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Hermann Hillebrandt de Wedigh

Ident. Nr.: 586B

ObjID: obj:863091

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hans Holbein (der Jüngere) (1497/98 - 1543),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1533
Weitere Titel
Sammlungstitel: Hermann Hillebrandt de Wedigh
Übersetzung: Hermann Hillebrandt de Wedigh
Geografische Bezüge
England,
Land
London,
Stadt
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 42,1 x 32,6 cm
Erwerbung
1874 Ankauf mit der Sammlung des Bankiers Barthold Suermondt

Objektbeschreibung

Das Bildnis zeigt einen Mann im Alter von 39 Jahren vor einförmigem, leuchtend blauem Hintergrund. In strenger Frontalität steht er dem Betrachter gegenüber. Mit offenem Blick schaut er ihm ins Auge. Die hochgezogene Augenbraue erweckt den Eindruck einer kritischen Musterung, der jedoch durch den sanften Schwung der Lippen die Schärfe genommen ist. Die Asymmetrie der Augen, ein körperlicher Fehler, ist ohne Scheu wiedergegeben. Doch ist gerade dieser Mangel an Ebenmaß unverwechselbarer Bestandteil der Physiognomie. Das ausdrucksvolle Gesicht wird vom rötlichbraunen Haupthaar und einem kurzgeschnittenen, sorgfältig gepflegten Vollbart gerahmt. Der Dargestellte trägt ein weißes Hemd, ein schwarzes Barett und einen schwarzen, über die Schulter geschlagenen Mantel. In der nach vorn ausgestreckten linken Hand hält er ein Paar Handschuhe aus braunem Leder. Den Zeigefinger schmückt ein Siegelring, dessen Wappen einen schwarzen Sparren auf silbernem Feld nebst drei grünen Weidenblättern in den Winkeln aufweist. Es handelt sich hierbei um das Wappen der bekannten Kölner Kaufmanns- und Patrizierfamilie Wedigh.
Die Identifizierung des Dargestellten ist nicht ganz sicher. Vielleicht haben wir Hermann Hillebrandt Wedigh (geb. um 1494) vor uns, einen Bruder jenes Hermann Wedigh, dessen 1532 datiertes Porträt von Holbein sich ebenfalls in der Gräflich Schönbornschen Gemäldesammlung befunden hat und heute im Metropolitan Museum in New York bewahrt wird. Man hat vermutet, daß die beiden Bilder vielleicht als Gegenstücke konzipiert waren. Die abweichenden Datierungen und die verschiedenartigen Kompositionen deuten jedoch darauf hin, daß diese Annahme wenig Wahrscheinlichkeit besitzt. Neben unserem Porträt sind wenigstens sieben weitere Bildnisse Holbeins bekannt, die zweifelsfrei Kaufleute darstellen, die am sogenannten Stalhof, der Hanseniederlassung in London, ihren Geschäften nachgingen. Holbein hat sie während seines zweiten Englandaufenthalts gemalt. Es handelt sich um den schon erwähnten Hermann Wedigh (New York, The Metropolitan Museum of Art), um Hans von Antwerpen (Windsor Castle, The Royal Collection) und um Georg Gisze (Gemäldegalerie, Staatl. Museen zu Berlin), die alle 1532 entstanden sind. Aus dem Jahre 1533 stammen die Porträts des Deryck Tybis aus Duisburg (Wien, Kunsthistorisches Museum), des Cyriacus Kale aus Braunschweig (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum) und des Derich Born aus Köln (Windsor Castle, The Royal Collection). Aus dem Jahre 1536 datiert schließlich das Bildnis des aus Köln stammenden Derick Berck, das sich in New York (The Metropolitan Museum of Art, Bache Collection) befindet. In fast allen Porträts ist das räumliche Ambiente ebenso wie das stillebenhafte Beiwerk auf ein Minimum be schränkt. Nichts soll die Konzentration auf das Wesentliche, die dargestellten Persönlichkeiten, beeinträchtigen. Die großartige Ausnahme bildet Holbeins Bildnis des Danziger Hansekaufmanns Georg Gisze in der Berliner Gemäldegalerie. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: oben ANNO 1533 AETATIS SUAE 39
____________________________________________________________________________________

The portrait shows a man aged 39 against a uniform bright blue background. He is facing the viewer full on, looking him candidly in the eyes. His raised eyebrows give the impression that he is sizing up the viewer critically, although the severity of his gaze is softened by the gentle curve of his lips. The artist did not shrink from portraying the sitter’s asymmetrical eyes, a physical defect, and in fact, this lack of symmetry is an unmistakeable feature of the man’s physiognomy. The expressive face is framed by reddish brown hair and a short, well-kempt beard. He is wearing a white shirt, a black beret and a black cape wrapped around his shoulders. In his left hand held in front of his body, he is clutching a pair of brown leather gloves. The signet ring on his index finger bears his coat of arms: a black spar on a silver field with three green willow leaves at the corners. This is the coat of arms of the well-known Wedigh family of merchants and patricians from Cologne.

The sitter has not been conclusively identified. Perhaps we are looking at Hermann Hillebrandt Wedigh (born c. 1494), a brother of the Hermann Wedigh whose 1532 portrait by Holbein was likewise in the collection of the Counts of Schönborn and is now held by the Metropolitan Museum of Art in New York (fig. left). It is suspected that the two paintings were conceived as counterparts. The divergent dating and different kinds of composition make this seem unlikely, however.

In addition to this portrait, Holbein is known to have painted at least another seven portraits that show merchants going about their business at the so-called Stalhof, the London branch of the Hanseatic League. Holbein painted them during his second stay in England. They are Hermann Wedigh (New York, The Metropolitan Museum of Art), Hans von Antwerpen (Windsor Castle, The Royal Collection) and Georg Gisze (Gemäldegalerie), all painted in 1532. The portraits of Deryck Tybis from Duisburg (Vienna, Kunsthistorisches Museum), Cyriacus Kale from Braunschweig (Braunschweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum) and Derich Born from Cologne (Windsor Castle, The Royal Collection) are from the year 1533. Finally, from 1536, there is the portrait of the Cologne native Derick Berck, which is located in New York (The Metropolitan Museum of Art, Bache Collection). In
almost all the portraits, the physical setting and the still life-like accoutrements are kept to a minimum. Nothing should distract the viewer’s concentration from the personalities being portrayed, the major exception being Holbein’s portrait of the Danzig Hanseatic merchant Georg Gisze in the Gemäldegalerie in Berlin. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 17.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633

Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen