohn der Welt entsagt und ins Kloster eintritt. Danach werden auch vier bretonische Edelleute vom Heiligen in den Orden aufgenommen. Hinter beiden Szenen öffnet sich der Blick in einen gotischen Kreuzgang, dessen Wände mit der umlaufenden Darstellung eines Totentanzes bemalt sind. Wir sehen junge Männer von Adel ergriffen die Malereien betrachten, die von der Vergänglichkeit alles Irdischen zeugen. Irdischen Anfechtungen war freilich auch der heilige Bertin ausgesetzt, wie die sich anschließende Szene verdeutlicht. Eine verführerische, modisch aufgeputzte Frau ist dem Heiligen erschienen, um ihn zu versuchen. Die unter ihrem Kleid hervorschauenden Krallenfüße zeigen, daß sie ein Dämon des Bösen ist, der jedoch durch den heiligen Martin von Tours gebannt und bezwungen wird. In der letzten Szene der Bilderfolge sehen wir den heiligen Bertin auf dem Totenbett, betrauert von einem vornehmen Gönner des Klosters und den Mönchen, die ihn mit den Sterbesakramenten versehen. Der einst über dieser Szene angebrachte Aufsatz, der in London bewahrt wird, zeigt die Aufnahme der Seele des Heiligen in den Himmel. Die Brillanz der Farben und der Detailreichtum der Szenen zeugen davon, daß Marmion vor allem auch ein Miniaturist von außergewöhnlichen Fähigkeiten war. Bewundernswert ist zumal die differenzierte Behandlung des Lichtes, das sich in vielfältigen Abstufungen an der Architektur bricht und den stillen Räumen eine unverwechselbare Atmosphäre verleiht. Ausgehend von der Zelle des Stifters und dem Sterbezimmer des Heiligen erfährt die Lichtführung eine zunehmende Steigerung bis hin zu den Ausblicken in die helle, lichtdurchflutete Landschaft, die zum Mittelschrein mit seinem goldenen Skulpturenschmuck überleiteten. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Simon Marmion, who worked in Amiens, in Valenciennes, and briefly in Tournai, was among the outstanding French masters of the second half of the 15th century. The earliest surviving reports already praise him as the “prince d’enluminure”, and his miniatures elicited great admiration by virtue of their rich landscape details. Marmion’s masterpiece, and the point of departure for the reconstruction of his oeuvre, which combines elements of French and Netherlandish art, is the altarpiece for the Benedictine Abbey of Saint Bertin in the town of Saint-Omer, formerly a part of the County of Flanders.

The commissioner of the retabel, which was set up in 1459 on the high altar of the abbey church, was Guillaume Fillastre, Bishop of Verdun (1437–49), Bishop of Toul (1449–60), Abbot of Saint Bertin (1450–73), Bishop of Tournai (1460–73), Chancellor of the Order of the Golden Fleece, and a close confidant of Philip the Good, the powerful Duke of Burgundy. The precious altarpiece retained its place in the abbey until 1791, when it fell victim – like so many church treasures – to the French Revolution. The central shrine, containing sculptures and precious goldsmith work, was destroyed and the gold melted down. Surviving were the painted wings on each side, the work of Marmion. Originally, they were embellished with merlon-style vertical extensions, which were however separated from the panels in the early 19th century, and are preserved today in the National Gallery in London. Today, these wings convey only an inadequate impression of the monumental impact of the uncommonly elaborate retabel, which was more than six meters wide when opened. The wings are decorated on their backs, formerly the outer sides, with grisaille paintings. When the altarpiece was closed, these formed its “working day side”.

On the left, we see Mark and Micah, John and Solomon, as well as the Archangel Gabriel, who is linked to the Virgin of the Annunciation on the right-hand side, who is herself joined by depictions of David, Matthew, Isaiah, and Luke. The kings, prophets, and four evangelists, who carry texted banderoles and are identified by inscriptions, frame the Annunciation scene in pairs in painted niches. At the same time, they anticipated the program of the precious altar shrine, at whose centre the Crucifixion was displayed, over which towerd the gilded trunk of the Tree of Life as an emblem of Christ’s work of redemption, which bestows upon humanity the wine of the Eucharistic blood.

Meriting special attention are the inner sides of the two wings, which once flanked the golden central shrine. They captivate the viewer by virtue of their brilliant colouration, almost crystalline clarity, and extraordinary wealth of detail. Taken together, they form an ambitiously conceived cycle, each panel consisting of five scenes, separated by richly elaborated architecture, which narrates the events of the life of Saint Bertin, the abbey’s founder and tutelary saint. Saint Bertin, who was born around 615 near Coutances (Manche) and died on 5 September 698, entered the monastery in Luxeuil (Haute Saône). He was the Bishop of Thérouanne (Pas-de-Calais), and founded the monastery of Sithiu (known as
Saint Bertin beginning in 1100), whose Abbot he was from 670 until his death. He has been revered as a saint since 745.

The sequence of scenes begins in the lower left corner of the left wing. Depicted here is the donor Guillaume Fillastre, who kneels before an open missal wearing Episcopal regalia. A chaplain stands behind him. His coat of arms is carried by an angel who hovers above him. Visible on the first vertical extension, today found in London, are singing and music-making angels. The donor’s gaze is focused on the ensuing events from the life of the saint. We too are able to follow events from his birth to his investiture at the monastery of Luxeuil. Filled with humility, he kneels down beneath the church portal, and then once more in prayer before the rood screen of the church. The following scene tells of Bertin’s pilgrimage and his reception in Thérouanne by Saint Omer, accompanied by the monks Ébertramne and Momelin. Succeeding this scene is a depiction of the foundation and construction
of the new monastery. Saint Bertin and the knight Adrowald, the landlord of the district, seal the donation. Towering up in the landscape near the Aa River is the knight’s castle. Floating on the water is a boat containing the saint and his companions, guided by an angel who shows them the place God has designated for the building of the monastery.

On the right-hand side panel, these events continue with the legend of the miracle of the wine. It tells how the knight Waldbert topples from his horse because he has neglected to obtain the blessing of the monastery. Afterwards, Waldbert sends a squire, who is charged with returning with a drink that has been consecrated by Saint Bertin. Through a miracle, and empty cask has been filled with wine. We see the monk Duodon, who kneels before the cask, the squire, and Saint Bertin,
before whose eyes the miracle transpires. The adjacent scene shows the knight, now healed as well as converted, together with his son, renouncing the world and entering the monastery. Afterwards, four Breton noblemen are accepted by the saint into the order. Opening up behind these two scenes is a view of a Gothic cloister, whose walls are painted with a circumferential depiction of a Dance of
Death. We see young man of noble origin contemplating these images, which testify to the transitory nature of everything earthly. To be sure, Saint Bertin himself was exposed to mundane temptations, as the succeeding scene illustrates. A seductive, fashionably attired woman appears before the saint in order to entice him. The clawed feet, which peep out from under her dress, reveal that she is an evil demon, who is nonetheless spellbound and vanquished by Martin of Tours. In the final scene, we see Saint Bertin on his deathbed, mourned by a distinguished patron of the monastery together with the monks, who performed the last rites. The vertical panel that formerly topped this scene, shows the reception of Bertin’s soul in heaven.

The brilliant colours and rich detail of these scenes testify to Marmion’s extraordinary abilities, especially as a miniaturist. Remarkable in particular is the differentiated treatment of light, which falls onto the architectural setting in a multitude of gradations, and which endows these silent spaces with an inimitable atmosphere. Beginning with the cell of the donor and Bertin’s death chamber at the sides, the illumination experiences a gradual intensification whose highpoint is the sweeping vistas of the bright, light-flooded landscape, which once effected a transition to the central shrine, with its golden sculptural decoration. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

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Die Kreuzigung Christi

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Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019