Logo

Bildnis des Jan Jacobsz Hinlopen und seiner Familie

Ident. Nr.: 792

ObjID: obj:863106

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Gabriel Metsu (1629 - 1667),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1662/63
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Bildnis des Jan Jacobsz Hinlopen und seiner Familie
Übersetzung: Jan Jacobsz Hinlopen and his Family
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Holland,
Region
Material / Technik
Leinwand
Abmessungen
Bildmaß: 77 x 82,6 cm
Erwerbung
1832 Ankauf aus der Sammlung von Frans Anton Tschiffeli, Bern

Objektbeschreibung

Die Familie des reichen Tuchhändlers Jan Jacobsz Hinlopen und seiner Frau Leonora Huydecoper präsentiert sich hier in ihrem prunkvollen Wohnraum. Der antikisierende Kamin, die üppige Goldledertapete, die sowie das großformatige Gemälde zeugen vom Wohlstand dieses Amsterdamer Ehepaars. Hinlopen (1626-1666) sitzt selbstbewusst und entsprechend seiner Funktion als Familienoberhaupt in ausladender Pose am Tisch. Dem Vater zugeordnet ist links sein fünfjähriger Sohn Jacob zu erkennen, auf dessen ausgestreckter Linken ein Papagei sitzt. Die Dame des Hauses, Leonora Huyecoper, sitzt rechts am Tisch und reicht der zweijährigen Tochter Sara eine Rassel. Schräg hinter ihr, vor dem Kamin, steht eine Amme mit dem jüngsten Familienmitglied, der einjährigen Geertuyt auf dem Arm. Am Boden zu Füßen der Amme sitzt die vierjährige Johanna Maria und füttert ihren kleinen Hund mit Keksen. Metsu dürfte das Bild um 1662 gemalt haben, nach Geetruyts Geburt im Januar 1662 und vor ihrem Tod im August 1663. Noch in demselben Jahr sollte die hier glücklich vereinte Familie von mehreren Schicksalsschlägen getroffen werden. Drei Monate nach Geetruyts Tod verstarben auch der älteste Sohn Jacob sowie die Mutter Leonora Huydecoper kurz nacheinander. Sehr wahrscheinlich erlagen alle drei der Pest, die in den 60iger Jahren in Amsterdam wütete. Jan Jacobsz Hinlopen verstarb wenige Jahre später (1666) im Alter von nur 40 Jahren.
Nach Metsus Umzug nach Amsterdam (um 1656) wurde ter Borch zu seinem wichtigsten Vorbild. Sowohl in der Motivwahl als auch in der Komposition orientierte sich Metsu an dessen Bildern. Die früher dynamisch aufgebauten Gesellschaftsszenen haben, wie in dem Berliner Bild, einer mehr statisch angeordneten Figurenkonstellation Platz gemacht. In seinem verfeinerten Farbauftrag und den zahlreichen schmückenden Details ist das Gemälde deutlich dem in Holland aufkommenden französischen Geschmack verpflichtet. Die Grenzen zwischen Porträt und Genredarstellung sind fließend geworden.
Jan Jacobsz. Hinlopen besaß eine umfangreiche Kunstsammlung zu der auch das Gemälde „Der Wochenbettbesuch“ von Metsu gehörte. Dieses heute im Metropolitan Museum in New York aufbewahrte Werk weist in den Maßen und der Komposition so weitreichende Übereinstimmungen mit dem Berliner Familienbild auf, dass man hier sehr wahsrcheinlich zwei Gegenstücke annehmen darf.

SIGNATUR / INSCHRIFT: Links unten am Türpfosten: G• Metsu̅

Letzte Aktualisierung: 30.06.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Ansicht von Nijmegen

Ansicht von Nijmegen

Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.