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Die Grablegung Christi

Ident. Nr.: 1070A

ObjID: obj:863119

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Simone Martini (1284–1344),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1335 - 1340
Weitere Titel
Sammlungstitel: Die Grablegung Christi
Übersetzung: The Entombment of Christ
Geografische Bezüge
Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 23,7 x 16,7 cm
Erwerbung
1904 Ankauf aus der Sammlung Emile Pacully, Paris

Objektbeschreibung

Diese kleine Tafel gehörte einst zu einem Polyptychon mit vier beidseitig bemalten Holztafeln. Die Innenseiten zeigen Szenen der Passion Christi, die Außenseiten eine Verkündigungsszene sowie das Wappenschild des Auftraggebers aus der Orsini Familie. Die übrigen Tafeln befinden sich im Königlichen Museum der schönen Künste in Antwerpen und im Pariser Louvre.

Das Gemälde stammt von Simone Martini, einem der bedeutendsten Maler des 14. Jahrhunderts. Simone wurde in Siena geboren und ging bei dem führenden Sieneser Maler Duccio in die Lehre, der sich noch stark an der byzantinischen Tradition orientierte. Er beschäftigte sich aber auch mit den von Giotto eingeführten Neuerungen in der Raumauffassung und fand bald zu einer Synthese zwischen
sienesischer und florentinischer Malerei – ebenfalls ein Grund für seine überaus erfolgreiche Karriere. Simone arbeitete nicht nur in Siena, sondern auch in Assisi (in der Basilika S. Francesco, die auch Giotto mit zahlreichen Fresken schmückte), in Neapel (für König René I. d’Anjou) und in Avignon, wo er die letzten Jahre seines Lebens am päpstlichen Hof verbrachte. Das Reliquiar, zu dem die Berliner Tafel gehörte, stammt aus seiner späten Schaffenszeit. Als Auftraggeber wird häufig
Kardinal Napoleone Orsini genannt, der 1342 in Avignon starb und sich in seinen Schriften als Vertreter der religiösen Mystik zu erkennen gab. In der Tat ist das Berliner Gemälde voller Dramatik.

Nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist, wird sein Leichnam in ein Grab gebettet. Familie und Anhänger bleiben in großem Schmerz zurück. Einige möchten den Körper des Erlösers ein letztes Mal berühren, als sei er bereits zum Relikt geworden. Die durch goldene Heiligenscheine gekennzeichneten Heiligen lassen sich leicht identifizieren: Die Jungfrau Maria hält, sein Gesicht an ihres gepresst, ihren toten Sohn in den Armen. Nikodemus und Josef von Arimathäa (rechts) begießen den Leib Christi aus einem weißen Gefäß mit Öl; Johannes (ganz rechts) verbirgt seine Tränen in seinem roten Gewand. Maria Magdalena, im roten Kleid und mit langen Haaren dargestellt, ist in Wehgeschrei ausgebrochen; die Frauen zu ihrer Linken heben klagend die Arme oder raufen sich die Haare. Während Giotto den Tod Mariae (Abb. S. 289) als stilles Schauspiel inszeniert, zeigt Martini die Grablegung Jesu als spektakuläres Drama.

Die surreale Atmosphäre des Bildes verdankt sich zum Teil seinem Hintergrund: einer in Abendrot getauchten Landschaft mit vier Bäumen. Eine kunsttechnische Analyse hat gezeigt, dass der ursprüngliche Goldgrund mit diesen Motiven übermalt wurde. Der Zeitpunkt bleibt unbekannt, möglicherweise liegt er Mitte des 15. Jahrhunderts. Ein solches Datum würde bedeuten, dass die Gemälde Martinis noch lange nach dem Tod des Künstlers geschätzt wurden. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This little panel was once part of a polyptych of four wood panels painted on both sides, representing scenes of the Passion of Christ in the inner part, and the Annunciation, on the outer parts, together with the shield of the patron of the work from the Orsini family. The other panels are preserved in the Royal Museum of Fine Arts, Antwerpen and in the Musée du Louvre, Paris. The reliquary was painted by one of the most important painters of the 14th century, Simone Martini. Born in Siena, Simone learnt his practice with the leading local painter, Duccio, who was still extremely inspired by the Byzantine tradition. Simone was also aware of the spatial novelties introduced by Giotto and would soon propose a synthesis between Sienese and Florentine painting, which explains his very successful career. He worked not only in Siena but also in Assisi (in the basilica of Saint Francis, where Giotto painted many frescoes), in Naples (for the King René of Anjou), and finally in Avignon, where he spent the last years of his life, working at the papal court. The reliquary of which belonged the Berlin panel was painted during this late period. Its patron has often been identified with Cardinal Napoleone Orsini, who died in Avignon in 1342 and had much insisted in his writings on religious mysticism: the Berlin painting is indeed full of drama.

After the Death of Jesus-Christ on the Cross, his body is put into the grave, leaving his relative in great distress. A high number of persons from the assistance feels the need to touch one last time the body of the Saviour of Mankind, as if He had already become a relic. One can recognize the saints present to their golden haloes: the Virgin Mary, the mother of Jesus, is holding the body of her son in her arms. His dead face pressed against hers. On the right-hand side, Nicodemus and Joseph of Arimathea are pouring oil on the body of Christ from a white vessel; further right, Saint John is hiding his tears with his red cloak. Mary Magdalene, with her red dress and long hair, is shouting of despair, while the many woman left from her are even more deplored, raising her arms or pulling their hair. From the silent drama painted by Giotto in his Dormition of the Virgin (fig. p. 289), Simone Martini confers to his painting much more dramatic mood.

The surreal atmosphere of this picture is partly due to its background, representing a landscape with four trees and a sunset sky. Technical analysis has demonstrated that this part was painted over the original gold background. One does not know when this addition was made, possibly in the mid-15th century, which would demonstrate how the paintings by Simone Martini were appreciated even long after the artist’s death. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 30.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Thronende Maria mit dem Kind

Thronende Maria mit dem Kind

Schützend hält die Jungfrau Maria ihren Sohn Jesus, während sie gleichzeitig eine Rose von ihm fernhält. Trotz ihres Ausdrucks tiefster Schwermut hat sie die fundamentale Aufgabe angenommen, ihren Sohn auf seinem Weg zu begleiten. Der Jesusknabe wiederum hält lächelnd zwei Weinbeeren in der linken Hand. Sie verweisenebenso wie die Rose auf seinen künftigen Leidensweg: Der Rosenzweig deutet symbolisch auf die Dornenkrone hin, wohingegen die Trauben auf jene Episode beim Letzten Abendmahl anspielen, in der Jesus seinen Jüngern Wein reicht und dabei sagt: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.« (Lukas 22,20)Robust und majestätisch wie ein Thron wirkt Maria wie ein integraler Bestandteil der Architektur. Das rote Samtkleid spiegelt die Rottöne der Steine wider und ihr Umhang zeigt dieselbe umfassende Geste wie die hinter ihr liegende Nische. Gleich einem stützenden Schemel faltet er sich zugleich unter den Füßen des Kindes undbegrenzt die Intimität der mütterlichen Szene ebenso wie das Brüstungssims aus weißem Marmor den Vordergrund von der Landschaft im Hintergrund trennt. Nur ihr Blick erinnert uns daran, dass sie trotz dieser Transformation immer noch auch eine Mutter ist.Die leuchtende Farbpalette und der Zug zur exakten Wiedergabe der Details ließen anfänglich Flandern als Ursprungsort dieser Tafel vermuten. Auf einen italienischen Urheber schienen hingegen die Monumentalität der Figuren, das Einbinden architektonischer Ruinen und die elaborierte perspektivische Landschaftsdarstellunghinzudeuten. Die Lösung dieses Rätsels findet sich vermutlich in der Entwicklung der spanischen Malerei des 15. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum existierten auf der iberischen Halbinsel neben- und gegeneinander flämische und italienische Einflüsse, die sukzessive dem spanischen Geschmack angepasst und zu einer eigenenDarstellungsweise zusammengeführt wurden.Einer der Protagonisten dieses Prozesses war Pedro Berruguete, der um das Jahr 1445 nahe Palencia in Paredes de Nava geboren wurde und vermutlich 1503 in Madrid verstarb. Ausgebildet wurde er wahrscheinlich bei einem Meister der spanisch-flämischen Tradition mit guten Kenntnissen der aktuellen Entwicklungenin Flandern. Konkrete Anhaltspunkte für einen eigenen Aufenthalt Berruguetes in Flandern gibt es nicht, dafür deutet vieles darauf hin, dass er im Zeitraum zwischen etwa 1473/74 und 1483 am Hof Federico da Montefeltros in Urbino wirkte. Die um das Jahr 1475 datierte Tafel könnte somit von ihm in Italien gefertigt worden sein.Hierfür spricht auch das offenkundige Interesse an einer exakten Wiedergabe der verschiedenen Marmorsorten und der architektonischen Details, denn Vergleichbares findet sich in Berruguetes späteren, nach seiner Rückkehr in Kastilien geschaffenen Arbeiten nicht wieder. Das Bild hängt seit 2019 im spanischen Kabinett des Bode-Museums. Maria López-Fanjul | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________The Virgin Mary protectively holds her son Jesus, at the same time holding a rose away from him. Despite her expression of deep sadness, she has accepted her fundamental task of accompanying her son on his path. The Child, for his part, smiles and holds two grapes in his left hand. Like the rose, they point to his future suffering: the rose branch refers symbolically to his crown of thorns, the grapes to the episode at the Last Supper in which Jesus serves wine to his apostles, saying: “This cup is the new covenant in my blood, which is shed for you.” (Luke 22:20)Robust and majestic as a throne, Mary seems to be an integral part of the architecture. Her red velvet dress mirrors the red tones of the stones, and her cloak displays the same enclosing gesture as the niche behind her. Like a supporting stool, the cloak is also folded beneath the feet of the child, limiting the intimacy of the scene of mother and child, just as the white marble parapet separates the foreground from the landscape in the background. Only the look in Mary’s eyes reminds us that, despite this transformation, she is still a mother.The palette of glowing colours and the tendency to exact reproduction of detail initially led to the assumption that this panel was painted in Flanders. The monumentality of the figures, the incorporation of architectural ruins and the elaborate representation of the landscape in perspective, on the other hand, seemed to suggest an Italian artist. The solution to this riddle is probably to be found in the development of Spanish painting in the 15th century. In this period in the Iberian peninsula, there existed competing and co-existing Flemish and Italian influences, which were successively adapted to Spanish taste and combined to form a characteristically Spanish manner of depiction.One of the protagonists in this process was Pedro Berruguete, who was born in about 1445 in Paredes de Nava near Palencia and probably died in 1503 in Madrid. He was presumably trained by a master of the Spanish Flemish tradition who had a good knowledge of the latest developments in Flanders. There is no specific indication that Berruguete himself spent time in Flanders, but much to suggest that he was active at the court of Federico da Montefeltro in Urbino between 1473/74 and 1483. The panel dating from approximately 1475 could therefore have been painted by him in Italy. This is suggested by his obvious interest in the exact rendering of different kinds of marble and the architectural details, as comparable traits are not present in Berruguete’s later work, produced after his return to Castile. Since 2019, the picture hangs in the Spanish room of the Bode-Museum. Maria López-Fanjul | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019