Logo

Verkündigungsengel / Der schreibende Johannes der Evangelist

Ident. Nr.: 1550

ObjID: obj:863242

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Giovanni Agostino da Lodi (ca. 1467 - ca. 1520),
Maler*in
frühere Zuschreibung: Pseudo-Boccaccio Boccaccino (16. Jahrhundert),
Maler*in
Datierung
Ausführung: 1500/05
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Verkündigungsengel / Der schreibende Johannes der Evangelist
Der Verkündigungsengel (Innenseite) / Der schreibende Johannes der Evangelist als Greis (Außenseite)
Übersetzung: Angel of Annunciation / John the Evangelist writing
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technik
Pappelholz
Abmessungen
Bildmaß: 93 x 105 cm
Erwerbung
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Objektbeschreibung

Giovanni Agostino da Lodi wurde lange Zeit ‚Pseudo-Boccacino‘ genannt, weil seine Werke stilistische Ähnlichkeiten zu denen des Malers Boccacio Boccaccino aus Cremona aufweisen, der ebenfalls Lombarde war. Giovanni Agostino da Lodis Oeuvre stellt eine Brücke zwischen den bildenden Künsten der Lombardei und des Veneto dar. Genauer: Die Gesichtszüge der Figuren sind an der Malerei Leonardo da Vincis und seines Umkreises orientiert, die geometrischen Abstraktionen der Gewänder verweisen hingegen auf die Malerei Alvise Vivarinis.
Vielleicht schon in Venedig ab Mitte der Neunziger Jahre des 15. Jh., aber sicherlich ab 1504 bis 1511 (im letztem Jahr ist Giovanni Agostino wieder in der Lombardei, nämlich in Mailand dokumentiert), schuf der Maler aus Lodi um die Jahrhundertwende die Altarflügel der Kirche San Basilio (venezianisch: San Basegio) in Venedig, welche in den Stadtführern des 17.-18. Jh. ausgerechnet Vivarini zugeordnet sind. Ein Überbleibsel jenes Werkes ist die beidseitig bemalte Tafel der Gemäldegalerie. Nicht zufällig ist auf deren Rückseite (mit der Darstellung des schreibenden alten Evangelisten Johannes) unten rechts in Kapitalbuchstaben noch der Name des Venezianers zu lesen.
Der quasi expressionistische Künstler, der den Protagonisten seiner Gemälde immer wieder dieselben Ausdrucksweisen verlieh, war lange vergessen. In den letzten vierzig Jahren wurde er jedoch als Knotenpunkt des lombard-venezianischen Kontextes des frühen 16. Jh. wiederentdeckt, nicht zuletzt auf Grund der Qualität seines zeichnerischen Œuvres. Die leuchtende Palette der zickzackartigen Gewebe des Engels und die ausgezeichnete wellige Frisur sind typisch für die Nachfolger von Leonardo (Boltraffio, Oggiono…); sie bilden einen überraschenden Kontrast zum teilweise monochrom beschriebenen Johannes und dessen melancholischem Aussehen.
Die von unten in perspektivischer Verkürzung dargestellten Figuren lassen vermuten, dass der Verkündigungsengel sich im oberen Teil des linken Orgelflügels befand. Es fehlt rechts die zur Verkündigungsszene gehörende Figur der Maria, die auf dem rechten Orgelflügel platziert zu denken ist. Auf der Rückseite wäre rechts die Darstellung eines anderen Heiligen (Johannes des Täufers?), wenn nicht eines Propheten zu erwarten. Über die unteren Tafeln dieser venezianischen Orgelflügel hingegen lässt sich nichts Genaues sagen, sie waren wohl mit weiteren Heiligen besetzt.

Letzte Aktualisierung: 03.07.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

Weitere Objekte aus den Sammlungen

Bildnis eines jungen Mannes

Bildnis eines jungen Mannes

Versonnen blickt der dunkelhaarige junge Mann nach rechts in die Ferne. Von seinem schwarzen Gewand hebt sich ein kostbarer, weißer Spitzenkragen ab, auf den sein langes Haar fällt. Maratti präsentiert den Dargestellten hier schlicht und unprätentiös, zugleich jedoch sehr würdevoll und elegant. Durch eine Inschrift auf der Rückseite sind uns heute Entstehungsjahr und -ort des Gemäldes bekannt, sowie das Alter des Dargestellten. Als er sich 1663 in Rom porträtieren ließ, war er 24 Jahre und drei Monate alt. Maratti gehörte zu den begehrtesten Malern in Rom und arbeitete für die höchsten gesellschaftlichen Kreise, u.a. auch für Papst Clemens IX., dessen von Maratti geschaffenes Bildnis heute zu den bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts zählt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Auf der Doublierleinwand Transkription (des 19. Jh.) einer alten Inschrift: AETATIS VAE XXIV / ET III MENS / IN ROMA 1663 / C.M.F.___________________________________________________________________________With a pensive gaze, a dark-haired young man looks to the right into the distance. His long hair falls on the sumptuous, white lace collar that stands out against his black garment. Maratti presents the portrayed modestly and unpretentiously, yet also elegantly and dignified. An inscription on the back tells us the year and place of creation, as well as the age of the portrayed. In 1663, when he was painted in Rome, he was 24 years and three-months-old. Maratti was one of the most sought after artists in Rome and worked for the social elite, including Pope Clemens IX, whose portrait is considered one of the most important paintings of the 17th century.| Britta Bode